Wednesday, 26 August 2026

In Montbéliard

Die junge Frau an der Rezeption wirkt sehr scheu und sagt, sie sei neu hier, es könne also etwas dauern. Ob dies heute ihr erster Tag sei? Nein, nein, sie sei bereits seit letzten September hier. Ob ich wisse, was Autismus sei? So in etwa, erwidere ich. Das sei nicht erblich, sondern eine Laune der Natur. In ihrem Fall hätte es sie mit drei Jahren erwischt. Was so alles auf sie einstürze, sei häufig zuviel für sie, deshalb brauche sie dann einige Zeit, um es zu ordnen. Ich bedanke mich für die hilfreiche Information, und fühle mich sehr berührt.

Ich wolle aus der Stadt raus, zu Fuss, Richtung Héricourt. Da gebe es keinen Fussweg, auch sei es viel zu weit. Im Parc du Près-la-Rose gebe es Fuss- und Velowege, möglicherweise bis nach Belfort, wurde mir gesagt. Im Parc du Près-la-Rose stiess ich dann jedoch auf Wege, die in eine ganz andere Richtung führten, und so landete ich im Parc de l'Île-en-Mouvement, einer grosszügigen Anlage für Jung und Alt, in der viele Hündeler unterwegs sind.

Entlang des Doubs gibt es einen Radweg (Veloroute Nantes Budapest) sowie eine Beschilderung auf Französisch (Nous sommes sur une véloroute, partageons la!), Englisch (This is a cycle route, let's share the road!), Deutsch (Das ist ein Radweg, bitte Rücksicht aufeinander nehmen!), die aufschlussreich Zeugnis über die unterschiedlichen Mentalitäten gibt.

Allan, ein Nebenfluss des Doubs

Petite Hollande steht auf einem Schild. Ich frage einen entgegenkommenden Mann, was das sei? Er entpuppt sich als rüstiger 85Jähriger, der mir zuerst auf sympathische Art und Weise sein Leben erzählt, bevor er schliesslich darauf hinweist, dass diese Gegend einst bedeutende Autofabriken beherbergt habe (Peugeot). Petite Hollande sei ein Arbeiterquartier gewesen.

Wieder auf der Hauptstrasse folge ich dem Allan, in der Annahme irgendwann zu einer Brücke zu gelangen, was dann auch der Fall ist. Viel Schöneres als unter Baumkronen, durch die die Sonne scheint, entlangzugehen, gibt es für mich selten.

Das Café de la Poste ist fest in arabischer Hand, Ein Neunkömmling geht von Tisch zu Tisch und gibt ausnahmslos jedem (Frauen sehe ich heute keine; später merke ich, dass ich eine alte Dame übersehen habe) die Hand.

Ein Mann um die fünfzig, zwei Einkaufstaschen neben sich, pinkelt mitten in der Stadt an eine Hauswand, bevor er sich zur Busstation aufmacht. Eines der Merkmale der heutigen Zeit, ist die Absenz jeglichen Schamgefühls.

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