Wednesday, 15 August 2018

To photograph is to frame


Gramado Xavier, Rio Grande do Sul, February 2018


 Santa Cruz do Sul, Rio Grande do Sul, February 2018

Wednesday, 8 August 2018

Von Kairo bis Kapstadt

200 Afrikabilder aus den Archiven des legendären National Geographic finden sich in diesem grossformatigen Band, "darunter 40 neue Fotografien, die die Schönheit des Kontinents und seiner Landschaften, Geschichte, Kulturen und Wildtiere widerspiegeln", wie der Klappentext informiert.

Der afrikanische Kontinent ist riesig und äusserst vielfältig, was ihn für mich wesentlich ausmacht, sind Flora und Fauna. Das sehen nicht alle so, denn schliesslich gibt es auch das urbane Afrika, in dem ganz viele Menschen leben und von dem einige Stimmen meinen, es käme in der gängigen Afrikaberichterstattung zu kurz und mit der Akzentuierung von Flora und Fauna würden vorwiegend Klischees bestätigt. Wie auch immer, ich mag Klischees, doch vor allem schätze ich die einmalige und umwerfende afrikanische Flora und Fauna.

Ich habe einmal, mehr als zwanzig Jahre ist es her, in Afrika gearbeitet. Ich war fürs Internationale Komitee vom Roten Kreuz im südlichen Teil des Kontinents stationiert, zuerst in Harare, dann in Blantyre. Nach Aufenthalten in Sambia und in Namibia, landete ich schliesslich im südafrikanischen Durban, von wo ich hauptsächlich für Kwazulu Natal "zuständig" war. Was mir aus dieser Zeit vor allem in Erinnerung geblieben ist, sind stundenlange Autofahrten durch eine atemberaubende Landschaft (die Drakensberge waren ein Traum!) mit der Musik von Mozart, Beethoven und Brahms. Mit anderen Worten: ich erinnere mich vor allem an die Flora. Und an die ganz unterschiedlichen Menschen.
James P. Blair, Mali, 1965.
Sonnenuntergang über Timbuktu   einst Inbegriff einer Stadt am Ende 
der Welt. Heute kreuzen sich hier die Karawanenwege der Sahara. Schon
vor Jahrhunderten drängten sich auf den sandigen Strassen Kaufleute
aus allen Ecken Afrikas und brachten durch den Handel mit Elfenbein,
Gold, Salz und Sklaven Wohlstand in die Stadt. Gelehrte machten die
aus Lehm erbaute Siedlung zu einem berühmten Zentrum islamischer
Bildung. Trotz alledem blieb ihre genaue Lage im Abendland lange Zeit
unbekannt, und so wurde Timbuktu erst im 19. Jahrhundert von den
Europäern "entdeckt".

Es ist schon eigenartig: Obwohl ich eineinhalb Jahre lang im südlichen Afrika gelebt und sowohl Kenia als auch Tunesien besucht habe, denke ich bei Afrika unweigerlich an Schwarzafrika. Das vorliegende Buch, gegliedert in Nordafrika, Zentralafrika, Ostafrika, Westafrika und Südafrika, zeigt mir, dass mein mentaler Horizont der Erweiterung bedarf. Und die ausführlichen und informativen Bildlegenden tragen nicht unwesentlich dazu bei, dass mein Afrika-Bild ergänzt wird.

Vor allem beeindrucken mich – neben den eindrücklichen Natur-Aufnahmen sowie den gelungenen Porträts – die eindrücklichen Bauten, denn damit habe ich nicht gerechnet. Etwa die algerische Oasenstadt Timimoun oder die hell getünchten Fassaden von Algier. Und dann sind da noch die Aufnahmen, zu denen mir die Worte fehlen und ich einfach nur noch staunen konnte. Die leuchtenden Spuren der Sterne über der Serengeti (von Konrad Wothe, 2008). Oder die Kameldornakazien im Namib-Naukluft-Nationalpark (Frans Lanting, 2011). 
Hugo Van Lawick, Tansania, 1964.
Jane Goodall mit Flint, einem elf Monate alten Schimpansen, 
der zu einer Gruppe von Menschenaffen gehörte, die die 
Primatologin sechs Jahrzehnte lang im Gombe-Strom-Reservat 
in Westtansania studierte. Das erste Mal berichtete National Geographic 
von Goodalls bahnbrechenden Forschungen über die engsten Verwandten 
des Menschen im August 1963. Es folgten insgesamt 16 weitere 
Reportagen. Die Bilder zu vielen der frühen Reportagen schuf der 
holländische Tierfotograf Hugo van Lawick, der damals mit Goodall 
verheiratet war.


Afrika. In 125 Jahren um die Welt ist Fotojournalismus vom Feinsten und das meint, dass dieser Band, in dem sich Bilder und Bildlegenden kongenial ergänzen, so recht eigentlich besser zu vermitteln vermag, was es mit diesem abwechslungsreichen Kontinent auf sich hat, als dies Bilder für sich alleine oder Texte für sich alleine könnten.

Geschichtsbücher kommen oft ohne Bildmaterial aus und wenn dann gelegentlich doch Bilder gezeigt werden, sind sie selten mehr als Beilage. Fotojournalismus zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass Bild und Text eine Einheit bilden – für mich ist das in dem Sinne "die bessere Geschichtsschreibung", weil ich dazu leichter Zugang finde.
.Gervas Huxley, Kenia, 1940er Jahre
Der Himmel ist voller Heuschrecken. Die insekten schlüpfen in den weitläufigen Wüsten im Norden Kenias und fallen regelmässig zu Millionen über das Land her. Sie verschlingen ganze Ernten, zerstören Weideflächen und Wälder und bedecken sogar Strassen so dicht, dass Autos ins Schleudern geraten. Bei einer Heuschreckenplage im Jahr 1954 verschwinden etwa 200 Quadratkilometer Land unter schätzungsweise 50 Milliarden Insekten.

National Geographic
Afrika
In 125 Jahren um die Welt
Taschen, Köln 2018

Wednesday, 1 August 2018

Leonard von Matt: Frühe Fotografien

Wie bei vielen Fotobüchern – aus mich nicht überzeugenden Gründen – üblich, figurieren die Bildlegenden am Ende des Buches und sind dann meist auch noch derart wenig aussagekräftig, dass man sie auch hätte wegassen können. Wunderbar ausführliche Angaben (unverständlicherweise in einer Kleinstschrift) finden sich hingegen zum Titelbild, weshalb sie denn hier auch in voller Länge zitiert werden sollen.

"Katharina Josepha Angelika Lussi (1878-1952) war Wäscherin und arbeitete in grossen Hotels u.a. in Wengen im Berner Oberland. In der Zwischensaison kehrte sie jeweils nach Hause zurück, ins "Gigi" in Oberdorf oder später in den Spittel, das Alte Spital, in Stans. Solange die Kräfte es zuliessen, wusch sie dort unter freiem Himmel Wäsche und warf sie mit Schwung zum Trocknen übers Seil, das im Garten gespannt war.
"S'Ängelini", der Name wurde auf dem ersten i betont, liebte den Tabak. Sie rauchte Brissago und Zigarren und auf dem Tisch in ihrer Stube stand eine Schale mit Pfeifen. Eine Frau die rauchte, war in Nidwalden nichts Ungehöriges und jede pfeifenrauchende Frau hatte Tabakbeutel, Pfeifenstopfer und Pfeifenputzer stets griffbereit.
Angelika Lussi trägt zwei Schmuckstücke, die Teil der Nidwaldner Tracht sind. Das "Halsbätti" ist der Halsschmuck. Vergoldete Filigran-Teile sind mit mehreren Reihen von Granatperlen verbunden. Den "Pfiil", den silbernen, auf der Vorderseite reichverzerten Pfeil, hat das "Ängelini" durch die aufgesteckten Haare und die darüberliegenden "wiise Zipfebändi" gesteckt. "D'Zipfe" besteht aus zusammengenähten Kordeln, die bei der unverheirateten Frau mit weissem Baumwollband umwickelt sind."

Sicher, im Nachhinein ist es oft nicht einfach, Fotos zuzuordnen geschweige denn Bildlegenden zu finden. Sieht man sich die Liste der Legenden am Ende dieses Bandes an, so kann man unschwer erkennen, dass die Herausgeber sich viel Mühe gegeben haben. Schade, hat der Fotograf nicht mehr Infos zu den Aufnahmen, die aus den Jahren 1936 bis 1946 stammen und hauptsächlich Porträts von Menschen und Landschaften zeigen, zurückgelassen.

Als ich diesen Band das erste Mal in Händen hielt, beschloss ich nach Stans zu fahren. Von diesem Besuch ist mir vor allem der Hauptplatz in Erinnerung geblieben sowie der Friedhof, wo zu meiner Verblüffung Grabsteine mit Inschriften wie FRAU REG.RAT oder JUNGFRAU, gefolgt vom jeweiligen Namen, standen. Auch Fotos gab es recht viele, von anderen Friedhöfen kenne ich das nicht.

Ich versuche, mich in die Welt auf den Bildern von Leonard von Matt zurückzuversetzen. Am besten gelingt das, wenn ich mich in Peter von Matts höchst anrührende Erinnerungen an seinen Onkel und dessen Frau versenke. Die Atmosphäre, die dieser schöne Text vermittelt, und fortan mein Betrachten leitet, lässt sich am besten mit den ersten Sätzen illustrieren. "Er war einer der freiesten Menschen, die ich je gekannt habe. Dieser Eindruck hat sich schon in meiner Kindheit gebildet. Als ich ein Schulbub war, begegneten Leonard und seine Frau Bobi uns Kindern so kameradschaftlich wie keine der Verwandten aus der Elterngeneration."

Es gibt noch weitere Texte in diesem Band. Von Patrizia Keller stammt die Einleitung, von Brigitt Flüeler die Schilderung von Leonards Werdegang vom Buchhänder zum Fotografen und von Sabine Münzenmaier die geschichtliche Einordnung des frühen fotografischen Werks. Es sind sehr informative Texte, die zumeist auf (unvermeidlichen und nachvollziehbaren) Annahmen (der häufige Gebrauch von 'dürfte', 'scheint' etc. macht dies klar) und nicht etwa auf gesichertem Wissen beruhen. Nichtsdestotrotz: Diese Texte  beeinflussen und lenken das Bilder-Betrachten. Und ich bin froh drum, denn auf mich alleine gestellt, ist die Gefaht grösser, nur das zu sehen, was ich eh bereits im Kopf habe. Was ich hingegen auch ohne die vielfältigen Hinweise sehen kann, ist, dass Leonard von Matt nicht nur über "das gute Auge" verfügt, dass einen Fotografen (Frauen sind mitgemeint) ausmacht, sondern auch über das Glück, den "richtigen" Augenblick zu erwischen. Man sehe sich (als Einstieg) die Aufnahmen auf den Seiten 39, 82, 132 oder 143 an ... 

Ein tolles Buch!

Leonard von Matt
Frühe Fotografien
Limmat Verlag, Zürich 2018

Wednesday, 25 July 2018

California Crazy

Dieser Band, dessen erste Ausgabe vor fast vierzig Jahren erschien, "wurde im Lauf der Zeit zu einem Katalysator für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der roadside architecture, zu einem Lehrbuch in Architekturseminaren und zu einer Kultschrift für die Subkultur derer, die verschrobene Bauten mögen", schreibt Herausgeber Jim Heimann, Kulturanthropologe, Historiker und passionierter Sammler. Doch woran liegt es, dass diese baulichen Verrücktheiten vor allem in Kalifornien anzutreffen sind? "Im Zusammenspiel mit einer aufgeschlossenen Bevölkerung mit einem gesunden Mass an Vetrauen in den wirtschaftlichen Aufschwung und dem Wunsch, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich neu zu erfinden, entstand ein Klima, das ideal war für Ausgefallenes und Erstaunliches", so Heimann.
Big Red Piano, 2251 Venice Boulevard, Los Angeles, ca. 1930, Architect: Frank Gaw.
Copyright: Jim Heimann Collection/Courtesy TASCHEN

Schlussendlich ist alles eine Frage des Marketings, meinte mein Sitznachbar aus New Jersey auf dem Flug von New York nach Zürich. Vermutlich war das immer schon so, dass also die obenaus schwingen, die sich am besten verkaufen können. Diese Verkaufsideologie steckt auch hinter der roadside architecture sowie der auf Fussgänger ausgerichteten Architektur der Vergnügungsbereiche von Messen und Ausstellungen. Anzutreffen sind diese ausgefallenen Gebäude hauptsächlich in Südkalifornien, "aber es gab auch im übrigen Staat ein gesundes Mass an architektonischen Anomalien."
Toed Inn, 140 West Channel Road, Santa Monica, ca. 1931
Copyright: Jim Heimann Collection/Courtesy TASCHEN

California Crazy bietet nicht nur eine höchst vielfältige Bildersammlung über die kalifornische Architektur, sondern kontextualisiert diese auch – mit längeren Texten von Jim Heimann und David Gebhard. Da bekanntlich alles ständig im Fluss ist, gibt es viele der gezeigten Bauten nur noch als Fotografien in diesem Buch. "Hoffentlich inspiriert diese Ausgabe von California Crazy diejenigen, die bestehende Gebäude erhalten wollen, und ermutigt andere, ihre Traumbauten zu verwirklichen – ganz gleich, wie sie aussehen mögen!" 
Big Donut Drive-In, 805 West Manchester Boulevard, 
Inglewood, ca. 1955
Copyright: Jim Heimann Collection/Courtesy TASCHEN

California Crazy ist eine Einladung zum Staunen über die Fantasie und die Verrücktheiten, die Sehnsüchte und Absurditäten, von denen wir Menschen erfüllt sind. Immer mal wieder musste ich laut herauslachen beim Betrachten dieser Bilder, etwa über das Mayan Theatre in Los Angeles, dessen Façade offenbar von Maya Bauten angeregt wurde oder die ägyptische Sphinx Skulptur, ebenfalls in Los Angelese. In Anlehnung an Obelix' "'Die spinnen, die Römer", war ich immer mal wieder versucht, in ein "Die spinnen, die Kalifornier" auszubrechen. Gut, dass es so ist!

Jim Heimann
California Crazy
American Pop Architecture
Taschen, Köln 2018

Wednesday, 18 July 2018

Wohin weht der Wind?


 "Die einen sterben ein wenig, wenn sie eine Reise antreten, die anderen leben auf. Nur wenige stehen dem Reisen gleichgültig gegenüber. Eine Reise weckt vielfältige Gefühle, und das noch bevor es losgeht. Manch einer träumt schon Wochen, wenn nicht Monate vor der Abreise davon, wie es sein wird. Andere ...". Mit diesen Sätzen beginnt dieses Buch und macht damit vor allem eines klar – es soll ein Buch für alle sein, will keinesfalls jemanden unberücksichtigt lassen oder, Gott behüte!, vor den Kopf stossen. Politisch korrekter geht kaum und ist überdies ein fast todsicheres Rezept für Langeweile! 

Aber eben nur fast, denn die Informationen, die der Autor und Fotograf Jacopo Pasotti, der mit seiner Familie in Basel und Mailand lebt, zusammengetragen hat, sind interessant und lesenswert. Und häufig zum Staunen. Ich jedenfalls habe mich oft gewundert. Etwa darüber, dass unter den bevölkerungsreichsten Städten der Welt Dhaka, Kinshasa und Lahore figurieren. Auch Moskau hätte ich nicht darunter vermutet. Andrerseits, was weiss ich schon von Moskau? Die weltweit bevölkerungsreichste Stadt ist übrigens das Tokio-Yokohama-Agglomerat mit 37 Millionen Einwohnern.

Wohin weht der Wind? ist ein sehr vielseitiges Buch. So zeigt es mir wie gefiederte und gefächerte Palmblätter aussehen, weist mich darauf hin, dass das Amazonasbecken, das grösste Regenwaldgebiet der Welt, 20 Prozent aller bekannten Vogelarten, zweieinhalb Millionen Insektenarten (hat die wirklich jemand gezählt?) und 40'000 verschiedene Pflanzenarten beheimatet. und klärt mich über die Physik des Fliegens auf.

Was ist das gefährlichste Land inbezug auf giftige Tiere? Mexiko (80 giftige Arten), gefolgt von Brasilien (79) und Australien (66). In Europa gibt es hingegen weniger als 10 giftige Arten pro Land. Schon mal von Tristan da Cunha gehört? Dabei handelt es sich um eine Insel in der Mitte des Atlantischen Ozeans. Sie liegt südlich des Äquators, 2800 Kilometer von Südafrika und über 3000 Kilometer von Südamerika entfernt. Die nächste bewohnte Insel, St. Helena, befindet sich gut 2400 Kilometer nordöstlich.

Die Bandbreite, der in diesem Buch behandelten Fragen reicht von 'Was tun bei Jetlag?' über 'Kann man das Polarlicht hören?' bis zu 'Achtung, Malaria!' Zudem findet man darin auch viele, ausgesprochen schön gestaltete und hilfreiche Abbildungen.

Allerdings behandelt Wohin weht der Wind? auch Fragen, die sich schlicht nicht beantworten lassen wie etwa: 'Gibt es auf der Erde Kulturen, zu denen noch niemand Kontakt hatte?' Die Frage sei natürlich schwer zu beantworten, schreibt Jacopo Pasotti, "denn wenn sie noch keinen Kontakt mit anderen Kulturen hatten, kann wahrscheinlich auch unsere Wissenschaft nicht von ihnen wissen. Laut dem 'New Scientist' könnte es weltweit etwa hundert solcher einheimischer Kulturen geben." Da der Untertitel Wissenschaft für unterwegs heisst, hätte man solche Spekulationen besser weggelassen, denn viel unwissenschaftlicher geht es kaum.

Jacopo Pasotti
Wohin weht der Wind?
Wissenschaft für unterwegs
Atlantik Verlag, Hamburg 2018

Wednesday, 11 July 2018

Framing Albanian Scenes







The first two pics were taken in Durres, the others in Tirana, end of June, beginning of July 2018.

Wednesday, 4 July 2018

Hanoi Streets 1985 - 2015

Vietnam has always had a somewhat special place in my heart, even before I set foot in that country for the first time in the early 1990s. It had to do with images from the Vietnam War which, I learned only many years later, is in Vietnam called the American War – a term also used in this book. I was fascinated by how exotic (to my Swiss eyes) the Vietnamese looked, how cultured they seemed to be. To me, the Far East always stood for a romantic longing (the impenetrable mysteries of the Orient) that over the years that I spent in Southeast Asia became replaced by a more realistic take on things Asian and the pragmatic, highly materialistic Asians.

Hanoi Streets 1985-2015: In The Years of Forgetting allows me to travel back in time, in my imagination, that is. Many scenes depicted in this very well done tome I have seen too. Not the same of course but similar ones. And they do fill me once again with this strange romantic longing from many years ago. Yet there are many other shots that showed me what I had never seen. One that particularly stands out shows a woman preparing to be photographed (p. 145).

For the full review, go here

Wednesday, 27 June 2018

In Stavanger

The view through the plane window when approaching Stavanger airport in the early evening sunlight was simply spectacular – fields in different shapes and forms in varieties of green, rivers, lakes, farms and hamlets. 

The receptionist wants to know whether I'm Swiss for the area code of my phone number indicated Switzerland. It turns out that she speaks Swiss German. She had picked it up from her grandmother and during regular four-week holidays in the Berner Oberland. Once again proof that talent and motivation trumps institutional learning.
It is about a half-hour walk from my hotel to the city centre that takes me along a lake and through some posh suburbs that appear as dead as residential areas the world over. At the pier I ask a man in uniform for directions. He turns out to be a pilot in charge of one of the huge cruisers towed there. We are three pilots on this one, he says while pointing to an incredibly large vessel that I think almost impossible to navigate. He could have stayed captain, he continues, but for family reasons prefers to work as pilot. Since I do not know the difference, I ask him to please explain. It is the area, he says, pilots only work in specifically assigned areas, in his case between Stavanger and Bergen. Ships are in his blood, he smiles, he started to row his first boat at the age of 5.

What exactly is a fjord? I wonder and the people I ask don't find my question easy to answer. Wikipedia informs me that it is a long, narrow inlet with steep sides or cliffs, created by a glacier. I so far had thought fjords unique to Norway but learned that they are also found on the costs of Alaska, British Columbia, Chile, Greenland, Iceland and and and. What also surprised me was that many Norwegians live on islands.
On my second day, I find myself at the train station and decide on the spot to take the train to Egersund, a small town by the sea that the gentleman at the information booth praised in the highest tones (it was his birth town). He made it a point that I should sit on the left side for the first half of the trip (in order the get a good view of the fjord the train was travelling along) and to the right side for the second half (because of the breathtaking view of the hilly and stony coastline).

On my third day, it is raining and a strong wind is blowing and so I only go for short walks in the vicinity of the hotel. One takes me to a nearby lake, another to a rather vast cemetery. On my way back, I stop at a Kiwi supermarket for Dutch strawberries and a 1 1/2 liter bottle of Sprite that costs four Swiss francs!
On my return flight from Stavanger to Amsterdam, I was sitting next to a young Chinese woman from Hong Kong who happened to work in a sausage factory near Stavanger. She prefers this work to an office job in Hong Kong where people are incredibly competitive and gossipy, she says and adds: Norwegian sausages are not suitable for Eastern people.

Eat in Hong Kong, live in Norway, this would be to her liking. Like all the Chinese I know she is fiercely opinionated and offers a lot of textbook knowledge about the world. She reminds me of a young Chinese English teacher in Fuijan province who took me on a ride on his motorbike up to the mountains near Quanzhou and who was so stunningly knowledgeable when it came to historical data that I kept uncharacteristically silent for most of our trip.

Wednesday, 20 June 2018

In die Welt hinaus

Für den schwedischen Journalisten und Schriftsteller Per J. Andersson, Jahrgang 1962, ist Reisen wesentlich Therapie. "Erst wenn du in einer anderen Umgebung bist, kannst du anfangen, dich selber zu sehen. Indem du auf andere Kulturen reagierst, verstehst du, we du bist und woher du kommst. Zu reisen, das ist, als würde man sich einen Spiegel vorhalten. Die reinste Therapie." Mir selber geht es auch so.

Menschen reisen aus den unterschiedlichsten Gründen, doch zu behaupten, wie das der Klappentext tut ("Wer reist ist nicht borniert und engstirnig. Wer weiss, wie es in anderen Weltgegenden aussieht. hat keine Angst vor dem Fremden") ist derart falsch, dass es falscher fast gar nicht geht. Ich jedenfalls habe auf meinen Reisen ganz viele bornierte und engstirnige Reisende erlebt und auch die Angst vor dem Fremden geht nicht einfach weg, wenn man in die Welt hinaus geht. Für Reisende wie auch für Zuhausebleibende gilt: Es ist die Einstellung, die zählt.

Per J. Andersson erzählt von seinen Erfahrungen in Indien und Südtirol, den USA und Griechenland, berichtet vom Reisen mit der Eisenbahn, dem Schiff und dem Flugzeug. Und auch davon, wie sich das Unterwegssein im Laufe der Zeit gewandelt hat. So machen heutzutage die Chinesen die grösste Gruppe der Auslandsreisenden aus.

Doch nicht nur Per J. Andersson, sondern auch ganz viele andere kommen in diesem Buch zu Wort. Darunter nicht wenige meiner Favoriten wie Henry David Thoreau ("In dem Moment, in dem meine Beine anfangen, sich zu bewegen, beginnen meine Gedanken zu fliessen.") und Rebecca Solnit ("Sich zu Fuss zu bewegen macht es scheinbar leichter, durch die Zeit zu reisen, das Bewusstsein wandert durch Zukunftspläne, Erinnerungen und Beobachtungen.").

Vom Schweden, der die Welt einfing und in seinem Rucksack nach Hause brachte ist auch ein sehr informatives Buch, wobei ich mich allerdings auch immer mal wieder gewundert habe, wo Sätze wie zum Beispiel dieser bloss herkommen. "Vor sechs Millionen Jahren kletterten unsere Vorväter von den Bäumen herunter." Wie haben die eigentlich in den Jahren zuvor gelebt? Von Baum zu Baum hopsend, Blätter und Zweige essend? Auch drängt es sich nicht unbedingt auf, über die Geschichte der Zähmung der Kamele zu lesen ("Vor fünftausend Jahren begann der Mensch das Kamel zu domestizieren ..."), nur weil der Autor auf einem Kamel in einem Sattel mit Steigbügeln aus Hanfseil durch die Gegend geschaukelt wird.

Doch das Positive überwiegt bei weitem. Speziell spannend fand ich des Autors Begegnungen mit Sieg Larsson und Kärsti Stiege (einer ehemaligen Sängerin in einer Punkband) oder die Bezugnahmen auf so ganz unterschiedliche Charaktere wie Walter Benjamin, Bruce Chatwin und Jean-Jacques Rousseau, "der meinte, nur dann meditieren zu können, wenn er ging" und der schrieb: "Wenn ich stehen bleibe, höre ich auf zu denken, meine Seele funktioniert nur,wenn sie mit meinen Beinen zusammenarbeitet."

Den für mich wichtigsten Grund zu reisen, erwähnt Andersson übrigens auch. "Ein Monat des Reisens kann sich wie ein ganzes Jahr anfühlen. Man erlebt mehr Eindrücke pro Minute, das Leben ist intensiviert. Für die Freunde, die zu Hause geblieben sind, scheint die Zeit hingegen stillgestanden zu haben. Das ist die reinste Zauberei."

Ein empfehlenswertes Buch!

Per J. Andersson
Vom Schweden, der die Welt einfing und in seinem Rucksack nach Hause brachte
Reisen in die Ferne und zu sich selbst
C.H.Beck, München 2018

Wednesday, 13 June 2018

A Handful of Dust

There are pictures of the migration crisis we rarely get to see – pictures of the lives of the millions of Syrians who now live in Turkey. Documentary photographer Nish Nalbandian met very poor and also very wealthy (who managed to move their factories to Turkey) Syrians, some in the countryside, some in cities. His specific goal, he writes, „is to try to get you to see yourself in these pictures. Because these people lived lives in Syria not too different from your own. Try to imagine what your life would be like if a sudden war or disaster had you fleeing your home to a different country with nothing but a suitcase and some documents.“

It goes without saying that it is almost impossible to envisage such a situation for oneself. Yet this is also what most Syrians very probably had thought. Photographs to be understood must be felt. Photographs in combination with the stories behind the pictures stand a good chance to make us feel empathy.

Wednesday, 6 June 2018

Leonardo da Vinci: Sämtliche Gemälde

Einer der Gründe, weshalb mich dieses Universalgenie fasziniert, ist ein ihm zugeschriebener Satz, der mich seit vielen Jahren begleitet. "Oh Lord, thou givest us everything, at the prize of an effort." Die Texte im vorliegenden Band richten sich an Leute, die mit Leonardos Werk weit besser vertraut sind als ich es bin und so lasse ich die Bilder auf mich wirken, bleibe immer mal wieder an einem Zitat hängen, speziell bei denen, welche von Autoren stammen, mit denen ich positive Assoziationen verbinde. Oswald Spengler, zum Beispiel, der meinte: "Lionardo kennt nur den einen, weiten, ewigen Raum, in dem seine Gestalten gleichsam verschweben. Der eine gibt innerhalb des Bildrahmens eine Summe einzelner und naher Dinge, der andere einen Ausschnitt aus dem Unendlichen." Keine Frage, ich betrachte die Bilder jetzt mit neuen Augen.

Ganz besonders hat es mir ein Zitat von Sigmund Freud angetan: "Der grosse Leonardo blieb überhaupt sein ganzes Leben über in machen Stücken kindlich, man sagt, dass alle grossen Männer etwas Infantiles bewahren müssen. Er spielte auch als Erwachsener weiter und wurde auch dadurch manchmal seinen Zeitgenossen unheimlich und unbegreiflich."
Verkündigung an Maria
um 1473-1475 (?)
Öl und Tempera auf Pappelholz, 100 x 221,5 cm
Florenz, Galleria degli Uffizi, Inv. 1618

.Dieses Buch wurde erstmals 2003 publiziert, was nun vorliegt ist die revidierte Neuauflage. Im Mittelpunkt stehen die Werke Leonardos sowie zahlreiche Originalquellen. "Die Analysen des Haupttextes sind einem gattungs- und sozialgeschichtlichen Ansatz verpflichtet. Im Mittelpunkt stehen dabei das 'historische Erklären von Bildern' (Baxandall 1985) und die Inhaltsdeutungen der Gemälde Leonardos vor dem Hintergrund von Kontext und Bildtradition." Mit anderen Worten: Das ist ein akademisches Buch, die Texte richten sich an Spezialisten.

Der Band ist clever gestaltet. Bleistiftzeichnungen und Gemaltes wechseln sich ab, Teilaspekte der Bilder werden vergrössert gezeigt. Umwerfend, die realitätsnah und detailgetreu Beobachtetes und Imaginiertes wiedergegeben wird.
Leonardo da Vinci und Werkstatt (?)
Christus als Salvator Mundi, nach 1507
Öl auf Walnussholz, 65,5 x 45,1-45,6 cm
Louvre Abu Dhabi (Zustand 2017)

"Unter den grossen Persönlichkeiten der Renaissance gilt Leonardo da Vinci immer noch als eine der rätselhaftesten Gestalten. Zwar besitzen wir von ihm den umfangreichsten schriftlichen Nachlass, der von einem Künstler seiner Generation überhaupt erhalten ist, doch finden sich auf Abertausenden von Manuskriptseiten nur spärliche Hinweise auf persönliche Anschauungen und Gefühle. Selbst von der äusseren Erscheinung Leonardos haben wir eine nur ungefähre, hauptsächlich durch zwei unterschiedliche Typen bestimmte Idee ...". Das heisst nichts anderes, dass ganz vieles, was man über Leonardo schreibt und sagt, wesentlich Spekulation ist und letztlich wohl hauptsächlich über den Spekulierenden Auskunft gibt. Doch gilt das so recht eigentlich über alles, was wir über andere Menschen auszusagen imstande sind. Gleichzeitig gilt: Informiert zu spekulieren und einfach eine Meinung zu haben, ist etwas gänzlich anderes.

Leonardo da Vinci: Sämtliche Gemälde ist ein höchst gelehrtes und wunderbar anregendes Werk

Frank Zöllner
Leonardo da Vinci
1452-1519
Sämtliche Gemälde
Taschen, Köln 2018

Wednesday, 30 May 2018

In Bratislava

It is raining, when the bus from Vienna Airport drops me at the Danube in Bratislava, close to the old town. The information given by "my" hotel is widely off the mark – it takes about twenty minutes to walk from the old town to the hotel and not the five minutes indicated. Well, precision is mostly a Swiss thing or so it seems.

The next day, I'm wandering aimlessly through the streets. Whenever I'm seeing hordes of tourists, I change direction. Especially the old town is popular with tour groups who have buildings and monuments explained by local guides.

Wandering around aimlessly means: The goal of my walks is not a museum or an exhibition or a famous monument. And, since my interest in history is limited (I regard it as interesting fiction at best), my goal when wandering through the streets is precisely that – wandering through the streets, doing what I'm doing. And that, for me, is the most difficult.
I come across impressive government buildings, parks, a rather big cemetery where the tombstones (with names and sayings in Slovak and in German on them) are scattered all over the place (not in a Swiss order, I'd say), and, at a crossroads, I spot a sign that reads "railway station". I approach a woman in her forties carrying French text books under her arms. She doesn't speak French but English and says she will accompany me to the railway station for she is waiting for her daughter who sits for a Russian exam. As we walk towards the station she tells me that she's from Afghanistan, from the north, the Hindu Kush, and that she came to Slovakia in 1993 to study economics. When we arrive at the station she points to the building and says: 40 years, no innovation.

Since Bratislava is just an hour from Vienna, I expected people more likely to speak German than English yet it was the opposite, And, the ones I got to talk to, without exception, were friendly and helpful. 
I see a young man on his knees taking pictures of this bike. It's his, he says, he made it. In fact, he adds, he re-made it for it belonged to a friend who did not want it anymore because it was old and broken and so he decided to re-do it, to make it new again. He has made six or seven, he enjoys making bikes usable again.

What also surprised me in Bratislava: the fantastic Slovakian yoghurt, the number of Vietnamese businesses, to be told that Czech bottled water is preferable to the Slovak variety, and that two of the hotel's TV channels were Algerian.

Wednesday, 23 May 2018

The Naked Swiss

Switzerland is an exotic country, I thought to myself when, some years ago, I travelled around the Brazilian Northeast and learned, among other things, that Brazil, like Switzerland, comprises 26 states. In the case of the huge landmass called Brazil, this makes sense, in the case of the small mountainous territory called Switzerland, it doesn't. Or does it? As usual, it depends. Forget about "federalism" and "historically developed" and the like ... and consider this: In order to not feel completely lost on planet earth, human beings look for stability and for ways to keep themselves busy. The Swiss opted for a uniquely complicated solution that has the advantage of being difficult to change .. and that not only attracts foreign businesses and criminals but also provides stable working conditions for bureaucrats and reference points for the entire population.

That is, in short, the way I see my native Switzerland. There are of course many more facets to "my" country and journalist Clare O'Dea, who became Swiss in 2015, made me aware of quite some I wasn't even remotely aware of.

"In writing this book, I was driven by a desire to get the facts straight, and for those facts to be fair and accurate. To really understand a nation, you have to get to know its people, and I hope I've done my bit with the introductions here." Yes, you've done that, Clare, but you've actually done much more than that. While I think myself rather well-informed when it comes to things Swiss I was really surprised to learn that quite a lot had completely eluded me.

Let me give you some examples that I thought particularly fascinating: I had no idea that Swiss photographer Luc Chessex, whose Swiss Life (Editions Payot, Lausanne, 1987) I had very much liked, had lived in Cuba from 1961 to 1975 and worked for several years for the Cuban Ministry of Culture as an official photographer of the Revolution. It was also totally new to me that Swiss author Pedro Lenz, who writes in dialect, had his book Der Goalie Bin Ig translated into Glaswegian dialect under the title Naw Much of a Talker. Moreover: "It was only after spending time in Glasgow and getting to know Scottish writers writing in Glaswegian dialect that he had the courage to get over his complex and attempt to write in his own voice."

Also: I didn't know that Dostoyevsky felt such hostility towards Switzerland (he lived in Geneva and Vevey in the late 1860s). Or that Swiss scientist Hans Rudolf Herren is credited with saving more than 20 million lives in Africa by identifying and targeting a Paraguayan wasp that kills the mealybug. Or ... but read for yourself, it is worth it.

The Naked Swiss is not only highly informative (the myths examined range from 'The Swiss Are Neutral' to 'The Swiss Are Crooked Bankers') and profoundly balanced (as it befits a true Swiss author) but also good story telling. I've especially warmed to the tale of Michel Simonet, a street sweeper in Fribourg, who is also the author of a book about his life (Une rose est un balai) from which the following quote stems:

"A free head and busy hands suits me better, by the way, than the inverse. You think and exert yourself at the same time. Streets and squares are my gym, my solarium on fine days. I sing there like a cicada while working like an ant, with open skies as my only limit, and a direct line to Our Father. (...) This harmonius balance between magnitude and intensity, action and contemplation, enthusiastic élan and habit, know-how and knowing how to be, of public relations and solitude is played out over a full day."

Clare O'Dea
The Naked Swiss
A Nation Behind 10 Myths
Second, updated edition
Bergli Books, Basel 2018

Wednesday, 16 May 2018

Ulrike Crespo: Danakil

Zuerst waren es die Farben, von denen sich meine Augen kaum lösen konnten. Unmöglich, dass die in der Natur so vorkommen, dachte es in mir. Oder vielleicht doch? Ich erinnerte mich an einen Bildband über Bangkok. über den ich unter anderem geschrieben hatte, der Fotograf habe etwas übertrieben mit Photoshop, denn solche Farben gebe es in der Natur nicht, nur um mich dann belehren zu lassen, Photoshop sei überhaupt nicht zur Anwendung gekommen, diese Farben seien das Resultat langer Belichtungszeiten gewesen. Doch ob künstlich oder nicht, diese Farben haben es in sich, jedenfalls für mich, und es dauert recht viel Zeit, bis ich mich (vor allem von den satten Gelb und Grün) lösen und meine Aufmerksamkeit den Weiten der Wüste in (hauptsächlich) Blau und Grau zuwenden kann.
@ Ulrike Crespo

"Alle Fotografien sind im Januar 2017 anlässlich einer Reise durch Äthiopien entstanden. Die Danakil Senke oder Danakil Wüste – eine Wüste aus Sand, Salz und Lavagestein – liegt auf einer Kreuzung tektonischer Platten der Erdkruste über dem grossen afrikanischen Grabenbruch im Nordosten Äthiopiens. Das bereiste Gebiet, der Dallol, der heisseste Ort der Welt, ist ein Geothermalgebiet in einer Tiefebene, etwa 100 Meter unter dem Meeresspiegel, und befindet sich im Afar-Dreieck im Grenzbereich von Äthiopien und Eritrea", lese ich. Wer – wie ich – nicht weiss, was ein Geothermalgebiet ist, wird bei Wikipedia fündig. 

Das Buch liefert ansonsten keine Informationen zu den Bildern. Wer gerne weiss, was ihm seine Augen zeigen, muss zur nicht gerade umfangreichen Pressemitteilung greifen. Die karge Region des Afar-Dreiecks werde seit Jahrhunderten "vom muslimischen Nomadenvolk der Afar dominiert, das vom Salzabbau und der Aufzucht von Kamelen, Eseln und Ziegen lebt." Mehr erfährt man da nicht, mich stört das, mir ist das zu wenig.
@ Ulrike Crespo

Dem Band ist ein Text ("Mimikry der Wüste") von Alissa Walser beigegeben, sie setzt sich darin mit der Fotografie auseinander. Sie stellt Fragen, denn Bilder laden so recht eigentlich dazu sein. Und sie beschreibt, was in ihr vorgeht, was sie empfindet beim Betrachten dieser Aufnahmen. Auch ihre Beziehung zur Wüste offenbart sie. Ein einladender Text.

Gestaltet wurde der Band von Harald Pridgar. Ich habe mich etwas gewundert, ich bin bislang immer davon ausgegangen, ein Fotobuch sei das Resultat der Zusammenarbeit von Verlag und Fotografin.
@ Ulrike Crespo

So sehr mich diese Bilder ansprechen – das hat einerseits mit meiner Faszination für die Wüste zu tun und andererseits mit diesen "Mondlandschaften", die mit meiner Vorstellung von Wüste wenig kompatibel sind – , mir fehlen Informationen darüber, wie die Fotos entstanden sind, denn mein Interesse gilt wesentlich dem Prozess des Fotografierens: Wie kam es, dass die Fotografin diese Wüste ausgesucht hat? Was hatte sie für Erwartungen? Wurden diese eingelöst? Wie fühlte sie sich während der Zeit vor Ort? Wie empfindet sie diese Aufnahmen im Nachhinein? Etc. etc. 

Ulrike Crespo
Danakil
Kehrer Verlag, Heidelberg 2018

Wednesday, 9 May 2018

A Visit to Warsaw

How do I get to the old town?, I ask one of the young hotel receptionists. You go to the central railway station and from there straight onwards until you will see a palm tree, turn left and there you are. A palm tree in Warsaw? That surely must be the only one, I say. Very probably, the young man grins.

After some hours of strolling around and looking at impressive architecture (since I'm not much into history, I do not bother inquiring what is in front of my eyes), I'm heading back to the central railway station where I'm asking a young woman sitting on a bench what her favourite park is. She looks at me in wonder. Well, I now say, upon my arrival, a fellow passenger who said to have been many times to Warsaw remarked that this was a city of parks. I wouldn't know, the young woman smiles, for I'm not from here, I'm from Gdansk, a city known for its parks.
Back at the hotel, I decide to ask the palm tree receptionist for parks. He points out two in walking distance. The next day, I discover that the two are rather large and quite obviously popular with dogs, young mothers with children, and the elderly (older than me).

On my way back, I took sidestreets and discovered an inviting neighbourhood with cobblestones and trees, all sorts of restaurants, cafes, and small shops  quite a contrast to the very modern parts of town. 

Nowadays, I pay attention to how I walk. While not so long ago, I almost exclusively seemed to concentrate on getting (usually quickly) where I wanted to, I now focus more on actually being where I am – with amazingly little success, I must admit. By making an effort to stay focussed, I'm however much more aware that I'm mostly not and actually quite somewhere else. I couldn't say what triggers my mind journeys yet while in Warsaw I'm occasionally (this is what I remember) also in Lima and Barranquilla. I enjoy it, and I'm fascinated by it. And no, I'm not interested in figuring out what my mind is doing yet I do have my moments when I think that our cause and effect way of thinking is more than just limited.
In Brazil I've learned to judge a hotel by its breakfast buffet and the one in my Warsaw hotel is excellent. Also, the room (I was given one on the 14th floor with a splendid view) is pleasent, comes with good reading light (a rarity) and so I spend quite some time (I increasingly abhor TV) with the three books that I brought along  one happened to take place in Brazil, another in Washington, and yet another in the Congo. 

Thursday, 3 May 2018

The Earth's Circle. Kolodozero

Documentary photographer Ekaterina Solovieva, born in Moscow in 1977, lives in Hamburg, Germany. Her main interest is in religious traditions and customs of rural folk in the former Soviet Union. Her work has appeared on BBC Russia and Russia Today as well as in GEO, Leica Fotografie International, Orthodoxy and the World, and other publications.

The Earth's Circle. Kolodozero documents aspects of life of the people of the Russian North. At the center of this tome is however the rebel and punk Arkady Shlykov from Moscow, who was first met with scepticism but eventually became the much loved and respected local priest.

Ekaterina Solovieva had first come to Kolodozero in 2009 for she had heard stories about a strange punk priest living in the Karelian wilderness. Upon her arrival, the priest was nowhere to be seen, there was however the local celebrity Yurka, drunk, holding a giant knife and telling endless stories until finally „the door flew open, and a huge shaggy red-haired Viking with sawdust in his beard entered the room, grabbed Yurka, threw him over his shoulders, and carried him into the fog without saying a word. That was my first encounter with father Arkady. And that was when I realized that I was in the right place, and that Kolodozero was to change my life.“

The village of Kolodozero in the Russian North consists of a handful of small hamlets, scattered along lakes and rivers. Arkady Shlykov had come here in 2001, together with two friends. The three of them were touring the north in search for the meaning of life. They decided to build a new church in order to replace the old one that burnt down in 1977.

The photographs depict ordinary scenes, landscapes, children playing, the priest reading in the bible (I suppose), kitchen utensils and so on. The pics come without captions, one needs to use one's imagination to interpret what the eyes are seeing. There are also accompanying texts that provide varied infos on the activities of the village people.

For the full review, see here

Wednesday, 25 April 2018

The artist called nature (1)





Santa Cruz do Sul, Fevereiro 2018

Wednesday, 18 April 2018

Chuck Hemard: The Pines

Highlands County, Florida, 2013 @ Chuck Hemard

I've recently started to look at trees and, in no time at all, have become increasingly fascinated by the many shapes and forms in which they happen to inhabit planet earth. Hence my interest in this tome by American photographer Chuck Hemard who, I learn from the press release, „grew up in the middle of the pine belt of southern Mississippi where as a child he would rake longleaf pine needles, collect them in wheelbarrows, and move them to the landscaping beds around his yard. The imprint of this landscape on his identity would later inform his work as a professional photographer.“

In 2010, he embarked on a seven-year photographic study of the longleaf pine trees of the Deep South and the landscape that supports them. The result you can see in this tome. I do not tire to look at these pines – I'm saying this on purpose for I do have the feeling that I'm looking at pines and not at photographs of pines. And, as is often the case when looking at photographs of nature – it is nature who is the artist, not the photographer. This is not to diminish the importance of these pics for they make it possible and thus allow me to imagine the Coastal Plain of the southeastern United States where they were taken.

For the full review, please go here

Wednesday, 11 April 2018

The artist called nature




Santa Cruz do Sul, Janeiro / Fevereiro 2018