Thursday, 29 April 2010

Lebenselixier für Bürokratien

Er war überzeugt, dass sich Geschichte wiederholte. Dass sich in den Ruinen aller Reiche die gleichen Leidenschaften, ehrgeizigen Ziele und Torheiten finden liessen. Dass die Philosophie als höchste Form geistiger und spiritueller Übung einigen wenigen Auserwählten vorbehalten blieb. Deshalb blieb die Menschheit in einem Teufelskreis gefangen, den sie selbst geschaffen hatte. Es war keine Frage der Ursünde, sondern der anhaltenden Dummheit.
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Es erstaunte ihn immer wieder aufs Neue, wie das Gehirn Worte, Melodien, Blumendüfte bewahren und dann Jahre nachdem sie die Sinne berührt hatten, wieder freisetzen konnte. Und es war nie vorhersehbar, wann sie wieder auftauchten, es konnte durch einen Klang, einen Anblick oder Geruch ausgelöst werden, der mit dem ursprünglichen Erlebnis gar nichts zu tun hatte.
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Santini hatte viel über 'smart bombs' nachgedacht, jene lasergesteuerten Präzisionsraketen, die den Krieg wie ein Videospiel aussehen liessen. Viele Millionen Dollar teure Waffen, Satelliten, Miniaturkameras. Und was kommt am Ende dabei raus? Jemand baut Mist, vertauscht ein Etikett, machte eine falsche Eingabe in einen Laptop.
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Es erstaunte Paul Teischer immer wieder aufs Neue, im welchem Masse Eifersucht und Kleinkriege geradezu ein Lebenselixier für Bürokratien waren.

William S. Cohen: Die Verschwörer

Tuesday, 27 April 2010

When roofs meet

Difficult to imagine a political debate in which nobody says "you've quoted me out of context". Context of course is not a fixed entity, it does not exist out there and has only to be discovered - context is made. And never is this more apparent than when you take your camera, go out there - and frame. For to frame means to be in charge of creating your own context: everything that exists beyond the confines of my frame, I've decided to not consider.

What you see here is how I framed two roofs in order to make them meet.



Copyright @ Hans Durrer

These photos were taken on Tuesday, 20 April 2010, at the train station Chur-West.

Sunday, 25 April 2010

As Gurdjieff says ...

... every one of these unfortunates during the process of existence should constantly sense and be cognizant of the inevitability of his own death as well as the death of everyone upon whom his eyes or attention rests. Only such a sensation and such a cognizance can now destroy the egoism completely crystallized in them.
G.I. Gurdjieff

Friday, 23 April 2010

Magnum Magnum

Als im Jahre 2007 die Photoagentur Magnum (die Bezeichnung "legendär", ohne die Medienmenschen offenbar nicht über diese Agentur schreiben können, lassen wir für einmal weg, da eh nicht so recht klar ist, was damit eigentlich gemeint ist - und überhaupt, Magnum ist ja nicht tot, es gibt sie nach wie vor) ihren 60. Geburtstag feierte, veröffentlichte Schirmer/Mosel eine grossformatige Festschrift, die ganz schnell vergriffen war, wie übrigens auch die ein Jahr später erschienene leicht verkleinerte Neuauflage. Was nun vorliegt ist die dritte Version und zwar im Small-Size-Format und als Flexbroschur, welche der Verlag so richtig bescheiden, als "das grösste, schönste und authentischste Buch über die Agentur und ihre Photographen, das es je gab!" bezeichnet. Bescheidenheit ist auch Stuart Franklins Sache nicht, für den das Buch ein "einzigartiger Blick in Herz und Seele der besten Bildagentur der Welt" ist. Nun gut, Franklin ist der Präsident von Magnum Photos und so ist ihm sein Selbstlob nachzusehen - genauso wie dem Schirmer/Mosel Verlag.


Sich selber über den grünen Klee zu loben, mag nicht besonders fein sein, heisst aber eben noch lange nicht, dass das Lob nicht verdient ist. Also: ob Magnum die beste Bildagentur der Welt ist, wer will das schon sagen können, doch dass dies wirklich ein ganz aussergewöhnliches Buch ist, darüber besteht überhaupt kein Zweifel. Es gibt ja so recht eigentlich Magnum Bücher zuhauf, da also noch etwas zu machen, dass den üblichen Rahmen guter Photobücher sprengt, ist mehr als bemerkenswert. Und was braucht es, um den Rahmen des Üblichen zu sprengen? Eine clevere Idee - und deren genauso clevere Umsetzung.

Fairway Motor Inn 2005 @ Alec Soth / Magnum Photos

Die clevere Idee hatte Martin Parr, also derjenige Magnum Fotograf, dessen Aufnahme in die Agentur zu heftigen Auseinandersetzungen geführt hatte. Ich selber bin kein Fan seiner Bilder, doch sein Buchkonzept ist bestechend und - angesichts der Animositäten, die in jeder Familie, und damit auch der Magnum-Familie, vorkommen - einigermassen heikel: die Magnum Fotografen wurden gebeten, eine Auswahl aus dem Werk eines oder mehrerer ihrer Kollegen zu treffen und diese dann zu kommentieren. Man kann sich unschwer vorstellen, was für eine diffizile Aufgabe die jeweiligen Zuordnungen darstellten - das Konzept konnte auch nicht hundertprozentig durchgehalten werden, so wählte Dennis Stock, zum Beispiel, seine Arbeiten selber aus - , doch wer wem zugeordnet wurde, soll hier nicht verraten werden, nur soviel: der Herausgeberin ist ein Meisterwerk gelungen.

Verschleierte Frau im "Wild Wadi Water Park", Dubai, Vereinigte Arabische Emirate 2006 @ Thomas Hoepker / Magnum Photos

Das Einzige, was nicht besonders überzeugt, ist der Text "Was ist ein Magnum-Foto?" Man weiss am Schluss der Lektüre eigentlich genau so viel wie am Anfang. Nämlich: dass es sich einer Definition entzieht, weil es ein Magnum-Foto so recht eigentlich gar nicht geben kann (auch wenn man sich vorstellen kann, dass das René Burri Foto von São Paulo auch von Henri Cartier-Bresson hätte sein können), doch dass man manchmal zu spüren vermeint, was das ist, ein Magnum-Foto - und man sich dabei natürlich genauso oft auch irren kann.


MAGNUM MAGNUM
Herausgegeben von Brigitte Lardinois
Mit 413 Fotografien in Farbe und Duotone
Schirmer/Mosel, München 2009

Wednesday, 21 April 2010

Windows in Sedrun

These photos were taken on Sunday, 18 April 2010, in Sedrun, Switzerland.



Copyright @ Hans Durrer

Monday, 19 April 2010

On the rails

Yesterday, I got up early and took the train from Chur to Sedrun. My goal was to walk around Sedrun, a place I had not visited for years, and take pictures. The last wagon was empty save for a sleeping young man (who, when told by the conductor that he was on the wrong train, appeared totally stoned and eventually decided to fall asleep again) and me. Part of the trip I was standing at the rear door - here are some impressions.




Copyright @ Hans Durrer

Saturday, 17 April 2010

Guessing Games

On the train from Frankfurt to Basel, in the dining car. The man opposite me is in his late forties/early fifties and looks like the classical business type: suit and tie and the habitus of somebody who seems to think that he understands the world. He orders a whisky, then a steak with vegetables, a salad, and red wine. He fits my cliché of an American businessman. I often ask myself what people who I happen to meet do for a living, I say to him. Do you mind me guessing what you do? Not at all, he says, please go ahead. I think you are an American businessman, I say. Almost, he smiles. I'm Swedish but I'm indeed a businessman working for an American company. The man sitting next to the Swede is rather thin, and tall, and sports the skin of a person who spends his life indoors. I turn to him: Do you mind me asking you too? No, no, he smiles. To me you look like you're into theology, I say. Almost, he answers, I'm into pathology.

Thursday, 15 April 2010

Charles Darwin

Charles Darwin didn't follow the crowd. He didn't insist on a fancy lab. He had no assistants. And he didn't rush to publish. Most of all, Darwin was a personal scientist. He didn't need to leverage his intellect with an institution or fancy equipment. Anyone could have done the research he did … the zoo and the museum in London was all you needed. The main reason that Darwin is my hero is that he surfaced the truth. He found it, he described it and without useless embellishment, he set it free.
Seth Godin: Charles, My Hero

Tuesday, 13 April 2010

Grüezi und Willkommen


Susann Sitzler, 1970 in Basel geboren, studierte von 1992 bis 1995 Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte, zog dann 1996 nach Berlin, wo sie seither journalistisch arbeitet. Eine Frucht dieser Arbeit ist "Grüezi und Willkommen", nunmehr in der 5., aktualisierten Auflage, worin den Deutschen die Schweiz erklärt wird.

So recht eigentlich wusste ich bereits, als ich das einführende Paul Bilton-Zitat las, dass ich dieses Buch mögen würde. Es geht so: "Menschen, die es fertigbringen, sich mit der Bewirtschaftung von senkrecht abfallenden Berghängen eine Existenzgrundlage zu schaffen, müssen schon ein besonderer Schlag sein." Nicht gerechnet hatte ich allerdings damit, dass Susann Sitzlers clevere Einsichten und ihr trockener Witz mich ständig zu zustimmendem Nicken und lautem Herauslachen verleiten würden. Kurzum: ich fühlte mich bestätigt, bestens instruiert und glänzend unterhalten. Und das passiert mir selten, sehr selten, es liegt Jahre zurück, dass ... doch lassen wir das, gescheiter ist, ich präsentiere hier ein paar "Müschterli" (Kostproben):

"Ohne 'Bitte', 'Danke' und 'Entschuldigung' geht in der Schweiz sehr wenig. Wenn man zahlen möchte, versucht man den Blick der Bedienung aufzufangen. Diese wird dann umgehend zum Tisch kommen und nach weiteren Wünschen fragen. Beim Abtragen der Teller wird oft die Frage 'Isch es rächt gsi?' gestellt ('Hat es geschmeckt?').Wenn man es halbwegs mit seinem Gewissen vereinbaren kann, sollte man sagen 'Sehr gut, dankeschön.' Der Dank gilt nur der Nachfrage, geniessbares Essen darf man für den Preis schon erwarten. Auch kleinste Reklamationen sollte man sich gut überlegen. Zwar wird im Ernstfall der Kellner oder eventuell sein Vorgesetzter den Fehler sofort mit unterwürfigster Geste beheben. Doch vermutlich wird er dem Gast auch ohne Worte zu verstehen geben, dass Reklamieren extrem ungezogen ist. Denn der allgemeinverbindliche Verhaltenscode in der Schweiz heisst: massvolle Selbstverleugnung. Man nennt es 'Rücksicht'."

Das ist sowas von wahr, also wahrer geht es eigentlich nicht mehr. Das gilt ebenso für dies hier: "Es gilt als sehr rücksichtslos, den anderen von seiner Meinung überzeugen zu wollen. Auch Begeisterung wird nicht herausposaunt: 'Das ist schon noch gut' bedeutet 'superklasse'.Und wenn jemand sagt, 'das ist ein relativ schlechtes Gefühl', kann man davon ausgehen, er meint: 'Das ist kaum erträglich'. Positiv an dieser Zurückhaltung ist, dass man von einem Schweizer nie unterbrochen wird. Er ist gar nicht in der Lage, dem andern ins Wort zu fallen."
Wer jetzt - und wenn er Schweizer ist, tut er das automatisch - , sofort nach Einwänden sucht, wird sicher ein oder zwei Beispiele finden, die ihn bestätigen, doch wer einfach einmal den Sitzler'schen Gedanken sich setzen lässt, ihn überdenkt und seine letzten paar Gespräche im Kopf Revue passieren lässt, wird zweifellos fest stellen, dass Susann Sitzler ganz eindeutig recht hat.

Überaus treffend fand ich auch Sätze (ich habe sie ganz willkürlich ausgewählt) wie diese:

"Die beflaggte und blumengeschmückte Innenstadt von Bern sieht sogar an normalen Wochentagen aus wie ein Freilichtmuseum."

"Wer in Appenzell-Innerhoden aufgewachsen ist, möchte auf keinen Fall mit den Einheimischen vom danebenliegenden Appenzell-Ausserrhoden verwechselt werden."

"In einer Demokratie wie der Schweiz sind keine Eliten vorgesehen. Weil es sie trotzdem gibt, bleiben sie unsichtbar."

"Grüezi und Willkommen" ist nicht nur für Deutsche, sondern auch für Schweizer ein informatives Buch. So las ich zum Beispiel verwundert, dass im Jahre 1963, anlässlich der Aufführung von Rolf Hochhuths "Der Stellvertreter" in Basel, Polizisten am Bühnenrand die Schauspieler vor den Prügeln der Zuschauer schützen mussten, erfuhr vom mir unbekannten "Grüeziwandern" ("In Wanderschuhen und halblangen Hosen marschiert man gemütlich durch die Landschaft und wenn einem jemand über den Weg läuft, hat derjenige gewonnen, der zuerst "Grüezi" sagt.") und fragte mich gelegentlich, ob das sein könne ("Es gibt Villengegenden mit geheizten Bürgersteigen ...") ...

Summa summarum: anregend, witzig, informativ, ein wahrer Lesegenuss!

Susann Sitzler
Grüezi und Willkommen
Die Schweiz für Deutsche
Ch. Links Verlag, Berlin 2009

Sunday, 11 April 2010

Spinoza's God

First things first: This not a book review, this is just a brief description of how I felt when, a few days ago, I started to read this tome. It begins with this personal note:

"If I have gotten the straight of Spinoza's philosophy - and we shall see about that - I suspect I owe much of the straightness to the genes bequeathed to me by my father. Those who knew Lon Dixon not quite so well as I did may doubt that claim. His formal education stopped after the second grade of elementary school ...".

To my surprise, my immediate reaction was not "And such an unlettered guy really wants to tell me something about Spinoza?" (of whom, by the way, I don't know anything) but "I wonder how he will go about it".

And this is how he goes about it - he explains his own experience with Spinoza:
"It wasn't at first Spinoza's philosophy that drew me to him; I really was having a hard time understanding what he was talking about. What hooked me was the way he lived his life ... Spinoza had been sued over an inheritance, won the case, but then, in a gallant gesture, presented the inheritance to the plaintiff. He had earlier been offered a sizeable bribe by his religious community if he would recant his heresy; when he turned it down they excommunicated him. Spinoza lived the rest of his life in humble circumstances, earning his living as a lens grinder. Later, after his fame has spread, he refused a prestigious position at the University of Heidelberg for fear that serving under an autocratic regime would inhibit his freedom to express his ideas. He died owning the bed he slept in, a desk, three chairs, the tools of his trade, and a small library."

I love that, I admire such behaviour. Moreover, Spinoza reminded me of another guy I'm fond of: Benjamin Lee Whorf, a fire inspector and linguist, who was also offered a prestigious teaching position (at Yale) but declined for fear of losing his freedom. Now I got hooked for I'm sure that how you live your life will not only influence but determine your thinking.

I read: "No scientific or logical argument can demonstrate God's coming into being. God simply is ... Time exists in the measuring of things and their motions. But God is not a thing. He is therefore timeless ... every thing that is and every idea our minds can conceive ... all is God ...".
I liked that and began to ponder a few sentences here and there. Here's another one that I'm fond of: "Spinoza's Ethics ... suggests we have learned to name and value things by something other than objectively experienced facts. Only by analogy, for instance, do we ethically value lives other than our own. Such a value cannot be seen to exist in the world of perceived objects, where we see far too many exceptions to that supposed rule. We have metaphysically and invisibly deduced, from our own invisible desire to live, the idea that people besides ourselves also desire to live."

But let me stop now for jumping from here to there is not a good idea when tackling this tome. The best way (I readily admit that I rarely listen to my own advice but in this case I might) is to start at the beginning and then to proceed step by step until you reach the end - for in this way you can observe how the author's original and inspiring reasoning on Spinoza's thinking develops (it feels like watching Franklin Lonzo Dixon, Jr. think) ... I'm pretty sure that it will be a rewarding experience.

Franklin Lonzo Dixon, Jr.
Spinoza's God
Alondra Press 2010
http://alondrapress.com

Friday, 9 April 2010

The world is all of a piece

We often say that you can only think of one thing at a time. The truth is that in looking at the world bit by bit we convince ourselves that it consists of separate things, and so give ourselves the problem of how these things are connected and how they cause and effect each other. The problem would never have arisen if we had been aware that it was just our way of looking at the world which had chopped it up into separate bits, things, events, causes, and effects. We do not see that the world is all of a piece ...
Alan Watts: The Book on the Taboo Against Knowing Who You are

Wednesday, 7 April 2010

The secret life of war


British Journalists, whose texts get published in a book, have usually a degree from Oxford or Cambridge and are of the award-winning kind: Peter Beaumont, the Foreign Affairs Editor of the Observer, is no exception.

The Secret Life of War: Journeys Through Modern Conflict "is the culmination of almost a decade and a half of travelling to war zones", one reads in the introduction and the question that popped up immediately in my head was: Why would anyone do that in the first place? Here's what Beaumont says: "I recognise that it is largely a question of ego, a misplaced sense of self-importance - if it is a big story I should be there." Fortunately for the reader, this book is less about what journalists consider big stories (sure, some in it are) than observations and ponderings about what Peter Beaumont experienced in conflict zones (where no journalist hops from big story to big story). Needless to say, in a world a bit more just than the one we are inhabiting quite some of these stories should have become big stories - they didn't, for a variety of reasons, and not all of them good ones. Here's one such story: "With Saddam's release of between 40,000 and 75,000 convicted prisoners, a prison-based drug culture swamped the capital's streets. Imported like a corrupted file. The result was a citywide crime wave. At the time I speak to Ala and his friends, 80 per cent of criminals being picked up by the fledgling Iraqi Police Service appear to be under the influence of drugs. Referrals to the city's clinic for drug abuse have doubled in a handful of months ..."

"He is able to diagnose his own need to return to war the way a junkie feeds on heroin", writes Janine Di Giovanni in her review in the Observer: "Beaumont is self-aware. He knows it is not normal to feel more alive in a war zone than real life, but he is helpless to contain his desire to be where the story is."

The strength of this tome is Beaumont's highly self-reflective attitude and although self-awareness does not help much when one is suffering from an addiction it sure makes, in Peter Beaumont's case, for extraordinary insights: "We talk too often about war as an alien sphere, divorced from ordinary life. We describe conflict in its specialised grammar of planning and battles, objectives won and lost, legitimacy and war crimes, with a familiar litany of damaged places, characters and societies. What is missing ist the texture how conflict smells and feels and tastes; how people go about their lives, and what happens in their heads.Too often the life of war is absent from our descriptions ..." How come? Because "war reporting, like any other kind of journalism, requires a familiar rota of drama, the clichéed set pieces that turn history and human misery into soap opera. The simple ideas that fit into a minute-long broadcast or into eight hundred words are a kind of awful entertainment most of the time. A reinforcement of how fortunate we are to be able to afford the luxury of distant sympathy or anger."

In this well-written work Beaumont reports from Afghanistan (where he visited the bombed and abandoned home of Mullah Omar as well as a training camp in Kandahar where he discovered documents describing a plan to attack London), Iraq, Lebanon, Israel, and the Occupied Territories, and ponders the deepest concerns of soldiers - and probably of journalists: "It is not 'Will I be injured or killed?' But 'How will I perform under fire, in front of my friends and colleagues?' It is the quesion: 'How well will I do?'" A pretty sobering realisation, I find and felt reminded of Sartre's L'enfer c'est les autres.

While this is a personal book, it is not a book about Peter Beaumont, it is about how he reacts to, and has chosen to describe, what goes on around him. I wish more journalism would be as exact and pensive as Beaumont's.

Occasionally, he refers to academic studies while searching for answers yet the social scientists Beaumont cites seem to have astonishingly little to offer. I mean, that, for instance, "the first stirrings of sectarianism - the habit of inter-communal hate - were born not in school or from watching television, but came from the family, community and culture", as a professor of the University of Ulster found out, seems hardly more than common sense; or that the way we view groups outside our own fluctuates between empathy and cognition, "as social psychologists have long recognised", and that the lack of empathy is hostility's driving force ... well, do we really need social psychologists to tell us that?

Don't get me wrong, Peter Beaumont is not into theory, he is a thinking and feeling observer who says this about the Just War theorists: "But theory is too rarified and distant a thing. Theory washes clean the blood and bigotry and emotion. It obscures the human tendency to hate and to construct legitimising arguments in the service of hatred that allows acts of terror - either by the state or by groups - to be conceived as just and morally expedient, It is self-serving and self-justifying for the opposing communities involved, not least when using the word terror itself. Terror - it is then understood - is so terrible a thing that it requires responses outside of normal laws, even the ethics of war (whatever that is). When terror is invoked there is no requirement to address what led to the breakdown of peace. It justifies a new violence in kind. It explains why counter-terrorist campaigns are frequently dirty - involving assassination, torture and arrest without trial."

I thought it first rather irritating that the text oscillates to and fro between the various war theatres (from the western suburbs of Baghdad to the Gaza strip) but, after a while, felt that this not only made perfect sense but that it actually is a clever way of demonstrating that the locales of war do not really matter. Needless to say, I cannot know whether this was intended for, as Beaumont writes in the afterword, it could have also been done in this manner because the experiences documented in this tome have, over the years, "blurred into classes of things seen, categories of the dead and the injured, killers and the killed, the lost and the fleeing."

Needless to say, Peter Beaumont pays a price for this kind of reporting - and a heavy one at that. "In the end I begin to lose the ability to document the hurt of war honestly ... I am reduced to being no more than a stenographer." When he realises this, he is ready to quit "his journey to the realm of war", as he concludes this necessary and educational book.

Although this is a book by a reporter, you won't find these reports in the newspaper he is working for: "What I want to say about violence I have been unable to say in my own newspaper. We subscribe to a curious convention, all of the media, that when we write about war and violence we largely ignore the detail of the consequences - what bullets, bombs and knives do. We are happy to watch crime procedurals on television, and graphic horror films, yet it is still regarded as bad form to describe the reality of the everyday horror of conflict. But to understand conflict one must confront what people do when they kill and mutilate - because in the texture and the detail of them there exists meaning." I do not share Beaumont's conclusion that "in the texture and the detail of them there exists meaning" (what meaning? I wonder) but I totally agree that we should be confronted with what war is really like. To read such books instead of reading newspapers or listen to other daily mass media, would be a healthy first step.

Peter Beaumont
The Secret Life of War
Harvill Secker, London 2009

Monday, 5 April 2010

How photos prevent seeing

There are just a couple of photos that define my view of the Chilenian earthquake of 27 February 2010 - very powerful shots that left me with the impression of total destruction, I simply could not imagine anything still working in that country. When I emailed a friend in Santiago to inquire how she was, I got an almost immediate response that seemed to indicate that things were not as bad as I had imagined (I had thought email connections would not work). She wrote (I have asked her permission to use this mail):

"I'm fine. I'm glad I live on the ground floor!! The house rattled and shook for what seemed like minutes. Several old buildings in the city centre collapsed, as did an over pass en route to the airport. Five cars fell - not nice. The epicentre was at Concepcion, south west of here.

The airport is closed, several roads around the city are blocked and all the shops are closed - we don't know if it's a regulation or just Chilean over reaction.... they do tend to get a bit excited sometimes!! I was to fly north tomorrow but looks like I'll have a few extra days off."

Given the photos of horrible destruction that I had seen on the internet, it felt rather strange that Nellie should sound like her usual self. It however also meant, as I had concluded from pictures on TV and on the net, that many in Santiago did obviously not sleep in the streets, tried to escape buildings or looted supermarkets but sat at home writing emails.

Again I looked at the photo of the collapsed bridge in Santiago, and again I could not really fathom that life in another part of town could be "quasi normal".

Photo by AFP: A Bridge in Santiago


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Photos often give us the illusion of knowing (for they serve as documents, as proof) yet more often they function as triggers for our imagination - and our imagination has a life of its own. To rely on pictures in order to understand an event is problematic, and often misleading. How many photos of houses that were still intact after the Chilenian earthquake have we seen? I do not recall one. But, hey, that is not what photojournalism is all about. An earthquake means destruction and so photojournalism - that is its task - has to show this destruction. I agree. Yet my point is another one, my point is that pictures do not show us the way things are but the way we decide to see them. And while photographs can serve as visual memories, they can also be used to block memories.

On 4 March 2010, the Tages-Anzeiger in Zurich published an article by Andreas Valda, who had travelled by car from Santiago to Concepción, near the epicentre of the quake, and found the destruction less severe than anticipated. From news reports I had thought the Panamericana impassable but learned that Valda and his companions had sped with 140 km/h on the highway towards Concepción. There were lots of rivers to cross, most of them intact, only eight times - it is a trip of 530 kilometres - they had to make a detour. "My Chilenian father-in-law, 70-year-old Luis, shakes his head incredulously. Not because he is shocked, on the contrary, because he finds it difficult to believe that, despite the quake, so many houses, factories, and power poles remained intact. One example: on the last 70 kilometers to the coast, where Concepción lies, there were only three cracks in the road." It is impossible for photographs to show this.

Radio stations, Valda reported, discussed the whole day why so many gangs had used the quake to loot shops, cars and half-destructed houses. Where did this criminal energy in times of need come from? Was this the revenge of the less privileged, were these acts of opportunists? This is what was on people's mind, this is what they talked about - and this is again impossible for photographs to show.

"I believe it when I see it", a popular saying goes. One should probably add: what photos can show is one thing (and, yes, it is often important what they show); the real story (if there is such a thing) they however often cannot show.

PS: Valda's cousin, 45-year-old Pedro, a history professor and philosopher, placed a baseball bat next to his bed before he went to sleep. Too bad that this picture only exists in my head.

Saturday, 3 April 2010

Hans Ulrich Kempski berichtet

Journalismus, wie ein geflügeltes Wort sagt, sei "the first draft of history" und der Journalismus von Hans Ulrich Kempski ist noch ein bisschen mehr, nämlich ein ziemlich ausgereifter Entwurf, der den Historikern nicht nur die Arbeit leicht macht, sondern sie ihnen so recht eigentlich abnimmt. Das liegt daran, dass Kempski ein ungemein genauer, ja detailbesessener Beobachter ist, der es bestimmt auch als Buchhalter weit gebracht hätte, allerdings wäre er da wohl kaum auf seine Kosten gekommen. Und das meint: es ist ziemlich auffällig, dass der Journalist Kempski die Nähe der sogenannt Mächtigen sucht und sich ohne diese wohl ziemlich gegrämt hätte.

Doch zurück zum Markenzeichen Kempskis, der Detailgenauigkeit. Im Epilog wird er von SZ-Journalisten anlässlich seines 80. Geburtstags damit konfrontiert:

SZ: Sie sind dafür berüchtigt, Aschenbecher, Fenster und Lampen gezählt zu haben.
Kempski: Damals gab es noch kein Fernsehen. Mein Ziel war es, die bis dahin sehr undurchsichtige Politik, die in der Zeitung ja nur Platz hatte in den Nachrichten oder auf den Meinungsspalten sichtbarer zu machen.

Na ja, eine richtige Frage war dies ja nicht, also braucht man sich auch nicht wundern, wenn man keine richtige Antwort kriegt. Doch um ein Beispiel der Kempski'schen Detailgenauigkeit zu geben:
"Es ist am frühen Dienstagabend, zehn vor sechs Uhr. Der völkerverbindende Staatsakt hat fünf Minuten gedauert. Er findet statt in der Salle Murat des Elysée-Palastes, einem fensterlosen, schmalen Repräsentationsraum, der fünf monströse Kristalllüster mit glänzendem Licht erhellen, das verstärkt wird durch den Widerschein aus fünf bis zur Decke reichenden Spiegeltüren. Die crèmefarbenen Wände sind verziert mit vergoldeten Blattornamenten. Das Mobiliar beschränkt sich auf einen mit rotem Samt bespannten ovalen Tisch sowie fünf darum gruppierte Sessel, deren Sitz- und Rückenpolster mit Jagdmotiven bestickt sind. Drei der Sessel haben Lehnen. In der Mitte nimmt de Gaulle Platz, Adenauer sitzt rechts von ihm, Premierminister Pompidou zur Linken. Die beiden Aussenminister, Schröder und Couve de Murville, sind etwas auf Distanz dahinter platziert. Ihre Sessel haben keine Lehnen." (aus: Der Bruderkuss im Elysée, 1963).

Das ist nicht nur genau und wunderbar anschaulich, das ist fast besser abgebildet als es eine Kamera vermöchte. Keine Frage: Kempski ist ein Meister der Bildbeschreibung. Andrerseits, seine Genauigkeit ist keine um der Genauigkeit Willen, sondern eine, welche die Basis dafür bildet, was man im Englischen "educated guesses" nennt. Hier ein Beispiel:

"Was sind das für Menschen auf Zypern, was nährt ihre Hassgefühle? Reine Griechen und echte Türken sind sie meist nicht. Fremde Eroberer haben das Blut der Insulaner aufgefrischt, haben eine ganz spezielle levantinische Mischung geschaffen. Sie wäre wohl längst im Schmelztiegel einer zypriotischen Nation aufgegangen, hätten nicht zwei verschiedene Religionen eifersüchtig darüber gewacht, dass die das Inselvolk spaltende Grenze des Glaubens und damit auch die der Sprache erhalten bleibt. Rein äusserlich sind die zypriotischen Griechen und Türken nicht voneinander zu unterscheiden. Ihre Manieren wurden durch das englische Vorbild geprägt. Die Zyprioten beider Volksgruppen kleiden sich gleich, haben die gleiche Freude am Tavli-Spiel, schwemmen sich voll mit dem gleichen dicken Gebräu, das sie Kaffee nennen. Und alle neigen der gleichen grandiosen Selbstüberschätzung zu, die sie verführt, die Ereignisse der Welt ausschliesslich unter dem Blickpunkt ihrer Auswirkung auf Zypern auszudeuten. Weder Europa noch dem Orient eindeutig zugehörig, sind die Zyprioten auf der Suche nach ihrer Identität. Vielleicht ist darin ein Element von Schizophrenie zu sehen, das zur Gewalttätigkeit neigt."

Das ist gekonnt, diese überlegte und komponierte Mischung von Beschreibung, Analyse und Umsetzung von Einfühlungsvermögen, auch wenn der Hinweis auf eine mögliche Schizophrenie medizinischen Kategorien wohl kaum standhalten würde.

Das vorliegende Werk ist voll solcher Geschichten. Ein rundum empfehlenswertes Buch also. Nur einen kleinen Einwand gibt es, doch vielleicht ist es ja gar keiner: Es ist schwierig aus dieser Geschichtenfülle aus fünf Kontinenten (wo war dieser Reporter eigentlich nicht dabei?) ein Buch zusammenzustellen, doch anstelle einer ziemlich willkürlichen Gliederung in Themen (wobei innerhalb der einzelnen Kapitel chronologisch vorgegangen worden ist), wäre möglicherweise ein simple zeitliche Staffelung sinnvoller gewesen.

Doch zurück zum Journalismus als dem "first draft of history". Es gibt Geschichten in diesem Band, da wähnt man sich fast physisch anwesend (etwa bei: Die Nation hält Totenwache. 1963), so wirklichkeitsnah sind sie geschildert. Es ist zu hoffen, dass Historiker Kempskis Reportagen weder als Entwürfe noch als Vorlagen verstehen, sondern als das, was sie sind: Grossartige Geschichtsschreibung.

Hans Ulrich Kempski berichtet
Grosse Reportagen eines legendären Journalisten
Herausgegeben von Gernot Sittner
Süddeutsche Zeitung Edition, München 2009

Thursday, 1 April 2010

Rio San Pedro

Alondra Press was founded in 2007 by booklovers Kathleen Palmer and Solomon Tager and initiated its activities during that year with the publication of Henry Hollenbaugh's Rio San Pedro, a fictionalised memoir-journal of his years as a crocodile hunter in Guatemala's El Peten region in the 1950s.

"Alligator hunting is a peculiar vice, no less addictive and insidious than many other vices", the author lets us know and elaborates: "Not that I claim it creates a chemical dependence, or a craving that must be satisfied at all cost. Addiction to alligator hunting is of a more subtle, benign nature. But the person who has once known its allure will never again be free of it."

Human beings, as we all know, can become addicted to pretty much anything for reasons we can often only speculate about. In regards to crocodile hunting, here's how Henry Hollenbaugh sees it: "The perversity of human nature perhaps has something to do with it all. The alligator, or crocodile, is an ugly, fearsome creature, upon which we can conveniently vent our aggressive impulses. In the killing of every crocodile, we who have engaged in that activity feel a certain fulfillment and a pious satisfaction ... quite apart from the satisfaction obtained because we a re putting some cash in our pocket."

I especially warmed to ponderings such as these:
"The alligator, or crocodile ... yes, assuredly a perverse creature. But can a creature that does not think be perverse? To me, at least, it appears that it certainly can. And besides, surely some sort of thought processes rule the crocodile's life. What is the extreme wariness of large alligators and crocodiles if it is not a claculated cunning. There is something vaguely disquieting in the way a large alligator, whose glassy, unblinking eye has stared coldly into space for an hour, will disappear in a mighty swirl of water when suddenly startled. Surely, here is evidence it has been thinking, perhaps dreaming. 'What visions sweeten the dream of the crocodile?' said a writer whose name I have forgotten. I have forgotten, too, the context in which the question was posed, but, its rhetorical intent aside, it has always struck me as a most interesting one. Because it reminds us that the crocodile must, indeed, dream. In those long weeks it sometimes passes waiting in a muddy burrow for the winter rains, what else could keep it alive if it didn't dream?"

Yet Rio San Pedro is not only an autobiographical novel on crocodile hunting, it is also a philosophical tale as well as the story of a failed romance, at times melancholic, at times comical: "Many Indian women of Guatemala seem to be totally unaware of the exciting spectacle that bare breasts represent to the outsider. I would pretend to be immensely interested in the weather, or the state of the region's economy, or the prospects of the coming corn crop, and so forth, and talk to her about these things, while I sat there ogling her breasts ..." If you want to know how the author found out how completely wrong his assessment was, and if you want to get a feel for a world you might not have even heard about, I recommend to buy this book at http://alondrapress.com

I also recommend to not look at the information provided on the back cover for, unfortunately, it gives, contentwise, too much away - readers might prefer to discover for themselves what this book is all about.

Henry Hollenbaugh
Rio San Pedro
Alondra Press
Cedar Park, Texas, 2007
http://alondrapress.com