Geschirr und Besteck des Frühstücksbuffets übersteigen jedes Klischee: alles aus Plastik. Am Unappetitlichsten sehen die grauen Würstchen aus, doch sie schmecken hervorragend. Man kann auch Waffeln machen, ich trau mich nicht. Ein langer, schlacksiger, amerikanisch-selbstbewusster Schwarzer kennt solche Skrupel nicht und richtet ein Desaster an, zwei Angestellte eilen zu Hilfe.
„The San Juan Daily Star“ berichtet, dass die Regenfälle der letzten Tage (Mai 2014) einen neuen Rekord bedeuten; seit 1917 habe es nicht mehr so stark geregnet. Die Zeitung erzählt auch die Geschichte eines Kubaners, der im Alter von acht in die Vereinigten Staaten kam, die meiste Zeit seines Berufslebens in der Gefängnisverwaltung tätig gewesen ist und vor Kurzem herausgefunden hat, dass er gar kein amerikanischer Staatsbürger ist: er sei am Boden zerstört, erfahre ich.
Die Frau an der Rezeption meines Hotels kann fast nicht fassen, dass ich Spanisch spreche. Sie guckt mich mit offenem Mund an, ruft ihren Kollegen, sagt ihm, ich spräche Spanisch … ihr Kollege zeigt sich weniger beeindruckt, er hat mich für einen Italiener gehalten und das Italienische und das Spanische seien ja nicht so verschieden. Das Erstaunen der Rezeptionistin ist mir vollkommen unbegreiflich, ich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, was im Kopf dieser Frau abläuft und staune mal wieder darüber, wie fremd wir Menschen uns doch sind, obwohl wir doch alle das Gleiche wollen: geliebt werden.
Ob ich auf Englisch oder Spanisch angesprochen werde, scheint weniger von mir oder dem, was die Leute in mir sehen abhängig, sondern vom Ort. In Condado, einer Touristengegend, werde ich meistens auf Englisch angesprochen, in Sagrado oder Bayamón, Vororten von San Juan, immer auf Spanisch. Mit der Zeit merkte ich, dass es doch nicht nur vom Ort, sondern auch von mir abhing: war ich unrasiert, wurde ich überall auf Spanisch angesprochen …
Gegen Abend füllen sich die Strassen mit Joggern, die weniger Sportiven halten sich an Kaffeebechern fest.
„The San Juan Daily Star“ titelt: „More Than a Third of PR Population Receives Food Stamps“. In Zahlen heisst das: 1,4 Millionen der 3,6 Millionen Einwohner der Insel.
Ich sitze am Hotelcomputer. In meinem Ruecken unterhält sich ein Mann lautstark mit der Rezeptionistin, er hat eine Stimme, die Menschen eigen ist, die einen Seehundschnauz tragen … ich drehe mich um: er trägt ein Boxerbärtchen mit Schnauz.

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