Sunday, 31 May 2026

Die Fakten & Wir

 

Ein Titel auf Spiegel Online; „Schauspielerin Fritzi Haberlandt isst am liebsten Leberwurststullen.“ Hugo las zum ersten Mal von dieser Frau. Es zeigte ihm wieder einmal, wie uninformiert er war. Er wusste nicht einmal, was seine Nachbarin am liebsten ass.

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„… es ist therapeutisch, wenn du mit bestimmten Menschen sprichst. Du fühlst dich hinterher besser. Niemand weiss, warum. Es ist alles Chemie“, so die 94jährige Erika Freeman, die einst vor den Nazis fliehen musste, sich in New York als Psychoanalytikerin einen Namen machte, und mittlerweile wieder in Wien lebt. Den Florida-Golfer hält Erika Freeman für einen armen Mann, von seinem Vater nicht gemocht, von seiner Mutter für einen Nichtsnutz gehalten. Selbst Eltern, ging Hugo durch den Kopf, können manchmal ein gutes Gespür für ihre Kinder haben.

Wir kommen auf die Welt, dekonstruieren unsere Kindheit und dann sterben wir“, zitiert ihr Interviewer Dirk Stermann einen Comic aus dem New Yorker. Das deprimiert ihn. Ganz anders Erika Freeman. „Warum ist das deprimierend? Wir kommen auf die Welt, das ist doch schon mal sehr gut. Wir schauen, was in unserem Leben passiert, auch gut. Und wenn der Herrgott findet, dass wir genug angestellt haben, gehen wir.“

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Als der Physiker Leo Szilard eines Tages seinem Kollegen Hans Bethe mitteilte, er trage sich mit dem Gedanken, ein Tagebuch zu schreiben, fügte er hinzu, er habe nicht die Absicht, es zu veröffentlichen, er wolle nur die Fakten aufzeichnen, zur Information Gottes. Ob er denn nicht glaube, Gott kenne die Fakten, fragte Bethe. Sicher, er kenne die Fakten, doch diese Version der Fakten, die kenne er noch nicht, antwortete Szilard.

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Buddhisten glauben, das Ich sei eine Illusion. Wer sich die Tatsache vor Augen führt, dass alles in ständiger Veränderung begriffen ist, weiss das auch. Unser Lebenstrieb will hingegen, dass es ein Ich gibt. Da unser Lebenswille stärker ist als alle anderen Triebe, klammern wir uns daran — und leiden. Sich an der Vorstellung eines stabilen Ich festzuhalten, das es gar nicht geben kann, wird zwangsläufig ins Leiden münden.

Der Personenkult, den wir pflegen, ist nicht nur schädlich, er ist absurd. Und er entmündigt uns, weil er uns sagt, wir seien nicht in Ordnung, müssten anders und besser sein, am besten so wie die, denen andere Talente mit auf den Lebensweg gegeben wurden.

Hans Durrer, Heute Nicht! Die Geschichte einer Obsession, Tredition 2025

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