Wednesday, 13 December 2017

The Potemkin Village

Legend has it that the „Potemkin Village“ originated in an effort by Russian Field Marshal Grigory Aleksandrovich Potemkin „to conceal from Empress Catherine the Great the shabby state of the villages in the recently annexed territory of Crimea in 1787. Walter Moser, Chief Curator for photography in the Albertina, Vienna, one of the contributing writers to this tome, labels it „an anecdote most likely invented by Potemkin's political adversaries“.

Starting in June 2015, photographer Gregor Sailer, who is based in Tyrol, Austria, traveled to Russia, Sweden, Germany, France, England, the United States, and China in search of Potemkin Villages or, differently put, „fake towns“.

In the Russian city of Suzdal, for instance, he photographs faux façades that were pasted onto rundown buildings (in anticipation of a visit by President Vladmir Putin in 2013). He also takes pictures in the city of Ufa, in the Ural Mountains, where in 2015, as Walter Moser writes, „entire streets were masked behind tarps and banners to make it look prosperous and well kept even in the glare of the limelight forced upon it by a Triple Summit of the BRICS states, Eurasian Economic Union, and Shanghai Cooperation Organisation“.

Looking at these photographs puts me in a quandary: I know that I'm looking at fake buildings yet I do not see fake buildings. Moreover: Am I really looking at buildings? I'm looking at photographs of buildings that I have been told are not what they seem to be. In other words: I see what I believe that I see.

Photographs, by their very nature, can only show me what has been in front of a camera at a given moment. They do not inform me whether someting is real or not for what they record are surfaces. And precisely because of this I do find looking at these photographs fascinating – I do know that my eyes are fooling me but with the help of my brain I'm able to correct what the pictures suggest. Or, differently put, what I know about a photograph helps me to see it differently.

For the full review, go to http://www.fstopmagazine.com/

Wednesday, 6 December 2017

National Geographic: Europa

Das Cover dieses grossformatigen Bandes stammt aus den 1950er Jahren und wurde von Andrew H. Brown aufgenommen. "'Schneebedeckte Gipfel und rote Scheunen hängen kopfüber im friedlichen Norangsfjord', lautet die Bildunterschrift zu diesem Foto im Januar-Heft 1957 von National Geographic. Das Klima Westnorwegens ist durch den Nordatlantikstrom recht milde, so dass die Bauern immer wieder gute Ernten einfahren können. Man lebt hier jedoch in einer vertikalen Welt, wo schneebedeckte Gipfel Hunderte von Metern in die Höhe ragen und somit ständig die Gefahr von Bergstürzen und Lawinen besteht."

Die Aufnahmen stammen aus der Vor-Handy-Zeit, als die Ausrüstung eines Fotografen recht sperrig und schwer sein konnte. So schleppte etwa Robert F. Sisson eine halbe Tonne nach Ecuador, "wo er 19 Tage neben einer Blume ausharrte in der Hoffnung, ein bestimmter Falter würde sich auf ihr niederlassen – was freilich nie geschah." 
Deutschland (DDR), 1973 @ Gordon Gahan/Taschen
Vom Schloss aus betrachtet, verlieren sich die alten Fachwerkhäuser von Stolberg (Harz) im nebligen Tal. der alte Kurort hat den stürmischen Verlauf der deutschen Geschichte weitgehend intakt überstanden. Die Familie des Grafen zu Stolberg-Stolberg wurde 1945 enteignet, als die Stadt der Sowjetischen Besatzungszone zufiel.

Wir schon der National Geographic-Band Asien & Ozeanien zeichnet sich auch Europa nicht nur durch eindrückliche, meist farbige Aufnahmen aus, sondern auch durch höchst informative Bildlegenden (von Mark Collins Jenkins), die weit über die üblichen (meist wenig aussagekräftigen) Legenden hinaus gehen.

Europa beginnt mit Nordeuropa (Dänemark, Färöer, Finnland, Island, Norwegen, Schweden) und wird mit diesem schönen Zitat von Alma Luise Olson vom Oktober 1938 eingeleitet: "Die Finnen sind äusserst nachsichtig, wenn ein Fremder kommt und ein erschreckendes Unwissen über ihr Land offenbart. Sie wissen, dass es fernab liegt. Und sie sind oft die Ersten, die ihr Land als klein bezeichnen." Die Nachsicht in Sachen Unwissen kann ich nur bestätigen, sie gilt auch heute noch. Als ich vor einigen Jahren in Nykarleby (in der Nähe von Vasa) eintraf, hatte ich keine Ahnung, dass in dieser Gegend eine schwedische Minderheit heimisch war – und niemanden schien meine Unwissenheit zu erstaunen, mit Ausnahme von mir selber. 
Vereinigtes Königreich (Wales), 1964 @ Thomas Nebbia /Taschen
Junge Wanderer überqueren den Llanberis-Pass im Snowdonia Nationalpark. Um diese Region ranken sich viele Legenden. Der verwundete König Artus, so glauben die Waliser, forderte den Tafelritter Sir Bedivere auf, das Schwert Excalibur in den Glaslyn zu werfen. Dieser 'blaue See' liegt nicht weit von hier. Und unterhalb des Gipfels des Y Liwedd schlafen noch immer die Ritter der Tafelrunde und warten auf die Rückkehr ihres Anführers von der Insel Avalon.

Auf Nordeuropa folgt Osteuropa, das Estland, Georgien. Litauen, Rumänien, das heutige Russland und die frühere Sowjetunion umfasst – eine einzigartige Zeitreise. die auch nostalgische Sehnsüchte aufkommen lässt (nach Menschen, denen die Kamera entweder egal war oder die sich mit einer Unbefangenheit ablichten liessen wie man sich das heute kaum mehr vorstellen kann).

Mitteleuropa schliesst (ich wundere mich, in welch unvertrauter Nachbarschaft sich die Schweiz befindet) Deutschland, Österreich, Polen, Schweiz, Tschechoslowakei, Ungarn mit ein. Ich bestaune einen idyllischen Bootsanlegeplatz am Vierwaldstättersee (in Brunnen, in den 1920er Jahren), eine verschneite Landschaft im Schwarzwald (ebenfalls in den 1920er Jahren) sowie das futuristisch anmutende Sony Center im ehemaligen Todesstreifen und Niemandsland der Berliner Mauer (2015). Meine Lieblingsaufnahme hat James P. Blair 1968 in der Tschechoslowakei aufgenommen, sie zeigt eine friedliche Szene im mährischen Teltsch – als im ganzen Land der Aufstand gegen die sowjetischen Besatzer brodelt, rennen drei kleine Mädchen in Rot vor einer sonnenbeschienenen Fasasade einem roten Ball hinterher. 
Italien, 1995 @ William Albert Allard/Taschen
Die italienische Schauspielerin Benedetta Buccellato in ihrer Rolle in Aischylos' Der gefesselte Prometheus.

Westeuropa ist unterteilt in Belgien, England, Frankreich, Irland, Monaco, Niederlande, Nordirland, Schottland und Wales. Präsentiert wird ein Mix von ganz Unterschiedlichem: Für eine Auktion bestimmte Lämmer in Schottland (1983), Körbe und Kisten voller Tulpenzwiebeln in der Lagerhalle eines niederländischen Exporteurs (1977), Zwei junge Damen, die im französischen Saumur ihr Auto an der Ufermauer geparkt haben (1920er Jahre) und und und ...

Südeuropa schliesslich umfasst Albanien, Bulgarien, Giechenland, Italien, Jugoslawien, Mazedonien, Portugal, Spanien, Türkei und Vatikanstadt. Was für eine bunte Mischung! Sie allein lohnt diesen prachtvollen Band!

National Geographic
In 125 Jahren um die Welt
Europa
Herausgegeben von Reuel Golden
Taschen, Köln 2017

Wednesday, 29 November 2017

Fotografische Wirklichkeiten

Es gibt Fotografien, die mich ganz unvermittelt in ihren Bann ziehen. Die Aufnahme auf dem obigen Cover zum Beispiel. Weshalb das so ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, doch ich kann Vermutungen anstellen: Wenn ich selber fotografiere, mache ich oft ähnliche Aufnahmen. Sie zeigen meist Unspektakuläres, Alltägliches, Dinge, die den meisten Menschen, stelle ich mir vor, zu unbedeutend erscheinen, um dokumentiert zu werden. Mir selber sind diese Aufnahmen bedeutsam, weil ich das Unspektakuläre und Alltägliche bedeutsam finde: für mich ist das Banale nicht nur speziell, sondern es zieht mich an, ich hege dafür eine zärtliche Zuneigung.

 Ich gebe mich diesen Gefühlen einfach hin, die Bedeutungszuschreibung des in Kronberg bei Frankfurt am Main lebenden Fotografen Peter Braunholz ist mir fremd: "Im fotografischen Prozess findet eine Transformation vom Objekt zum Bild statt, das Wesen (der Dinge) wird offenbar und inhaltliche und formale Verbindungen und Zusammenhänge (...) werden deutlich." Das Wesen der Dinge? Wirklich?
Topophilia III, Spanien 2016 @ Peter Braunholz/Kehrer

Der 1963 geborene Peter Braunholz studierte Musik, Germanistik und Filmwissenschaften. Im Alter von 36 Jahren beschliesst er, sich ganz auf die Fotografie zu konzentrieren. "Von da an hatte es für mich Suchtcharakter." Unter seinen Vorbildern finden sich Paul Strand, Albert Renger-Patzsch, Robert Adams und Heinrich Riebesehl, denen er übrigens auch seinen Dank ausspricht. Und nicht nur ihnen, sondern noch vielen anderen mehr, von Paul Watzlawik über Edward Weston bis zu Christy Karpinski (die ich hier erwähne, weil ich seit 2014 einer der "contributing writers" ihrer Website bin).

Mir ist diese umfängliche Liste von Leuten, bei denen sich der Peter Braunholz bedankt, sehr sympathisch, weil er damit auch klar macht, dass seine Ideen und Vorstellungen nicht einfach vom Himmel gefallen beziehungsweise seinen Genen zu verdanken sind, sondern sich entwickelt haben, von anderen Menschen beeinflusst und geprägt worden sind (von den Umständen gar nicht zu reden).
Topophilia IV, Deutschland 2016 @ Peter Braunholz/Kehrer

Der als freier Kurator und Autor in Köln lebende Kunsthistoriker Gérard A. Goodrow hält in seinem Beitrag "Die dritte Wirklichkeit. Die fotografischen Welten des Peter Braunholz" fest: "Es geht hier weder um den vielbesprochenen Wahrheitsgehalt der Fotografie noch darum, wie die Wirklichkeit mithilfe der Fotografie manipuliert werden kann. Stattdessen könnte man ein jetzt schon geflügeltes Wort aus der aktuellen Politik leicht umwandeln und positiv aufladen, nämlich 'alternative Wirklichkeiten'. Nicht im Sinne von Fakten, die keine sind, sodass man sie zurechtbiegen muss, sondern vielmehr als eine alternative Art, die Welt mit anderen, vielleicht sogar fremden Augen zu sehen. Peter Braunholz spricht von einer 'dritten Wirklichkeit'".

Dritte Wirklichkeit? Das klingt in meinen Ohren nicht nur prätentiös, sondern, angesichts Peter Braunholz' eigener Ausführungen, "dass die Wirklichkeit viele Gesichter hat und dass es keine Wahrheit gibt, sondern nur Perpektiven" (eine Auffassung, die ich im Übrigen nicht teile: So gibt es etwa die Wahrheit der Schwerkraft oder des Todes, ganz ungeachtet der jeweiligen Perspektive), auch wenig einleuchtend.
Diametral I, Deutschland 2016 @ Peter Braunholz/Kehrer

Die Aufnahmen zeigen von Menschen Gemachtes wie auch Ausschnitte der Natur, sowohl schwarz/weiss als auch in Farbe und in ganz unterschiedlichen Formaten. Für Peter Braunholz ist der Ausschnitt "der entscheidende gestalterische Akt bei der Komposition einer Fotografie." Das ist zwar etwas unglücklich formuliert (der Ausschnitt ist kein Akt, sondern das Resultat eines Aktes, des Einrahmens nämlich), doch finde ich seinen Hinweis auf das Nicht-Reale der Fotografie ausgesprochen illustrativ: "Ein besonders unnatürlicher Ausschnitt ist das Quadrat, mit welchem man eine surreale Bildwirkung noch unterstreicht."

Peter Braunholz
Photographic Realities / Fotografische Wirklichkeiten
Kehrer Verlag, Heidelberg Berlin 2017

Wednesday, 22 November 2017

National Geographic: Asien & Ozeanien

Die vorliegende grossformatige Band dokumentiert eine fotografische Reise vom Libanon bis zur Osterinsel. So beeindruckend die Aufnahmen auch häufig sind, die ausgewählten Berichte und Reportagen aus dem Archiv von National Geographic, von denen der Klappentext spricht, sind in diesem Band nicht zu finden, denn er kommt, abgesehen von einem kurzen einführenden Essay von Douglas Brinkley (der sich hauptsächlich mit Mike McCurrys berühmtester Aufnahme, dem afghanischen Mädchen, befasst) ohne Textbeiträge aus, dafür sind die Bildlegenden von Mark Collins Jenkins höchst informativ – eine (sehr willkommene) Rarität, wie jeder weiss, der sich mit Photojournalismus beschäftigt. Als Beispiel möge die Legende zur folgenden Aufnahme von Steve McCurry aus dem Irak dienen.
Irak, 1984 @ Steve McCurry/Taschen
Im Herzen des a-Schahid-Monuments in Bagdad brennt eine ewige Flamme. Die 'Gedenkstätte der Märtyrer' soll augenfällig an den Sieg der Araber über die Perser bei Kadesia im Jahre 637 n. Chr. erinnern. Auf diese Schlacht nahm Saddam Hussein Bezug, als er 1980 das moderne Persien  den Iran  überfiel. Acht Jahre später, als er den ersten Golfkrieg (1980-1988) mit Unterstützung des Westens und der arabischen Golfstaaten sowie durch den Einsatz chemischer Waffen beendet, ehrt dieses Denkmal auch die halbe Million Iraker, die in diesem Krieg gefallen sind (eine Million Tote auf iranischer Seite zählen allerdings nicht). Letztlich sind aber alle Opfer umsonst, denn kein Quadratzentimeter Land wechselte den Besitzer.

Ganz viele und ganz erstaunliche Bilder sind in diesem prächtigen Band zu sehen. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Etwa wenn ich die Aufnahme von Kal Muller (der im Anhang, der die Biografien der Fotografen auflistet, fehlt) von den Neuen Hebriden aus dem Jahre 1969 betrachte, worauf ein Mann von einem 25 Meter hohen Turm springt, der aus Lianen, Langhölzern und Ästen zusammengebastelt wurde. Bungee-Jumping ohne Gummiseil, bei dem der Mann von Lianen an seinen Knöcheln kurz vor dem Boden abgefangen werden soll.
Libanon, 1957 @ Thomas Abercrombie/Taschen
Ein Schäfer führt seine Schafe über die Rue Georges Picot in Beirut. Ein Kontrast, dem man Mitte des 20. Jahrhunderts oft begegnet: Der Mann trägt ein arabisches Gewand, aber auch ein Sakko westlichen Stils. Teils islamisch, teils christlich, teils morgenländisch, teils abendländisch ist die Hauptstadt des Libanon das "Paris des nahen Ostens". Beirut ist ebenso berühmt für seine glanzvollen Cafés wie für seine Basare, Banken und Handelshäuser.

Es ist selten, sehr selten, dass mich Bildlegenden (es ist eine Kunst, Vielfältiges und Komplexes kurz und prägnant in Worte zu fassen) geradezu begeistern, weshalb ich denn auch gleich auf noch ein Beispiel aufmerksam machen will. Eine schwarz/weisse Aufnahme aus Afghanistan aus dem Jahre 1931 von Maynard Owen Williams zeigt Lastesel, die an den riesigen Buddha-Statuen des Bamiyan-Tals vorbeiziehen. "'Niemals zuvor wurden solche Aufnahmen gemacht, wie sie mir gelangen', begeisterte sich der National Geographic-Fotograf in einem Brief an die Redaktion. Williams ist einer der ersten Berufsfotografen, die in ein Land einreisen dürfen, das bis 1919 für Ausländer gesperrt war. 70 Jahre nach dieser Aufnahme werden die berühmten Standbilder von fanatischen Taliban-Milizen zerstört."
Indonesien, 1988 @ Charles O'Rear/Taschen
Jakartas imposante Istiqlal-Moschee ist zur Gebetszeit voll besetzt. Die Gläubigen richten sich gen Mekka. Der Journalist Tracy Dahlby hat den Auftrag, über das in Schwierigkeiten geratene Indonesien, die grösste muslimische Nation auf Erden, zu berichten und kommt zu dem Schluss, "der Weg in die Zukunft verlaufe durch die islamische Identität des Landes."

"Die lebhaften Kodachrome-Bilder, die Sie hier sehen, zeichnen die Geschichte des 20. Jahrhunderts nach: beispielsweise den Aufstieg und Fall der UdSSR, ein aufkeimendes Umweltbewusstsein, das Verschwinden oder die Rettung gefährdeter Arten", notiert Douglas Brinkley. Dass diese Geschichte immer unvollständig bleiben wird, versteht sich, doch die Akzente, die dieses eindrückliche Werk setzt, sind aufregend, anregend und lehrreich. So lernte ich unter anderem, dass die vermutlich höchstgelegene Mine der Welt (die Grasberg-Mine auf Neuguinea) auf knapp 4 000 Metern über Meer liegt und dass die Russen ganz ähnlich über Sibirien denken wie die Amerikaner einst über ihren Westen dachten.

National Geographic
In 125 Jahren um die Welt
Asien & Ozeanien
Herausgegeben von Reuel Golden
Taschen Verlag, Köln 2017

Wednesday, 15 November 2017

Nighthawks

Jedes Bild erzählt eine Geschichte, heisst es in der Pressemitteilung. Nicht nur eine, sondern mehrere. Zudem: Nicht die Bilder erzählen Geschichten, sondern die, die sie sich anschauen, weshalb sie denn auch meist mehr über die Betrachter als über das Betrachtete aussagen.

Was für eine tolle Idee, Geschichten von US-Autoren (wobei: Lee Child ist Engländer, lebt jedoch schon lange in Manhattan) zu den Bildern von Edward Hopper (1882-1967), diesem ikonischen US-Maler, in einem Band zu publizieren. Noch toller ist, dass es sich dabei hauptsächlich um Thriller-Autoren handelt, die ich schätze. Unter ihnen gibt es auch solche, von denen mir nur die Namen geläufig sind und noch andere, die ich überhaupt nicht kenne, auf die ich jedoch hinreichend neugierig bin, weil ich vor vielen Jahren auch ein paar Bücher (aus der Bernie-Rhodenbarr-Serie) des Herausgebers, Lawrence Block, gelesen habe und ihm deswegen vertraue, obwohl ich keine rechte Erinnerung mehr daran habe.

Den einzelnen Geschichten ist eine Kurzinformation über die jeweiligen Autoren vorangestellt, bei einigen erfährt man etwas über ihren Hopper-Bezug, bei anderen nicht. Bei Jill D. Block liest man: "Sie erinnert sich vage, am College einen Kurs in Kunstgeschichte belegt zu haben, in dem sie in der kurzen Zeitspanne zwischen dem Ausschalten der Beleuchtung und dem Einschlafen möglicherweise ein Dia von einem Edward-Hopper-Gemälde gesehen hat." Was ihre Geschichte mit Hopper zu tun hat, hat sich mir nicht einmal vage erschlossen, doch sie ist clever aufgebaut, zieht einen hinein.

Auf ganz vielfältige Art gelungen ist Robert Olen Butlers 'Abenddämmerung'. Das Hopper-Bild zeigt einen Pierrot auf einer Restaurantterrasse sitzen, eine Zigarette im Mund und vor sich hin starrend. Butlers Protagonist ist Maler, hat seine Frau Solange von der Place Pigalle gerettet und oft gemalt. "Sie hat sich in das Bild verliebt, das ich für sie erschaffen habe. Ich habe die wahre Gestalt ihres Fleisches gemalt, in Sonnenlicht und Schatten, im Schlaf und in Leidenschaft. Nur ich kenne die wahre Rötung ihrer Wangen, das rohe Siena und Ockergelb und Kadmiumrot unter den grellen Farben, mit denen sie das leidenschaftliche Gesicht gemalt hat, dass sie Leclerc präsentiert. Wir haben begriffen, Solange und ich, dass sie im tieferen Sinn nicht mehr existiert, es sei denn durch meine Hand."

Fazit: Ein höchst anregender Band, der nicht nur einlädt, Hoppers Bilder genauer zu betrachten, sondern auch Autoren zu entdecken. Zum Beispiel Craig Ferguson, der ein Fan von Edward Hopper, Lawrence Block, Elvis Presley und des heiligen Augustinus ist und von dem diese ganz wunderbare Passage stammt: "Während die Zeit dahinschwand, begannen die beiden alten Männer, die ihr ganzes Leben nur wenige Meilen voneinander gelebt hatten, einander ihre Geschichten zu erzählen, und in der Art von Menschen, denen Lächerlichkeit und Scham fremd geworden sind, vertrauten sie sich auch ihre Misserfolge an. Als Ehegatten, Väter, Liebhaber, als Männer. Und natürlich führte dieses Teilen ihrer Misserfolge dazu, dass sie einander mochten. Ein Vertrauen, zu dem nur die Verdammten fähig sind."

PS: Neben den bereits erwähnten, finden sich auch Geschichten folgender Autoren in dieser sehr ansprechenden Anthologie: Megan Abbott, Nicholas Christopher, Michael Connelly, Jeffrey Deaver, Stephen King, Joe R. Lansdale, Gail Levin, Warren Moore, Joyce Carol Oates, Kris Nelscott, Jonathan Santlofer sowie Justin Scott.

Nighthawks
Stories nach Gemälden von Edward Hopper
Herausgegeben von Laurence Block
Droemer, München 2017

Wednesday, 8 November 2017

Eine Reise um die Welt in 365 Tagen

Für jeden der 365 Tage des Jahres ein Bild von einem Magnum-Fotografen (darunter auch Frauen), ausgewählt (kuratiert, nennt das die Presse-Information) von Elisa Mazza. "Das Buch versteht sich als eine Art Atlas, der die verschiedenen Länder allerdings nicht über topografische Karten, sondern in Form von Fotos vorstellt."

Ein interessantes Konzept, auch wenn man ohne die Begleitinformation zum Bild wohl nicht immer wüsste, welchem Land die Aufnahmen zuzuordnen sind. Der Band erscheint aus Anlass des 70. Geburtstags von Magnum, der vermutlich berühmtesten Fotoagentur der Welt. Die Aufnahmen stammen aus dem Magnum-Archiv und sind von ganz unterschiedlicher Qualität – bei recht vielen wäre ich nie darauf gekommen, dass sie von gepriesenen Fotografen stammen, andere hingegen überzeugten durch gelungene Komposition.

Fotos auszuwählen setzt eine grosse Vertrautheit mit der Bilderwelt sowie ein gut entwickeltes Gespür für die Sprache der Bilder voraus. Welche Kriterien Elisa Mazza (und der von Chris Steele-Perkins ebenfalls in seinem Vorwort erwähnte Hamish Crooks) geleitet haben, wird nicht dargelegt. Man darf annehmen, da so eine Auswahl meist mehr vom Gefühl als von rationalen Überlegungen gesteuert wird, dass wohl wesentlich die Intuition, die sich bei intensiver Auseinandersetzung mit Fotografien entwickelt und verfeinert, entscheidend gewesen ist.

Dieses Buch zeigt unter anderem Werke, die einem Sichtweisen von grosser Originalität auf die Welt eröffnen (als Beispiel mag die Aufnahme des 2016 im Alter von 63 Jahren verstorbenen Peter Marlow von der America's Cup Jubilee Regatta, 2001, in Cowes, England, dienen) und ist darüber hinaus auch eine höchst faszinierende Zeitreise.
Copyright@Peter Marlow/Magnum Photos

Fotografien sind in erster Linie Auslöser. Nehmen wir Josef Koudelkas Aufnahme eines römischen Aquädukts in der Nähe von Oudna (Uthina), Tunesien aus dem Jahre 2012, die den Eindruck erweckt, vor ganz, ganz langer Zeit aufgenommen worden zu sein. Einerseits stellen sich bei mir automatisch Assoziationen an die italienische Präsenz in Nordafrika ein, andererseits gehen mir andere Bilder von Koudelka (vom Prager Frühling) durch den Kopf.
Copyright@Josef Koudelka/Magnum Photos

Zu den für mich faszinierendsten Aufnahmen gehören die Bilder, die Olivia Arthur von saudischen Frauen gemacht hat. Speziell eines, aus dem Jahre 2010, das zwei junge saudische Frauen beim Fastenbrechen zeigt, hat es mir angetan. Im Internet bin ich nicht fündig geworden, im Buch findet es sich unter dem Kalenderdatum des 8. Oktobers.

Eine Reise um die Welt in 365 Bildern ist ein höchst vielfältiger und anregender Begleiter durchs Jahr.

Eine Reise um die Welt in 365 Bildern
Das Magnum Archiv
Prestel Verlag, München - London - New York 2017

Wednesday, 1 November 2017

Elizabeth Heyert: The Outsider

I love the concept of this book and do think it an excellent idea to photograph people who take photographs of other people – and felt instant sympathy when glancing through the pages of this tome. Very probably because I have taken such pictures myself. And also, because these photographs show the ones portrayed as actors on a stage.

In 2014, Elizabeth Heyert, who lives and works in New York, started to photograph the Chinese taking photographs of each other. „They shoot incessantly, often with family members looking on and directing, and with an intimacy with their environment that borders on stagecraft.“

She traveled to Beijing, Shanghai, Suzhou and Hangzhou, „often wading through enormous crowds to uncover private moments between people who were strangers to me.“ Unable to speak Chinese, she remains an outsider, a spectator. In her words: „I call the project The Outsider because as a Westerner in the East, and a stranger in a foreign culture searching for authenticity, I allowed myself to be a spectator of the photographer/subject relationship.“

Part of being attracted to this book results from the fact that I myself have once been (in 2002, as a teacher of English) a stranger in this foreign Chinese culture, albeit not searching for authenticity (also: the idea of searching for authenticity via photographs has so far never occurred to me) but missing the possibility to communicate with words. Being unable to verbally communicate while being amongst the Chinese often felt like visiting a zoo – which, needless to say, can be fascinating, on both sides. I particularly remember Chinese children who stared and cheered at me up in the mountains of Fujian Province – as strange and fascinating as they seemed to me, as strange and fascinating I must have seemed to them.

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Wednesday, 25 October 2017

In Trondheim

"To Trains" the signs at Trondheim airport say and so I assume that by following them I will get to the airport train station. After quite some walking I ask a young couple that comes towards me from where I'm heading to where I can buy a train ticket. They don't know, they say, they have never taken a train. I continue to follow the signs that eventually point to stairs that lead downward to sliding doors, an empty platform and two equally empty railway lines on both sides of the platform. It is pitch dark, I'm the only human being in what feels like a science fiction scenario and so I decide to return to the arrival hall of the airport. As I climb up the stairs a young woman is heading down the stairs. Is this the station? I ask. I don't know, she says, I've never taken a train.
It was mine, says the elderly man standing net to me in the souvenir shop of the Nidaros Dom. I was slightly perplexed for I could neither place him nor what he just had said. But then it dawned on me that we had met in the elevator of the hotel where we both stayed and his "it was mine" referred to the room card that he had picked up from the elevator floor.

He was from Southern Norway. We talked about the unusually warm weather when all of a sudden he asked whether I knew Svalbard. Sort if, I said, for I had recently reviewed a photo book about it (Svalbard- an arcticficial-life). It is really weird up there, he said. And dangerous. Because the polar bears eat you. You have to carry a gun at all times. It was warm when I was there, ten above zero, the ice was melting. The polar bears couldn't find anything to eat for they cannot hunt for fish from moving ice blocks. They soon will be extinguished.

With a Norwegian I would never have such a conversation, says the Romanian waitress, who has lived here for quite some years and with whom I had by then chatted for a few minutes. My own Norwegian experience is different (see the above paragraph), the fact that I often take the initiative and start talking is surely a contributing factor. Especially animating conversations I've had with the receptionists at my hotel (one was a martial arts instructor, another knew how to read Braille – one day, in his student dormitory, he had come across an instruction manual and decided to teach himself reading like the blind), the manager of two 7/11s (he had dropped out of informatics studies because he did not feel like spending most of his working hours in front of computer screens and loves the variety of tasks he is now daily dealing with) and the manager of a poster store that sells photographs in various large formats (the ones that sell best are prints in black and white that show scenes from the Tour-de-France – for reasons unbeknownst to her). 
To get away from your usual environment means to experience slower and longer days for you have much more time on your hands. It also means to make discoveries. In Trondhein, for instance, there's the Rockheim, the national museum of popular music where highly knowledgeable and friendly staff will introduce you to Norwegian Rock and Pop. Moreover, the town is full of fabulous architecture and breathtaking scenery.

I also learned that waffles are a Norwegian tradition, in my hotel they were offered for free in the evenings. Another of my culinary discoveries were shrimp baguettes. The first one I had was open so that I could see that there were two slices of lemon on top of the shrimps, the second one however came wrapped in plastic and it didn't occur to me that there could be lemon slices included until I had swallowed one.

Wednesday, 18 October 2017

Photography & Speed

Photography did not appear all at once as we know it now. Talbot's process, the almost-universal method of photography since the 1850s, produced a negative image and the possibility of printing multiple positives from that negative. But it was Daguerre's process that dominated the first decade of photography. Daguerre had found a way to make direct positive images on polished plates. Each daguerreotype was unique, since there was no negative and no printing, and the images were small and elusive. The mirrored surface that at one angle showed the image at another showed the viewer looking at the image; it seemed phantasmagorical in a way paper prints would not. Compared to painting, early photography was astonishingly fast, but it required exposures from dozens of seconds to several minutes. Morse, who was in Paris the spring of Daguerre's announcement, wrote back to New York of the new invention, "Objects moving are not impressed. The Boulevard, so constantly filled with a moving throng of pedestrians and carriages, was perfectly solitary, except for an individual who was having his boots brushed. His feet were compelled, of course, to be stationary for some time, one being on the box of the boot-black and the other on the ground. Consequently his boots and legs were well defined, but he is without body or head, because these were in motion." This man having his shoes polished and the blurry bootblack were the first human beings photographed, and it is eerie to look at them apparently alone, but really surrounded by scores who vanished into speed Photography was faster than painting, but it could only portray the slow world or the still world. People sat for their portraits with braces to hold their heads steady, and in those old portraits fidgeting children are often a blur. Landscapes were photographed on windless days when the leaves wouldn't move and the water was smooth. The bustling nineteenth century had to come to a halt for the camera, until Muybridge and his motion studies.

Even so, photography was a profound transformation of the world it entered. Before, every face, every place, every event, had been unique, seen only once and then lost forever among the changes of age, light, time. The past existed only in memory and interpretation, and the world beyond one's own experience was mostly stories. The rich could commission paintings, the less rich could buy prints, but a photograph reproduced its subject with an immediacy and accuracy art made by hand lacked, and by the 1850s it offered the possibility of mass reproductions, images for everyone. Every photograph was a moment snatched from the river of time. Every photograph was a piece of evidence from the event itself, a material witness. The youthful face of a beloved could be looked at decades after age or death or separation had removed that face, could be possessed like an object. Daguerreotypes, which were soon sold in elaborately molded cases with cut-velvet linings facing the image that sat within, were alluring objects. Soon countless were lining up to possess images of themselves, their families, their dead children, to own the past.

Rebecca Solnit: Rivers of Shadows. Eadweard Muybridge and the technological Wild West

Wednesday, 11 October 2017

Paläo-Art

Paläo-Kunst werde häufig mit paläolitischer Kunst (Höhlenmalerei) verwechselt, schreibt Walton Ford im Vorwort zu diesem grossformatigen Prachtsband. Doch während die Höhlenmalerei von prähistorischen Menschen erschaffen worden sei, stammten die Gemälde der Paläo-Kunst von einem Menschen der Neuzeit, der auf diese Weise die Vorgeschichte abbilden wolle.

Die Paläo-Kunst, eine visuelle Tradition, welche die prähistorische Vergangenheit rekonstruiert, nahm ihren Ursprung 1830 in England. Ausgangspunkt sind die Knochen. "Nachdem Paläontologen die Überreste eines prähistorischen Tieres entdeckt und ausgegraben haben, stellt sich ein Künstler anhand dieser Nachweise in Form von Skeletten vor, wie das Lebewesen wohl einmal ausgesehen haben mag, und füllt dieses Bild mit Muskeln, Haut, einer Textur und Farbe. Für eine Zeichnung oder ein Gemälde versetzt der Paläo-Künstler das rekonstruierte Urtier schliesslich in einen urwüchsigen  Lebensraum, samt den passenden Pflanzen und einer entsprechenden Landschaft." 
Pteranodon
Heinrich Harder, reconstructed by Hans Jochen Ihle, 1982
Explosives blasted the Berlin Aquarium in November 1943, destroying Harder’s dazzling mosaics on the facade. In 1982, the Aquarium reconstructed the mosaics, using photographs, tile fragments, and Harder's original plans. The book features all-new photography of these historic recreations.
Copyright: Borrissiak Paleontological Institute RAS

Zoë Lescaze widmet ihre Einführung ("Die Kunst, die Toten zum Leben zu erwecken") grösstenteils der Entstehung (ca. 1830) der Duria Antiquior von Thomas de la Bèche, einem Geologen, der fossile Funde seiner Fantasie unterwarf und noch nie gesehene Tiere kreierte und so die erste Abbildung (Aquarell auf Papier) der prähistorischen Welt schuf. "Ursprünglich wollte der Geologe einfach einer Freundin helfen, als er sich an die Zeichnung der Tiere machte, die einst am östlichen Zipfel Dorsets lebten und starben."

Das Bild Duria Antiquior wurde als Lithographie reproduziert und verbreitete sich rasch in den Wissenschaftszirkeln Londons. Verschiedene Wissenschaftszweige, unter ihnen die Paläontologie, entwickelten sich in dieser Zeit rasant. "Für viele bestand der Reiz der Fossilien darin, dass sie das Unendliche endlich erscheinen und unermesslich viele Jahrtausende wahrhaft physisch (be)greifbar machen konnten." 
Tree of Life
Alexander Mikhailovich Belashov, 1984
All-new photography of this colossal Russian mosaic shows the work teeming with animals, spanning millions of years in geological time.
Copyright: Borrissiak Paleontological Institute RAS

Die frühen Paläo-Künster, so Zoë Lescaze, wollten so recht eigentlich gar nicht besonders fantasievoll sein. Ihre Werke erschienen vorwiegend zur Illustration wissenschaftlicher Werke. Ihre modernen Ausformungen haben, wie wir alle wissen, schon längst Hollywood erreicht. "Heutzutage ist die visuelle Kultur von Dinosauriern  und anderen prähistorischen Tieren geradezu übersättigt." Doch nicht die ganze Paläo-Kunst ist Mainstream. "Einige Werke der Paläo-Kunst sind breite, gut gepflasterte Boulevards, andere dagegen verwinkelte Gassen – sie alle aber führen in unerwartete Gegenden der menschlichen Psyche." 

Aufklärend fasst der Klappentext zusammen, dass es sich bei diesem Buch um eine beeindruckende Sammlung von Kunstwerken aus wichtigen naturgeschichtlichen Museen, düsteren Archiven und Privatsammlungen  handelt. Zudem enthält dieser Band, neben vier Faltblättern, auch "neue Fotografien zentraler Werke, darunter auch Charles R. Knights Dinosaurier-Gemälde in Chicago und wenig bekannte Meisterwerke wie A.M Belashovs monumentales Mosaik in Moskau." 
Tyrannosaurus and Edmontosaurus
Ely Kish, c. 1976
Copyright: Eleanor Kish, © Canadian Museum of Nature

Für jemanden wie mich, für den die Paläo-Kunst absolutes Neuland ist, tragen die kenntnisreichen und wohlformulierten Texte von Zoë Lescaze ganz besonders zur Wertschätzung dieses beeindruckenden Werkes bei. Nicht zuletzt, weil sie mir klar gemacht haben, dass die Paläo-Art auch immer ein Nachsinnen über die Frage ist, ob die Menschheit als Art überdauern wird, was mit sich bringt, "sich seines eigenen Lebens und unvermeidlichen Todes bewusst zu werden." Ich fühlte mich durch die Beschäftigung mit dieser zwischen Fakt und Fiktion angesiedelten Kunst wunderbar bereichert.

Zoë Lescaze
mit einem Vorwort von Walton Ford
PALÄO-ART
Darstellungen der Urgeschichte
Taschen Verlag, Köln 2017

Wednesday, 4 October 2017

False Memories

Thirty years ago, I shared an apartment with my younger brother Thomas in Lausanne. Of the trips that we did together to places nearby, I particularly remember one by car to the Lac de Joux. The area around it looked sort of moon-like, lots of stones, it radiated the aura of a windswept, rugged terrain. Now imagine my surprise when, a few days ago, I revisited the place and it didn't in the least resemble my memory.
Don't get me wrong: I liked what I saw yet started to wonder what strange tricks my mind seemed to have played on me. Was it maybe another lake and I had simply mistaken it? I've decided to explore the surroundings of Le Pont, where I had gotten off the train, and discovered another nice lake, Lac Brenet, that had absolutely nothing in common with what had been on my mind for all these years.
And so I did what one does in the days of the internet and googled the lakes of the Canton de Vaud – yet there weren't any pictures of a lake that looked even remotely close to the pictures in my head. Had I been dreaming? And if so, for thirty years? Possibly but it doesn't feel right, it feels truly weird. And then my friend Peggy said the windswept, rugged terrain that I occasionally had talked about had always reminded her of Lac de Bret near Puidoux that she knew from visits with her parents – the restaurant shown on the internet looked indeed similar to the one I've always remembered but everything else was much too green. Maybe I should once visit in winter?
It is of course one thing to say that memory is creative, it is however quite another to experience it the way I did while in Le Pont. Disturbing? Definitely! Fascinating? Sure – but above all pretty irritating. Given all these uncertainties in regards to the past (and, needless to say, the future), we're probably well advised to concentrate on the present.

Wednesday, 27 September 2017

Svalbard - An Arcticficial Life

Nick's Limo  @ Julia de Cooker

Svalbard – An Arcticficial Life by Paris-based Julia de Cooker, born 1988, a French/Dutch photographer, educated at ECAL, the School of Art and Design in Lausanne, Switzerland, portrays an archipelago in the very north of mainland Europe.

According to Wikipedia, Svalbard, a Norwegian archipelago in the Arctic Ocean, about midway between continental Norway and the North Pole, was until 1925 known by its Dutch name Spitsbergen.

What do people do in such a remote place? How do they make a living? When, in 1596, the Dutch seafarer Willem Barentsz arrived at these islands, they became an international whaling base and also a point of departure for expeditions to the North Pole. And then there was also coal mining. Nowadays, the city of Longyearbyen, once known as a mining town, features hotels, restaurants and the University of Svalbard, founded in 1994, one of the most renowned places for the study of Arctic Science, I understand.

Julia de Cooker writes: „About two thousand people from more than forty countries live in the city. They take advantage of the special status of Svalbard, which allows them to live there without visas or working permits.“ This is pretty exceptional indeed and I would have very much liked to discover as to why that is – yet the book doesn't provide such information. I would also have appreciated to learn about the personal views of people living there, about their motivation to choose life in such a remote part of the planet etc.

For more, go to http://www.fstopmagazine.com/ 

Wednesday, 20 September 2017

In Belgrade

On the way from the airport to town, the hotel-driver grabs his mobile phone in order to show me pictures of Skiathos (where his family is from) and of his Nigerian girlfriend. In addition, he invariably points to casting pits and says: Nato bombs.

The pictures of the hotel on the internet and the hotel reality differ considerably yet the staff is friendly and helpful. In the cafés nearby smoking is the rule (and I feel transported back to Switzerland in the 1970s), many sidewalks are used as parking lots.
Since this is my first visit to Belgrade and I know nothing about the place (I had booked a hotel and inquired about the weather – that was my preparation for this five-day trip), I ask locals what they think worthwhile to go and see. Of the places suggested Sava's Temple and the Danube water front in New Belgrade impressed me most.

In order to get to New Belgrade I had to change buses at Zemun station. The fare was 150 Dinar. The bus driver didn't have change for my 200-note and said: 'You go free'. Upon attempting to enter the bus on my way back, the driver beckoned me over to the driver's door. He refused my 150 Dinar, he wanted to talk. Since he only spoke Serbian and I didn't our conversation was limited to exchanging the names of football clubs ('Young Boys', he said. 'Bern', I said. 'Good', he said) and tennis players ('Federer', he smiled, 'Very good'. 'Djokovic good', I smiled. 'Okay', he said). Shortly before the final stop he said 'Drink coffee'. I offered him 150 Dinar. He said 'No', took the 100-note and said 'Okay'.
I go for various unplanned walks, from between five to seven hours a day, stop at many cafés for cappuccino, check out Serbian food (huge portions, excellent meat) and discover, in the neighbourhood of my hotel, many tree-covered narrow streets and alleyways and lots of small businesses – I feel enchanted.

One of the things that baffle me most is the fact that I'm rarely fully present. By this I mean that most of the time I'm only physically where I am and that my mind is somewhere else. This is especially true when I'm caught up in the routines of my daily life. Since going places also means escaping the daily routines, I'm asking myself whether being in a foreign city makes me feel more in the present. A little bit, only a little bit. Time passes more slowly and the days seem clearly longer yet it still requires considerable efforts to focus on the here and now – yet the few successful moments feel definitely great.

Wednesday, 13 September 2017

In the Land of Smiles

"Do you know why the Thais smile so much?", asked my friend Sukit, many years ago, on one of my visits to Trang, the city in Southern Thailand where he, his wife and his son happened to live. "Because a smile is never out of place."

In Thailand, that is. For as I've learned from a Thai woman in her thirties, who had lived twelve years in Sydney, the Thai habit of smiling when having made a mistake (the idea behind it is to try to calm one's boss down) doesn't play well with Australians who are not used to reading the varieties of smiles that the average Thai have at hand and regularly feel like being laughed at.
At the train station in Chachoengsao

The other day, when I inquired at the hotel reception whether my friend Bill, as he had informed me, did leave his phone number, the receptionist asked: "You meet your friend already?". "Yes", I replied, wondering first what this had to do with his phone number but then it dawned on me – since I had already met him, the phone number now wasn't really of use anymore, I imagine her thinking. "Okay, I check", she said and started to examine the rubbish bin. She quite obviously had thrown it away. I started to smile, she smiled back and that was that. There would be other ways to get in touch with Bill.
Meeting point in Chachoengsao

On the wall of my room hangs the following "announce" as it is called:
You can deposit your valuables or money in our safe deposit box at the front desk as the management is not responsible for any loss.
The Hotel will not be held responsible for the guest's property in case of loss or damage as following.
The loss or damage occurs in the hotel.
If the property that is lost is money, gold, traveler checks, jewelry other valuable items the Hotel shall not take responsibility.
The Hotel shall not be liable for any loss or damage by the following cases:
1) The case is beyond the control of the Hotel
2) The existing condition of the article.
3) The loss or damage is made by the guest.

Pretty comprehensive, I'd say.

Wednesday, 6 September 2017

Am Rhein bei Sargans



Diese Aufnahmen machte ich, 
beziehungsweise mein Nokia Phone, 
am 25. August 2017

Nichts verblüfft mich mehr als dieses eigenartige Phänomen, dass ich selten sehe, was vor meiner Nase liegt. So habe ich etwa erst diesen Sommer entdeckt, dass es am Rhein bei Sargans Sandbänke und Steinablagerungen gibt, wo man baden kann. Eigenartig, dass man den grössten Teil seines Lebens – klar doch, ich spreche von mir – so selten sinnlich und gedanklich da ist, wo man physisch ist.

Wednesday, 30 August 2017

Steve McCurry: Afghanistan

Many of the pictures in this tome I remember having admired during an exhibition at the Museum für Gestaltung in Zurich in 2015. As always when looking at Steve McCurry's photographs I marveled at the incredibly intense colours that made the pictures look fantastic and somewhat unreal, fairy-tale like.

Afghanistan is a large format tome (hardcover, 26,7 x 37 cm, 256 pages) – Cologne-based publisher Taschen understands better than most of its competitors that photo books are much more impressive when they come in large format – and that presents stunning portraits, awe-inspiring landscapes, moving scenes as well as compositions that are testimony to the photographer's extraordinary eye.
Bamiyan, 2006 @ Steve McCurry

It goes without saying that what we see in photographs largely depends on what we bring to them. So what do I associate with Afghanistan? What immediately comes to mind is what I've recently heard on TV – that the country is known as the graveyard of empires for many of the world's powers have tried and failed to conquer Afghanistan. Apart from the power struggles, I think of grandiose landscapes and a harsh climate. What I also bring to these images is a willingness to be visually introduced to an unknown world.

What above all strikes me when spending time with Steve McCurry's Afghanistan is the sensation that this is a very old culture – you can see that especially in the eyes and the postures of the people portrayed. They radiate something that goes beyond their immediate presence, they seem to represent not only ancient history but something eternal.

Apart from places of worship, hardly any buildings appear intact. This is certainly due to the ongoing wars that, to the outsider, seem a permanent feature of this country but one also wonders whether Afghans – as the Indian intellectual U.R. Ananthamurty once remarked about Indian writers – are living  "simultaneously in the 12th and 21st centuries, and in every century in between." Steve McCurry's photographs, that often resemble paintings, reinforce this impression.
Kabul, 2003 @ Steve McCurry

In his highly informative afterword William Dalrymple points to the great diversity of racial types. "The genes of one hundred different races meet here and intermingle." And he adds: "As bewitchingly rugged as the Afghans themselves is the formidable landscape that produced them."

Eighty percent are illiterate, I learn. "Yet they are a proud people, eyes levelled straight, in contempt as much as in curiosity: These are the faces, both male and female, that peer so defiantely from Steve McCurry's magnificent Afghan portraits."

Since Steve McCurry has been coming to Afghanistan for over thirty years, he also has had ample opportunity to record the tragedy of Afghanistan's modern wars and this collection isn't short of the ubiquitous violence of the country.

William Dalrymple's text  perfectly complements Steve McCurry's "utterly original" shots. On the one hand because it refers to the photographs in this book (and this is amazingly rare in photo books), on the other hand because the writer shares his own relationship with Afghanistan – especially the story of his latest arrival at Herat airport is wonderfully telling.
Mazar-e Sharif, 1991 @ Steve McCurry

Afghanistan is an extraordinary book about an extraordinary country.

Steve McCurry
Afghanistan
English, German, French
Taschen, Cologne 2017

Wednesday, 23 August 2017

The Human Cost of Agrotoxins

This tome documents the catastrophic consequences of inconsiderate use of agrotoxins by Monsanto in the Northeast of Argentina over twenty years, mainly congenital malformations. But there are also other kinds of sufferings that are not readily visible: miscarriages and cancer, as photojournalist Pablo E. Piovano, born 1981, states.

Unsurprisingly, most media rarely write about it. "Silence was what made most noise. So I decided to go out and document on my own to know what was happening to the health of the people living in the fumigated villages", writes Pablo E. Piovano.

In other words: "The Human Cost of Agrotoxins" is classic documentary and this means: to go out into the world, confront yourself with what is out there   and then tell us about it. 

For the full review, please see http://www.fstopmagazine.com/

Wednesday, 16 August 2017

Foreign Correspondents: The Art of Guessing

When they arrived in Phnom Penh they discovered that there had been a revolution in Thailand. As Times correspondent, Robert was desperate. He read the French newspapers in Phnom Penh, translated the article on the revolution, rewrote it and cabled it to London. As the story was going out he remebered that the French correspondent in Bangkok was a friend of ours and totally unreliable –given to wild exaggeration and catastrophic conclusions.
"Did you cancel the cable?" I asked fearfully.
"No," said Robert, "but I added a shaky postscript: PLEASE CHECK."

Thus do the headlines in Southeast Asia originate. Formerly I had a touching faith in the veracity of our better newspapers, now I read everything from that dim area with tongue in cheek. The respectable format of the London and New York Times impresses me no longer. Behind the authoritative columns I have my memories of the wild and bewildered correspondents in the mad countires in which no Westerner knows or understands what is really happening. Robert spoke fluent Thai and knows more abot Thailand than anyone I ever met out there, but in times of stress the Thai were not given to conversation and most of Robert's stories were educated guesses.

Carol Hollinger
Mai Pen Rai Means Never Mind

Wednesday, 9 August 2017

Edward Weston 1886-1958

@taschen

This beautifully done book of photography by Edward Weston was edited by Manfred Heiting and comes with an essay by Terence Pitts and with a (very brief, comprising merely half a page) portrait by Ansel Adams who wrote among other things: "Edward suffers no sense of personal insecurity in his work; he required no support through 'explanations,' justifications or interpretations ... I would prefer to join Edward in avoiding verbal or written definitions of creative work. Who can talk or write about the Bach Partitas? You just play them or listen to them." And this is exactly what I did after having read that.
Edward Weston with Seneca View Camera 
Copyright: Collection Center of Creative Photography 
© 1981 Center for Creative Photography, Arizona Board of RegentsPhoto: Tina Modotti, 1924

Edward Weston was the son of a doctor, his mother died when he was five, his formal education ended before high school. "I cannot believe I learned anything of value in school, unless it be the will to rebel," he later wrote according to Terence Pitts who writes about the life and art of the photographer in an interesting text entitled "Uncompromising Passion".

Before spending time with this book, I was only familiar with Weston's Nudes and his relationship with Tina Modotti, an Italian immigrant to the United States who had acted in several silent movies in Hollywood and who would eventually become a photographer herself. Their time in Mexico had quite an impact on Weston. "In his daybooks he described street life in Mexico as 'sharp clashes of contrasting extremes ... vital, intense, black and white, never gray'. By contrast, Glendale, California, now seemed 'drab, spiritless, a uniform gray – peopled by exploiters who have raped a fair land."

Eggs and Slicer, 1930
Copyright: Collection Center of Creative Photography 
© 1981 Center for Creative Photography, Arizona Board of Regents

Edward Weston believed that photography must take a different avenue than the other arts. "The camera should be used for recording a life, for rendering the very substance and quintessence of the thing itself, whether it be polished steel or palpitating flesh." And so he also photographed shells and sliced vegetables. "Weston made many of the photographs that are now recognized as among the most important: photographs of a gleaming white chambered nautilus shell set in a dark, ambiguous space; pairs of shells tucked into each other; and sensous bell peppers."

Many of his photographs are razor-sharp, and quite some taken from up close. His credo from later years can be felt or so it seems. "I am no longer trying to 'express myself,' to impose my own personality on nature, but without prejudice, without falsification, to become identified with nature, to see or know things as they are, their very essence, so that what I record is not an interpretation   my idea of what nature should be   but a revelation, a piercing of the smoke screen ..."

Nude, 1936 Copyright: Collection Center of Creative Photography
 © 1981 Center for Creative Photography, Arizona Board of Regents
My favourite pics in this tome show dunes, landscapes and the ones that present views of the Armco Steel mill in Ohio. Weston felt that the artist had to respond to "the architecture of the age, good or bad  showing it in new and fascinating ways", as he had written in his daybooks. Stieglitz, whom he showed his portfolio of prints, was not enchanted. "Instead of destroying or disillusioning me he has given me more confidence and sureness    and finer aesthetic understanding of my medium", Weston wrote to his friend Johan Hagemeyer." In other words, his ego seemed to match the one of Stieglitz.

Edward Weston
1886-1958
Essay by Terence Pitts
With a Portrait by Ansel Adams
Edited by Manfred Heiting
Taschen, Cologne 2017