Wednesday, 26 July 2017

Was Pressefotografien meist nicht zeigen

Pressefotografien zeigen die Welt nicht wie sie ist, Pressefotografien zeigen die Welt, wie ein Fotograf (Frau oder Mann) sich diese Welt beziehungsweise einen Ausschnitt davon für einen Moment zu sehen (und dem Publikum zu zeigen) entschieden hat.

Die Sichtweise des Pressefotografen ist von ganz unterschiedlichen Faktoren (Alter, Geschlecht, Ausbildung etc.) und nicht zuletzt von seinen persönlichen und kulturellen Voreingenommenheiten geprägt. Die so speziell nun allerdings auch nicht sein können, denn wie wäre sonst die Uniformität vieler Pressebilder zu erklären: Wieso, ums Himmels Willen, zeigt man uns eigentlich ständig Aufnahmen von sogenannten „world leaders“, die sich die Hände schütteln oder den Zeigefinger aufs Publikum richten (soll das etwa andeuten, man wisse in welche Richtung es gehen solle?).

Betrachtet man etwa Bilder von winkenden Politikern vor der geöffneten Flugzeugtür, ist man gut beraten, die eigene Vorstellungskraft zu bemühen und sich gelegentlich zu fragen, was solche Aufnahmen alles nicht zeigen (etwa, dass solche Flieger in aller Regel in ziemlicher Distanz vom Flughafengebäude und nicht in Sichtweite begeistert zurück winkender Menschenmassen stehen).

Fotografieren bedeutet einrahmen. Der frühere Leiter der Fotografie-Abteilung des New Yorker MoMA, John Szarkowski, bezeichnete das Einrahmen einmal als die Essenz des fotografischen Handwerks, bei dem die zentrale Frage für den Fotografen laute: Was soll ich ins Bild nehmen? Was soll ich ausschliessen? Der Bildrahmen definiert den Inhalt.

Die Fortsetzung findet sich hier:

Wednesday, 19 July 2017

Arzt der Armen

"Seit geraumer Zeit bildet die wachsende soziale Ungleichheit das Kardinalproblem der Menschheit", leitet Christoph Butterwegge sein Vorwort zu diesem Band ein. Unter denen, die unter die Räder kommen oder bei dem allgegenwärtigen "rat race" ganz einfach nicht mehr mitmachen mögen, wächst weltweit die Zahl der Obdachlosen. "Nach wie vor werden die Obdachlosen in vielen Städten aus dem öffentlichen Raum verdrängt, stören sie doch das lokale Wohlstandsidyll. Auf der Strasse lebende Menschen sind einem rigiden und repressiven Armutsregime ausgesetzt, für das Polizeirazzien, Platzverweise, Aufenthaltsverbote und Schikanen privater Sicherheitsdienste stehen."

Zu den Menschen, die sich dieser Obdachlosen annehmen, gehört der Arzt Gerhard Trabert. Ihm und den Obachlosen ist das fotografische Dokument Arzt der Armen, das Andreas Rees geschaffen hat, gewidmet.
Arztmobilsprechstunde in Bingen

"Andreas Reeg hat uns über zwei Jahre bei unserer sozialarbeiterischen und ärztlichen Beziehungsarbeit mit von Armut betroffenen Menschen, speziell wohnungslosen Menschen, begleitet. Er hat selbst Beziehung im Sinne der Gleichwürdigkeit zu den betroffenen Menschen gelebt", schreibt Gerhard Trabert. 'Gleichwürdigkeit' ist für mich ein neues Wort, jedenfalls habe ich es noch nie bewusst wahrgenommen (zumindest kann ich mich nicht erinnern). Ein Wort, das mich nachdenklich und aufmerksam macht, ein Wort, das mich berührt, mir womöglich hilft, Obdachlose anders und neu zu sehen.

Einige von Andreas Rees' Fotos sind mit Aussagen der Porträtierten ergänzt. Auf die Frage, was sie sich wünsche im Leben, antwortete die 59jährige Ma-Ah-Tee, die seit 21 Jahren wohnungslos ist und der wichtig ist, anderen Wohnungslosen zu helfen. "Haben, was man braucht. Muss nicht der grösste Luxus sein. Was man halt braucht. Sorglos darüber verfügen zu können, was man braucht. Nicht, was man möchte, was man braucht. Und das ist es schon. Und Gesundheit, ganz wichtig."
Prof. Trabert im Gespräch mit Anneliese Schneider

Die Lebensgeschichte von Wolfgang Fahr, 84, der die Hälfte seines Lebens auf der Strasse verbrachte  und heute in einem Altersheim lebt, hat Robin Trabert aufgezeichnet. "Ich habe es nie bereut, auf mich selbst zu achten und von der Strasse weggeangen zu sein. Auf einen Schlag, von einem Tag auf den anderen habe ich gesagt, ich höre auf zu trinken, ich lasse es. Als ich dann 2008 in meine Wohnung gezogen bin, hatte ich noch zwei Flaschen Wein. Zwei Wochen später waren sie im Mülleimer, ich wollte nicht mehr trinken, es hatte keinen Sinn. Es liegt an jedem selbst, jeder ist seines Glückes Schmied."

So sehr das stimmt, so sehr stimmt eben auch, worauf Gerhard Trabert aufmerksam macht. "Die Politik fördert privaten Reichtum und nimmt öffentliche Armut (finanzielle Armut der Kommunen) in Kauf. Wieder versteckt man (zum Beispiel die Sozialbürokratie) sich in Deutschland zunehmend hinter Gesetzen und Bestimmungen, legt damit soziale Verantwortung ab und bedenkt nicht, zu was dieses Verhalten bei davon betroffenen Menschen führt."

Diesen Menschen ist Gerhard Trabert verbunden. "Je dichter ich Armut ausgeliefert war, um so näher war ich den Menschen und somit auch meinem eigenen Selbst." Das glaubt man beim Betrachten dieser Bilder zu spüren.

Andreas Reeg
Art der Armen
Kehrer Verlag, Heidelberg 2017

Wednesday, 12 July 2017

Destino Final

Skyvan PA-51, one of the five planes of the Argentine Naval Prefecture used for death flights during the 1976-1983 military dictatorship. The aircraft operated the flight on 14 December 1977. Fort Lauderdale, Florida, United States, 2013.

Destino Final is an impressive, and deeply moving, document and that has mainly to do with the ingenuity of photographer Giancarlo Ceraudo. Let me elaborate: Photographs, generally speaking, capture the moment and, as the saying goes, bring time to a standstill. In other words, photography is about recording the present. So how do you go about a photographic project that aims at recording occurrences that happened before your time? 

My review you will find on http://www.fstopmagazine.com/

Wednesday, 5 July 2017

Photographs trigger memories

Photos, in order to be understood, need captions. And, they need accompanying text that put what our eyes are showing us into context. Generally speaking, that is, for quite some photographs do not need additional information, they are self-explanatory.  

Take the above pic, for instance, everybody understands what it shows. Since it is by no means a remarkable pic one might wonder what made me put it online. Well, what it shows is extraordinary for, to me, all cloud formations are extraordinary, I could marvel endlessly at them.
Seemingly unremarkable pictures will take on different meanings by providing additional information. The pics on this blogpost I took in May 2017 while looking from Estavayer-le-lac to the other side of Lake Neuchâtel. And, while this information will probably not much influence your reading of the pic it surely does alter mine for it brings me back to that day when I rediscovered this small town that I had not visited for many, many years.
Contrary to popular belief, pictures do not tell stories yet they are an invitation to ask questions. And asking questions, as we all know, usually leads to more questions. 

Photographs often trigger memories. The ones above make me relive a time of which it is said that it has gone.