Sunday, 13 September 2026
Vier Minuten
Wednesday, 9 September 2026
Leonard Cohen SO LONG
Mit Leonard Cohen verbinde ich in erster Linie die Songs Suzanne und So long Marianne sowie Raubdrucke seiner Texte, die ich im damals geteilten Berlin erstanden hatte. Obwohl ich keinen Zugang zu diesen Texten fand, fühlte ich mich trotzdem in guter Gesellschaft, denn da war so ein Nimbus um diesen attraktiven Mann, von dem ich letzthin las, dass er recht klein geraten war (auf mich hatte er immer gross gewirkt). Erst viel später entdeckte ich sein grossartiges Halleluja. Wichtig und leitend sind mir diese Zeilen von ihm: There is a crack, a crack in everything. That's how the light gets in.
Das erste Gespräch in diesem Band ist aus dem Jahr 1988. Wobei: Ein Gespräch ist das nicht, denn da hakt einer einfach ziemlich einfaltslose Fragen ab. Als Cohen sagt, er lese wenig, jedoch gerade jetzt alle Bücher von Robertson Davies, gegen den er sich lange Zeit gesträubt habe, fragt Christian Fevret nicht einmal nach dem Grund dieses Sich-Sträubens.
Ein nachdenklicher Mensch spricht hier, einer, der viel nachgedacht hat. „Ich glaube, jeder zahlt einen hohen Preis für sein Leben, nichts ist gratis, alle müssen zahlen, alle müssen für ihr Leben das Maximum bezahlen. Ich glaube, verglichen mit dem, was andere ertragen müssen, ist mein Maximum eher bescheiden. Aber für mich ist es das Maximum.“
Als nüchtern und realistisch nehme ich ihn wahr, als einer, der die Welt recht illusionslos betrachtet. Zen-Buddhisten sind so. Und Leonard Cohen ist ja dann auch einer geworden. „Die Dichter sind keineswegs erfahrungsgesättigt, nur wenige dringen wirklich ins Innerste vor und wollen genau sehen, was dort stattfindet. Das wäre ihre Aufgabe, aber nur die wenigsten stellen sich ihr.“
„Ich habe mich nie sonderlich für mich selbst interessiert“ ist das zweite Interview mit Christian Fevret aus dem Jahre 1991 betitelt. Er fragt nach Cohens jüdischer Familie, seiner privilegierten Herkunft, nach Perfektionismus, der Religion, den Mädchen, Drogen, seiner Beziehung zur Lyrik und zur Musik, seiner Zeit in London, Dublin, Kuba, New York und auf Hydra. „Hydra war Liebe auf den ersten Blick: die Leute, die Architektur, der Himmel, die Maultiere, die Gerüche, das Leben. Egal, wo man hinschaute, alles war schön: Jeder Winkel, jede Lampe, alles, was man in die Hand nahm, alles, was man brauchte, war an seinem Platz.“ Eine Liebesgeschichte, die mich auch deshalb anspricht, weil ich vor mehr als dreissig Jahren Bangkok so erfahren habe.
Da hat sich einer mit dem Leben wirklich auseinandersetzt, geht mir bei Cohens Antworten immer wieder durch den Kopf. „Ich lebe heute bereits länger, als mein Vater gelebt hat. Er ist mit zweiundfünfzig gestorben. Ich hatte mit zweiundfünfzig praktisch von nichts eine Ahnung (...) Ich denke nicht oft an meine Kindheit zurück. Ich glaube nicht, dass sie eine legitime Erklärung für mein Leben ist. Ich glaube vielmehr, dass man, um zu überleben, neu geboren werden, die Kindheitserlebnisse, Ungerechtigkeiten, ja sogar die Privilegien hinter sich lassen muss.“
Aufschlussreich fand ich insbesondere die Kluft zwischen Fremd- und Eigenwahrnehmung. „Was die Leute sofort beeindruckt hat, war Ihre Fähigkeit, ganz offen über Schmerz, Kummer und Angst zu reden. Haben Sie nie davor zurückgescheut, solche Gefühle so offen auszudrücken?“, fragt Christian Fevret. „Das Einzige, wofür man sich schämen sollte, ist, nicht die Wahrheit zu sagen. Ich habe nicht den Eindruck, tiefe Bekenntnisse abgelegt zu haben, sondern an der Oberfläche geblieben zu sein.“
Immer wieder streicht Christian Fevret heraus, wie speziell und aussergewöhnlich Leonard Cohen doch sei. Doch der will nichts davon wissen. Er sei noch nie einem Menschen begegnet, dessen Innenleben ganz anders gewesen sei als sein eigenes, sagt er einmal. Das vermeintlich so Persönliche ist universeller als wir gemeinhin annehmen.
Das dritte Interview führte Paul Zollo im Jahre 1992. Es ist mit „Im Turm des Gesangs“ überschrieben und handelt wesentlich von Cohens Songs. Warum er vom Schreiben von Romanen und Gedichten zum Songwriting gewechselt habe? „Ich habe nie den Unterschied gesehen.“ Es ist auffällig, wie wenig sich Cohen von den Fragen in eine bestimmte Richtung drängen lässt, wie oft sie ihm ganz einfach Anlass sind, eigenständig seine Gedanken zu entwickeln. Mich beeindruckt, dass er ganz offenbar nicht die Notwendigkeit spürt, auf alles Mögliche Antworten zu haben.
„Wo die Landschaft in Flammen steht“, das Gespräch mit Alberto Manzano von 1993, mochte ich ganz besonders. Auch weil ich hier auf längere, schlaue und lebensweise Ausführungen zu Themen stosse, die ich für zentral halte, doch selten persönlich thematisiert finde wie etwa Demokratie und Faschismus. Zudem: „Welche Rolle auch immer man lebt, sie hat ihren eigenen Antrieb, läuft von selbst, eine Energie mit eigener Bewegung (...) Ich gehe einfach dorthin, wo in meiner eigenen Landschaft die Energie zu finden ist.“
„Ich bin der kleine Jude, der die Bibel geschrieben hat“, so der Titel zu den Fragen von Arthur Kurzweil aus dem Jahre 1994. „Glauben Sie, dass Ihr Schreiben davon beeinflusst ist, dass Sie jüdisch sind?“ Es gibt wirklich Fragen, die eigentlich keine sind! Was um Himmels Willen antwortet man darauf? Cohen: „Ich habe keine Ahnung. Ich war nie etwas anderes. Ich weiss also nicht, wie es wäre, wenn ich diese Bezüge nicht hätte.“
Das letzte Gespräch mit Jian Ghomeshi („Vielleicht gibt es einen vierten Akt“) stammt aus dem Jahr 2009. Unter anderem äussert er sich darin zur Political Correctness und zum Tod.
Fazit: Leonard Cohen ist kein Mann der üblichen Erklärungsmuster. Stattdessen: Klar, differenziert, eigenständig und unprätentiös.
Leonard
Cohen
SO LONG
Ein Leben in Gesprächen
Kampa Verlag, Zürich
2020
Sunday, 6 September 2026
Mit Gunter Sachs in Andiast
Im
Postauto nach Andiast der Gedanke: Wie alt war eigentlich Gunter
Sachs, als er sich erschoss? Keine Ahnung, warum ich mich das fragte
und auch gleich wieder vergass.
Kurz nach meiner Ankunft kam ich mit einem Mann ins Gespräch, der eine gute halbe Stunde auf mich einredete, ohne Pause und ohne auf meine gelegentlich eingeworfenen Bemerkungen auch nur im geringsten einzugehen. Eine einzige Frage stellte er mir: Woher ich sei? Ich wohne in Sargans, sagte ich, worauf er von Niederweningen, das nicht gerade in der Nähe liegt, zu erzählen begann. Freundlich war er gleichwohl.
Mariana aus Bahia, die in Lima pausenlos auf mich einredete, ging mir durch den Kopf: Mein Sohn sagt, ich könne genauso gut mit einer Wand reden, lachte sie. Soviel Eigenwahrnehmung geht dem Mann aus Andiast definitiv ab.
82 war er, ehemals Bauer in Andiast, dann Chauffeur in Chur und schliesslich 25 Jahre bei der Ems Chemie. Zwei Töchter, die eine in Chur, die andere in Vella. Vom Skifahren redete er, von den Jungen, die weggehen, den Unterländern, die sich im Ort Häuser kauften, bis er ganz unvermittelt sagte: Dort drüben, in Surcuolm, hat sich Gunter Sachs eingebürgert.
Wie ist es nur möglich, dachte es so in mir, dass ein Mann ohne Unterbruch redet? Hört ihm sonst niemand zu? Hört er sich gerne reden? Oder ist einfach ein Automatismus am Werk, den er nicht kontrolliert?
Dass er Gunter Sachs erwähnte, hat mich zwar verblüfft, eine mögliche Erklärung dafür habe ich jedoch nicht gesucht, da ich nicht davon ausgehe, dass man wissen kann, warum einem durch den Kopf geht, was einem durch den Kopf geht. Trotzdem habe ich dem Mann davon erzählt, dass ich erst vor ein paar Minuten an Gunter Sachs gedacht hätte. Er ging nicht darauf ein. Später dann fiel mir ein, dass ich mich Brigitte Bardot, mit der Gunter Sachs, von dem ich sonst nicht viel mehr weiss, als dass er in Lausanne Mathematik studiert und eine Passion für Fotografie hatte, einmal verheiratet gewesen war, verbunden fühle, weil sie am selben Tag wie ich Geburtstag hat, wenn auch zu unterschiedlichen Jahren.
Schon eigenartig, was das Hirn im Nachhinein so alles zusammenbringt. Von sich aus, ohne dass ich den Eindruck hatte, etwas dazu beigetragen zu haben.
Wednesday, 2 September 2026
In Brasília
Nach Brasília wollte ich schon lange. Bilder der architektonischen Perlen habe ich schon viele bewundert. Dazu kommt: Mich faszinieren Städte, die auf dem Reissbrett entstehen und dann umgesetzt werden.
„Mein“ Hotel liegt in einer ausgesprochen tristen Gegend, den Swimmingpool, den ich meinte, mitgebucht zu haben, gibt es nicht, und das Spa im Hotelnamen, erläutert mir der junge, hilfsbereite Mann an der Rezeption, stehe für Wassermassage; ich bin unentschlossen, ob er wohl Whirlpool meint oder ob ich in einem Puff gelandet bin – die Ausstattung ist dermassen geschmacklos, dass Letzteres naheliegt. Doch es erweist sich dann, dass ich mich geirrt habe.
Ob es eine Bäckerei oder einen Supermarkt in der Nähe gebe? Er muss nachschauen, er wohnt in einer anderen Gegend. Er wird rasch fündig und ich mache mich auf den Weg. In der Bäckerei gibt es Mousse de Maracujá (wenn auch nicht die beste), im Supermarkt Wassermelonenscheiben – und ich bins zufrieden.
Blicke ich aus dem Fenster, sehe ich diesen unfassbar weiten Himmel, dessen Anblick stets mit einem Gefühl von Freiheit einhergeht. Flüge setzen zur Landung an, die Wolken formieren sich immer wieder neu. Nach einer Weile gehe ich online, klicke mich kurz durch einen Artikel über Bücher, die man unbedingt gelesen haben muss – ich nicht mehr. Und dabei konnte ich von den sogenannt richtigen Büchern einst nie genug kriegen. Heute ist es selten, dass ich einen Schriftsteller (Frauen inklusive) keinen eitlen, sich übermässig wichtig nehmenden Langweiler finde. Selbst die glänzendesten Debattierer, wie etwa Christopher Hitchens, erlebe ich als unangenehme Rechthaber, mit einem Stolz und Vertrauen in ihre Intelligenz, die mir unbegreiflich ist.
Der Uber-Fahrer zum Pontão Lago Sul, einer Parkanlage am Seeufer, sieht aus wie ein jüngerer Bruder von Eddie Murphy und wundert sich, was mich denn bloss in diese nicht gerade tolle Gegend getrieben habe. Die Hotelwerbung habe von Flughafennähe gesprochen, sage ich lahm, worauf er lacht, da stimme, allerdings liege das Hotel weit entfernt von allem anderen. Er redet wie ein Maschinengewehr und bestätigt wieder einmal, dass die Brasilianer begeisterte Plauderer, doch wenig begabte Zuhörer sind, sonst müsste dem Mann doch auffallen, dass ich fast ausschliesslich mit undefinierbaren Lauten antworte. Viellleicht hat er es ja gemerkt, doch gekümmert hat es ihn nicht.
Die Fahrt zum Pontão Lago Sul dauert im Morgenverkehr eine gute Stunde und kostet mich gerade mal 6 Schweizer Franken; die Rückfahrt dauert 20 Minuten und kostet mich dasselbe. Wechselgeld haben Uber-Fahrer nicht: Entweder man hat den genauen Betrag zur Hand oder man zahlt mit Pix.
Am Pontão Lago Sul verwickelt mich ein Sicherheitsangestellter in ein Gespräch. Er war früher Sportlehrer in einer Schule, doch im Sicherheitsdienst habe er mehr Sicherheit (!).
Tags zuvor hatte ich nahe beim Hotel eine Reklame für Manicure und Pedicure gesehen. Wo das sei, erkundigte ich mich beim Rezeptionisten, der zum Telefon griff, mir den Preis nannte, und als ich nickte und zwei Uhr sagte, die Sache finalisierte. Der Uber dorthin koste 13 Reais, sagt er dann, und ich wundere mich, da ich angenommen hatte, der Salon sei in der Nähe. Kurz vor meiner Ankunft vor Ort ereignete sich ein Wolkenbruch und es schüttete massiv. Obwohl mir die Saloninhaberin, die ich auf Mitte fünfzig schätzte, mit einem Schirm zu Hilfe eilte, war ich nach ein paar Metern bereits durchnässt.
Während der Nagelbehandung, bei der ich zweimal vor Schmerzen kurz aufschrie, was die Frau wortlos überging, ergoss sich eine Geschichte nach der andern über mich, von denen mir vor allem geblieben ist, dass ihr Mann, als Covid wütete, verstarb und ihr Sohn in eine Depression verfiel. Sie senkte die Stimme zu einem Flüstern, als sie dies erzählte, obwohl wir die beiden einzigen im Raum waren.
Dass dies einmal mein Einstieg in Brasília sein würde, hätte ich mir nicht vorstellen können. Doch es gefällt mir, auch dieses Brasília erlebt zu haben.
Sunday, 30 August 2026
In Milano
Ich bewege mich ausschliesslich in der Gegend um mein Hotel (dunkle Zimmer, in Marmor, selbst die Lichtschalter sind schwarz, kaum zu sehen und nur zu ertasten; die Bauherren, denen dies zu verdanken ist, waren definitiv nicht von Nützlichkeitserwägungegn geleitet), also in der Gegend Piazza Lima, Corso Buenos Aires, Porta Venezia, mehrmals besuche ich die Giardini Pubblici, schaue durch die Gitter, um im Garten der Villa Invernizzi die rosa Flamingos zu sehen. Bedauerlicherweise ist das Licht ungünstig, gute Fotos sind so nicht möglich.
Ich gehe durch Häuserschluchten und frage mich, wer wohl diese städtischen Wohnkomplexe einst geplant und gebaut hatte (und wem sie heute gehören), komme an vielen Cafés vorbei und auch an Parkanlagen, die lange Strassen unterteilen, und wo unter Baumkronen Gruppen von Senioren an Tischen sitzen und Karten spielen.
In der Nähe gibt es auch eine Pizzeria Spontini (gemäss Internet gibt es drei in der Stadt), wo es traditionell zu und her gehe, wie ich lese, ohne Chichi, zu günstigen Preisen. Stimmt alles, die Gäste sind ausschliesslich Italiener (stelle ich mir vor), die Pizzaioli und die Bedienung Asiaten.
Der Mann in der Gelateria glaubt in meinem Italienisch einen spanischen oder portugiesischen Akzent auszumachen. Er selber stammt aus Brasilien, aus Paraná.
Ich lande auf einem grossen Kleider- und Gemüsemarkt und in diversen Cafés, wo man hervorragenden Cappuccino bekommt, für 2 Euro 10 bis 2 Euro 30! Mein amerikanischer, ursprünglich aus Äthiopien stammender, Sitznachbar wundert sich im Zug nach Zürich über die Preise in der Schweiz. Die kleine Flasche Wasser kostet ihn satte 5 Euro! Wahrscheinlich Hahnenwasser, kommentiere ich ...
A person's life is like a heavy burden carried on a long road, one should not rush through, steht auf einem Schild in Hiroshima, das am Fuss einer 600stufigen Treppe angebracht ist, die zu einem Mahnmal hochführt. Warum mir das gerade jetzt durch den Kopf geht? Egal, besser ich halte mich daran.
Mich mehrmals täglich ermahnend, das hier, das jetzt, das ist dein Leben. Doch mein Hirn will davon nichts wissen, rennt davon, wie es so seine Art ist. Ich bemühe mich trotzdem, den Wind auf der Haut zu spüren, das Auftreffen der Füsse auf dem Asphalt wahrzunehmen. Die Momente, in denen es gelingt, sind selten und wunderbar.
Ich bin viel zu früh am Bahnhof (viel Polizei, es gibt eine Sicherheitsschleuse, um auf die Bahnsteige zu gelangen), traue den italienischen Zügen nicht, stelle mich darauf ein, dass „meiner“ ausfallen könnte (wie letzthin in Trento), will darauf vorbereitet sein, mich nach einer alternativen Verbindung umtun zu müssen. Es war unnötig, alles klappte bestens, der Zug fuhr pünktlich.
Wednesday, 26 August 2026
In Montbéliard
Die junge Frau an der Rezeption wirkt sehr scheu und sagt, sie sei neu hier, es könne also etwas dauern. Ob dies heute ihr erster Tag sei? Nein, nein, sie sei bereits seit letzten September hier. Ob ich wisse, was Autismus sei? So in etwa, erwidere ich. Das sei nicht erblich, sondern eine Laune der Natur. In ihrem Fall hätte es sie mit drei Jahren erwischt. Was so alles auf sie einstürze, sei häufig zuviel für sie, deshalb brauche sie dann einige Zeit, um es zu ordnen. Ich bedanke mich für die hilfreiche Information, und fühle mich sehr berührt.
Ich wolle aus der Stadt raus, zu Fuss, Richtung Héricourt. Da gebe es keinen Fussweg, auch sei es viel zu weit. Im Parc du Près-la-Rose gebe es Fuss- und Velowege, möglicherweise bis nach Belfort, wurde mir gesagt. Im Parc du Près-la-Rose stiess ich dann jedoch auf Wege, die in eine ganz andere Richtung führten, und so landete ich im Parc de l'Île-en-Mouvement, einer grosszügigen Anlage für Jung und Alt, in der viele Hündeler unterwegs sind.
Entlang
des Doubs gibt es einen Radweg (Veloroute Nantes Budapest) sowie eine
Beschilderung auf Französisch (Nous sommes sur une véloroute,
partageons la!), Englisch (This is a cycle route, let's share the
road!), Deutsch (Das ist ein Radweg, bitte Rücksicht aufeinander
nehmen!), die aufschlussreich Zeugnis über die unterschiedlichen
Mentalitäten gibt.
Wieder auf der Hauptstrasse folge ich dem Allan, in der Annahme irgendwann zu einer Brücke zu gelangen, was dann auch der Fall ist. Viel Schöneres als unter Baumkronen, durch die die Sonne scheint, einem Fluss entlangzugehen, gibt es für mich selten.
Das Café de la Poste ist fest in arabischer Hand. Ein Neunkömmling geht von Tisch zu Tisch und gibt ausnahmslos jedem (Frauen sehe ich heute keine; später merke ich, dass ich eine alte Dame übersehen habe) die Hand.
Ein Mann um die fünfzig, zwei Einkaufstaschen neben sich, pinkelt mitten in der Stadt an eine Hauswand, bevor er sich zur Busstation aufmacht. Eines der Merkmale der heutigen Zeit, ist die Absenz jeglichen Schamgefühls.







