
These pics were taken in December 2010 in a village near Gurgaon, India.
When in Southern Brazil, in 2009, I played with the idea of visiting Brasilia but was told that since I was without a car this would not be a good idea. In the words of Noteboom: " ... walking was not the simplest way to get around, as it is in some old cities ... The scale was vast and the distances were a challenge in the heat. My own, human proportions cowered at the violence of these dimensions". What he also detected was this: "From afar, the cathedral, the National Congress Building and the Planalto Palace looked like wondrous sculptures, they had something breathtaking about them. There was something else I hadn't expected: not only the human element, but also the effect of nature. In architectural blueprints, no grass grows between the stones. The concrete shows no sign of efflorescence and rust is not part of the design. People in architectural sketches are faceless outlines ..." Right, so in photographs from real life we then would expect to see signs of efflorescence and rust, signs of life that is? Yes, we would and we do.
The town of Chandigarh lies in northwestern India. "Modern architecture was to play a key role in a fundamental transformation of traditional Indian society, and Chandigarh would serve as the stage upon which this development was set in motion", writes Martino Stierli in "Monuments to Modernity". The project was criticised already early on "for its poor adaption to the realities of everyday Indian life and to prevailing cultural conditions". Whenever I come across such arguments I feel like quoting myself: "... we are not condemned to expect from the world what our culture has told us. The culture we grow up in is not a static entity, neither is our identity fixed once and for all." (Hans Durrer: What is Intercultural Communication?)
I love this pic, mainly because of how the girl in front looks into the camera. But has it anything to do with modernism? Not in my view. But what about the other pics, do some of them show "living with modernity"? In the sense that they show how people appropriate their surroundings, yes, they do.
Copyright @ Frank Gaudlitz / Hatje Cantz
Neben den Landschaftsaufnahmen finden sich meist Auszüge aus Humboldts Reisetagebuch aus den Jahren 1801 und 1802. Zur Besteigung des Chimborazo in Ecuador notiert er: "Man trifft keine Indianerin an der Hauptstrasse, die nicht damit beschäftigt ist, Baumwolle zu säubern oder zu spinnen. Und wie würde sich dieser Industriezweig vermehren, wenn diejenigen, die arbeiten (die Indios) durch den Genuss der Früchte ihrer Arbeit angespornt würden. Aber leider! Sie sind Sklaven, ohne Freiheit, ohne Eigentum und ohne eigenes Werkzeug."
Copyright @ Frank Gaudlitz / Hatje Cantz
Die Porträtaufnahmen sind gestellt, die Abgebildeten setzen sich in Szene. Ein freundliches Gesicht machen nur wenige. Hat der Fotograf den Abgebildeten vielleicht Anweisungen gegeben, nicht zu lachen, möglichst ernst dreinzuschauen? Die Sonnenstrasse scheint eine wenig sonnige, sondern recht triste Sache – jedenfalls auf den Fotos von Frank Gaudlitz.
Matthias Flügge erläutert in seinen „Anmerkungen zu den Fotografien von Frank Gaudlitz“, wie diese zustande gekommen sind: „Wie schon zuvor hat Frank Gaudlitz auch hier selbst oder durch Vermittlung von Begleitern Menschen um ihr Bild gebeten. Die, die zustimmen, stellen sich vor die Kamera. Diese baut der Fotograf in einem solchen Abstand von ihnen auf, dass sie die ganze Figur und einen gut erkennbaren Teil des umgebenden Raumes erfasst. Gaudlitz fotografiert in leichter Untersicht vom Stativ und schaut durch einen Schachtsucher von oben in die Spiegelreflex-Kamera. Das heisst, er verbirgt sich nicht hinter seinem Apparat, der Blickkontakt von Fotografiertem und Fotograf bleibt erhalten.“

Copyright @ Frank Gaudlitz / Hatje Cantz
Und weiter führt Flügge aus: "Frank Gaudlitz gelingt es, ein gegenseitiges Vertrauen herzustellen, dass es den Menschehn ermöglicht, auf den Bildern die zu sein, als die sie sich gerne sähen. Auch wenn uns manches fremd – im Wortsinn eigentümlich – erscheint: Die Empathie des Fotografen überträgt sich auf die Menschen, mit denen er in Beziehung tritt."
Woher will der Mann das bloss wissen? Sehen kann er das nämlich nicht und zeigen können das die Aufnahmen schon gar nicht. Mit anderen Worten: Menschen, die sich fotografieren lassen, präsentieren sich so, wie sie es wollen – und das kann was ganz anderes sein, als es sich der Fotograf vorgestellt haben mag. Im Falle der hier gezeigten Fotos wundert man sich (genauer: ich wundere mich), dass Menschen so gezeigt werden wollen – wollen sie sich wirklich so sehen? Ich nehme es an und fühle mich davon berührt. Es sind Aufnahmen, die mir von Zutrauen und Hingabe, von Verletzlichkeit, von Menschlichkeit geprägt scheinen: schön, dass es sie gibt.
Frank Gaudlitz
On a recent walk along the Rhine – it was a sunny autumn day – , all of a sudden and totally out of the blue, Sinimbu came to mind. Sinimbu is a small town in the Brazilian state of Rio Grande do Sul that I happened to visit a few times when I was teaching English in the nearby town of Santa Cruz do Sul.
What triggered it? No idea really. I can only describe what came to mind.
An impressive church at one end of the town and another impressive church at the other end. An interesting talk in German with the pastor of one of the churches who told me of an exchange programme that gave youngsters in the area the chance to spend a year in Germany.
A warm welcome in the home of one of my students, picking oranges, a wonderful yellow flower called Moreia next to the museum of the casa Engelmann.
And then there was this incidence at the gas station. Southern Brazilians often meet at gas stations where they eat, chat, drink beer, and show off their cars. In Sinimbu, they were having a barbecue! I could even see flames rising from the grill! Nevertheless, I'm sure that gas station is still standing ...
"Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler MPA, geboren in Siegen als Sohn türkischer Gastarbeiter, studierte Jura, VWL und Philosophie in Bonn, Kiel, Witten-Herdecke, Harvard und Yale. Er ist 'World Fellow' der Yale University und 'Littauer Fellow' der Harvard University. Er war Berater der Boston Consulting Group und ist als Rechtsanwalt und Strategieberater in Berlin tätig. Das 'World Economic Forum' in Davos kürte Mehmet Daimagüler im Jahr 2005 auf Initiative des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder zum 'Young Global Leader'."
Mit anderen Worten: ein klassischer Streber, ehrgeizig und überangepasst. Doch schauen wir mal, was der Mann zu berichten hat über „das Märchen von der gescheiterten Integration.“
„Die meisten Einwanderer wollen sich integrieren und Teil der Gesellschaft werden.“ Wirklich? Woher will man das wissen? Genau so wenig wie man das Gegenteil wissen kann. Und vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: teilweise will man, teilweise will man nicht, und das ist ja auch grundsätzlich okay so, denn so ist der Mensch nun mal.
Mehmet Gürcan Daimagüler ist in Deutschland geboren, träumt auf Deutsch und ist gern Deutscher. Seit 9/11 gehört er jedoch zu den 'ihr Moslems' (vorher zu den 'ihr Ausländer' oder wahlweise 'ihr Türken'). Und natürlich wird er für alle türkischen Missstände persönlich verantwortlich gemacht. Zugegeben, dass sollte nicht so sein. Ist aber eben so, weil der Mensch nun mal, wie Freud einmal an den Schweizer Pfarrer Pfister schrieb, eine wenig erfreuliche Erscheinung ist (ich zitiere aus dem Gedächtnis). Als Schweizer bin ich übrigens auch persönlich für das Bankgeheimnis verantwortlich – und dieses macht gewisse Leute fast noch wütender als „das türkische Kopftuch“. Kurz und gut: mit den Türken oder den Muslimen (unvergesslich die Schlagzeile, sie liegt schon Jahre zurück, in der Münchner AZ: „Muslim erschiesst Landsmann“) haben solche Feinbildzuschreibungen wenig zu tun. Mit Ignoranz hingegen viel – und dagegen gilt es anzugehen, dafür plädiert Mehmet Gürcan Daimagüler.
Im Grunde ist dieses Buch nichts anderes als die Lebensgeschichte des Autors, eine flüssig und anregend geschriebene. Man kann sich gut vorstellen, dass er beim Schreiben auch einiges über sich selber gelernt hat. Seine Offenheit und Ehrlichkeit sind beeindruckend: „Auch hier fehlte mir einfach die Souveränität zu sagen: Es ist mir egal, was andere von mir denken. Und auch ebenso gleichgültig, ob sie mich für einen totalen Verlierer oder für den Allergrössten halten. Mach einfach, worauf du Lust hast. Das Dumme war nur, dass ich so damit beschäftigt war, mir Gedanken darüber zu machen, ob ich „dazu gehöre“ oder nicht, dass ich total vergessen hatte, was ich eigentlich im Leben erreichen wollte, was mein Ziel war. So sehr ich mich auch anstrengte, es wollte mir einfach nicht mehr einfallen.“
Na ja, sein Ziel war offenbar, „dazu zu gehören“. Und genau darum geht es in diesem Buch. Doch dieses „dazu zu gehören“ ist kein 'Ausländer' oder 'Türken' spezifisches, sondern ein soziales Problem, wenn es denn wirklich ein Problem ist, schliesslich kann es ja durchaus okay sein, nicht dazu zu gehören.
Mehmet Gürcan Daimagüler ist Rechtsanwalt und daher von Berufs wegen ein Rechthaber, einer, der auf die Kraft des Arguments setzt. Und dabei gelegentlich die Realität aus den Augen verliert. Wenn er zum Beispiel unter der Überschrift „Multiple Identitäten“ festhält: „Wenn wir aber ernsthaft grundlegende Probleme lösen wollen wie die Jugendkriminalität oder die gesellschaftliche Segregation, dann müssen wir aufhören, Menschen zu labeln und in Schubladen zu packen.“ Nur ist es eben im richtigen Leben so, dass wir ohne Labels und Schubladen gar nicht auskommen. Diese nicht so wahnsinnig wichtig zu nehmen, scheint mir ein praktikablerer Ansatz.
„Kein schönes Land in dieser Zeit“ ist informativ („Die Deutschen sind totale Vereinsmeier. Und die Türken genauso. Deutsch-Türken sind Weltmeister in Vereinsmeierei“), berührend (etwa: wie des Autors Eltern sich kennengelernt haben), aufrichtig und engagiert (er äusserst sich auch zur Gewalt in seiner Familie sowie seinem eigenen Versagen) und gelegentlich witzig (vor der grössten Nervenheilanstalt der Türkei steht vor dem Eingang „ein riesiges Replikat von Rodins 'Der Denker'“). Ich habe es gerne und mit Gewinn gelesen, auch wenn Sätze wie etwa dieser: „Strukturiert vorgegangen ist jedes noch so grosse Problem rasch lösbar, nicht nur in Jura, sondern überall“ von einer Zuversicht geprägt sind, die sensibleren Menschen etwas arg simpel vorkommen mag.
Mehmet Gürcan Daimagüler
Notes on things intercultural, photography, the media, and other things that interest me