Wednesday, 26 April 2017

waterforms

„My photography depends on access to protected open spaces and would not be possible without it. It is the quiet, natural landscape that inspires and nurtures. Behind that experience is the dedication and advocacy of local and national conservation groups, along with all who value land protection and contribute in any way“, writes Dorothy Kerper Monnelly in the acknowledgements section of her „waterforms“

There are two major subjects that „waterforms“ portrays: the forms and patterns that water creates on the land and the ice patterns that form in fresh water streams. Both are subjected to changes in temperature and powerful winter winds. „I quickly learned that to photograph ice patterns, the critical extra ingredient is warm clothes!“

Dorothy Kerper Monnelly also writes (in her artist's statement) that „Fine Art Photgraphy is the language of the inner eye – the inner self that responds without knowing. It is an intuitive dialog that speaks as an image. It is a search for truth ... for the song!“

„waterforms“ starts with a series of pictures with captions such as „Ice Pattern 26, Ipswich, MA, 1/2016“, „Ice Pattern 25, Saco River, NH, 12/2014“ or „Ice Pattern 13, Ipswich, MA, 1/2003“. Without knowing that I'm looking at ice patterns I would have very probably never guessed it. In other words, I'm glad I'm told that there are ice patterns in front of my eyes although the additional caption information is probably more of interest to the photographer (reminding her when and where the picture was taken) than to the reader.

For the full review, please see here

Wednesday, 19 April 2017

Daniel Rohner: Dialog mit Mi Fu

Der 1955 in Basel geborene Fotograf und Kunstmaler Daniel Rohner, lese ich in der Presseinformation, sei in die Rheinschlucht zwischen Reichenau und Ilanz hinabgestiegen und habe am Churer Hausberg, dem Calanda, und im Laufental fotografiert. Ich war gespannt, sehr sogar, denn diese Gegenden sind mir bekannt, ganz besonders die Rheinschlucht zwischen Reichenburg und Ilanz, wo ich oft zu Fuss unterwegs bin. Beim ersten Durchblättern von Dialog mit Mi Fu war meine Überraschung gross: Was ich sah, hatte ich so noch nie gesehen, jedenfalls nicht bewusst. Beim zweiten und dritten Hinschauen entdeckte ich dann einige wenige mir nicht ganz unvertraute Ansichten. Mit anderen Worten: Die Beschäftigung mit Daniel Rohners Aufnahmen zeigten mir wiedereinmal, weshalb Fotografien zu betrachten horizonterweiternd sein kann: Diese Bilder zeigten mir Ansichten und Sichtweisen, die mir gefielen und die mir sonst wohl entgangen wären. 
Aus dem Begleittext von Andres Pardey erfahre ich unter anderem, dass Mi Fu, der von 1051 und 1107 gelebt hat und als einer der Väter der chinesischen Tusche- und Aquarellmalerei gilt, "als derjenige, der die Landschaften mit ihren vernebelten Tälern und den spitzen, hintereinander geschichteten Hügelzügen als einer der Ersten so dargestellt hat, wie wir sie gemeinhin von Bildern kennen."

Da macht also einer in der Schweiz Fotos im Stile eines chinesischen Malers (oder zumindest von diesem inspiriert), denkt es so in mir. Ein interessanter Ansatz, nicht zuletzt, weil es in China Landschaften gibt, die einen an die Schweiz erinnern. Jedenfalls ist es mir während eines mehrmonatigen Aufenthalts in der Provinz Fukkien so ergangen. Doch wie muss ich mir das Vorgehen des Fotografen vorstellen? Ist er mit einem Bild im Kopf hingegangen und hat dann versucht, dieses in der Schweizer Realität zu finden? Oder hat er ganz einfach genau hingeschaut und (vielleicht beeinflusst von an Mi Fu geschulten Sehgewohnheiten) gesehen, was vor langer Zeit auch Mi Fu so ähnlich gesehen haben mag?
Lothar Ledderose macht in seinem Beitrag "Reisende zwischen Giessbächen und Bergen" auf zwei Landschaftsbilder (das eine entstand um das Jahr 1000 und stammt von Fan Kuan, das andere, datiert 1072,  von Guo Xi) aufmerksam, die an Daniel Rohners Fotos gemahnen und hält fest: "Über die Jahrhunderte hinweg besteht eine eigentümliche Affinität zwischen den Werken der song-zeitlichen Maler Chinas und den suggestiven, enigmatischen, mit bewundernswerter fotografischer Technik gestalteten Bildern von Daniel Rohner. Auch er zeigt eine unberührte Bergwelt: schroffe Felsen, komplexe Oberflächen in unendlich vielfältigen Abstufungen von Grau, wabernde Nebel, winzige Behausungen; auch seine Fotografien führen uns die schöpferischen, kosmischen Kräfte der Natur vor Augen."

Mich erstaunen die Gemeinsamkeiten von Malern, die vor gut 1000 Jahren in China lebten, und dem Schweizer Fotografen Daniel Rohner nicht, denn wir Menschen haben mehr miteinander gemein, als uns bewusst (und möglicherweise lieb)  ist. Üblicherweise betonen wir die Unterschiede. die geografischen, die kulturellen und die zeitlichen. Für mich hat Daniel Rohner mit diesen Fotos sein Augenmerk auf das Verbindende gelegt.
Der dritte Textbeitrag stammt von Andrin Schütz. Er ist mit "Transformationen des Augenblicks" überschrieben und führt unter anderem aus: "Bleibt der Bildraum – trotz zuweilen nahezu naturalistischer Fasssung – dem historischen Asiaten stets Idealraum und diesseitige Metapher des jenseitig Metaphysischen und Philosophischen, scheint sich Rohner vorerst ganz auf die diesseitige Realität zu konzentrieren." Nun ja, das ist bei Fotografen so recht eigentlich zwangsläufig der Fall. Schliesslich können Fotografien nur abbilden, was zu sehen ist.

Daniel Rohner
Dialog mit Mi Fu
Kehrer Verlag, Heidelberg Berlin 2017

Wednesday, 12 April 2017

Essays über Fotografie und Medien

Die Annahme, dass Medien, wenn sie es denn wirklich wollten (und einige wollen das in der Tat und geben sich auch ent­sprechend Mühe), die Wirklichkeit abzubilden vermöchten, wird zwar allgemein angenommen, ist deswegen jedoch noch lange nicht wahr. Wahr ist, dass die Medien die Wirklichkeit, die in den Medien vorkommt, erst schaffen. Sie tun dies, zuallererst, indem sie auswählen, was sie zeigen wollen und, vor allem, was sie nicht zeigen wollen. Sie definieren Bezugspunkte, stellen Ordnung und Sinn her, geben Kontext vor. Die Realität wird ersetzt durch eine Medienrealität – und diese wird zu einem Selbst­gänger, da sich die Medien vorwiegend daran orientieren, was andere Medien machen.

... aussergewöhnlich an den Essays ist die Breite, Intensität und das persönliche Engagement des Autors, das stets präsent ist, namentlich dann, wenn Durrer auch seine Befindlichkeit als Publizist einfliessen lässt, der sich mit den Mechanismen, wie Bilder wirken, auseinander setzt. Wer so kenntnisreich argumentiert, schöpft aus einem Fundus, der weit über das fotografische und journalistische Metier hinaus geht.
Henri Leuzinger in www.fotointern.ch

Bei diesem Buch handelt es sich um einen Nachdruck der Originalausgabe von 2011.

Hans Durrer
Essays über Fotografie und Medien
Somedia Buchverlag, Edition Rüegger, 2016

Umfang: 122 Seiten, broschiert
ISBN-Nr.: 978-3-7253-0966-5

Wednesday, 5 April 2017

Johann Schär, Dorffotograf, Gondiswil

"So guet!", dieses Cover, war meine erste Reaktion auf diesen schön gestalten (abgerundete Coverecken und Inhaltsseiten sowie Fadenheftung) Band und es dauerte eine ganze Weile, bis ich meinen Blick wieder von dem Porträt auf dem Umschlag lösen konnte. Ja, je länger ich hinschaute, desto fasziniernder fand ich dieses Bild – sowohl die Komposition als auch die Kleidung und den Blick des jungen Mannes. 

Markus Schüpf vom Fotobüro Bern, dem dieser Band zu verdanken ist, hat sich für eine Gliederung in Ortsbilder, Landleben, Augenblicke, Werken, Kohle und Fernab entschieden. Als ich mir die Bilder zum ersten Mal ansehe, denke ich bei den Ortsbildern ganz automatisch an appenzellische Wandteppiche (ich weiss zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Gondiswil im Kanton Bern liegt). Mit anderen Worten: Bildlegenden sind wichtig, möglichst aussagekräftige. "Kleines Mädchen mit Kuh, um 1925", die Legende, die der untenstehenden Aufnahme (dieses ganz wunderbare Foto allein lohnt den Kauf dieses Buches!) beigegeben ist, ist nicht nur (abgesehen vom Jahr) überflüssig, sondern fast schon absurd. Sicher, ich weiss, man arbeitet eben mit dem, was man vorgefunden hat und weiss eben häufig wenig bis gar nichts über die Entstehung der Aufnahmen ... Trotzdem: Bilder, die selbst erklärend sind, brauchen keine Legenden. 
Markus Schüpf weist in seinem höchst anschaulichen und informativen Text unter anderem darauf hin, "dass bei Schär Hochzeitsfotografien vergleichweise rar sind. Offensichtlich nahmen die Gondiswiler dafür lieber die Dienste professioneller Fotografen in Anspruch. Rührend sind die Aufnahmen älterer Menschen und Paare sowie von kranken und beeinträchtigten Menschen. Will man den Zeitungsmeldungen glauben, die im 'Unteremmentaler' regelmässig erschienen, war Gondiswil ein Dorf mit besonders vielen teils hochbetagten Menschen. Schliesslich wuurde Schär hn und wieder geholt, wenn es darum ging, Tote zu fotografieren."
Wie es bei Fotobüchern oft der Fall ist, so kann der Begleittext so recht eigentlich meist ohne die Bilder auskommen. Der Text liefert häufig nur den Kontext, ein direkter Bezug zu den einzelnen Bildern ist selten. So auch im vorliegenden Band, der allerdings einleitend erläutert, wie es zu diesem Buch gekommen ist. Das ist höchst verdienstvoll.

Fotos anzuschauen beziehungsweise Bilder zu lesen ist ein sehr subjektiver Vorgang. Damit er nicht nur subjektiv bleibt, braucht es möglichst viele Informationen zu den Bildern, den Verhältnissen der Zeit und zum Fotografen. Schär war um 1900 offenbar der häufigste Name in Gondiswil, weshalb man denn auch zu Übernamen griff, um die verschiedenen Schärs voneinander zu unterscheiden. Der Fotograf Johann Schär lief unter "Dängi Hannes", war ein einziger Sohn, der mit einer jüngeren und einer älteren Schwester zusammen auf dem elterlichen Hof aufwuchs. Wie sein Vater amtete er während vieler Jahre als Genossenschaftssekretär.
"Wie die meisten Dorf- und Wanderfotografen hatte sich Schär das Fotografieren weitgehend selbst beigebracht." Seinem Onkel sei ein friedfertiger Charakter eigen gewesen, schreibt Wilhelm Iff, was wahrlich eine gute Voraussetzung ist für einen Dorffotografen, der, wie ja auch der Lokaljournalist, ständig darauf bedacht sein muss, es sich mir den Leuten nicht zu verderben.

Bei den Porträts fällt nicht zuletzt auf, dass da kaum einmal jemand lacht oder lächelt. Man zeigt zwar stolz, was man hat, doch die heutzutage gängige Auffassung, dass das Leben fun zu sein habe, hat Gondiswil um 1900 eindeutig noch nicht erreicht.
Johann Schär, Dorffotograf, Gondiswil zeigt nicht nur, wie etwas einmal gewesen ist, sondern auch wie die Menschen sich damals dargestellt sehen wollten. Ein rundum gelungenes Zeitdokument!

Markus Schürpf
Johann Schär
Dorffotograf, Gondiswil
1855-1938
Limmat Verlag, Zürich 2017