Sunday, 6 September 2026

Mit Gunter Sachs in Andiast

Von Andiast aus gesehen, am 8. November 2023


Im Postauto nach Andiast der Gedanke: Wie alt war eigentlich Gunter Sachs, als er sich erschoss? Keine Ahnung, warum ich mich das fragte und auch gleich wieder vergass.

Kurz nach meiner Ankunft kam ich mit einem Mann ins Gespräch, der eine gute halbe Stunde auf mich einredete, ohne Pause und ohne auf meine gelegentlich eingeworfenen Bemerkungen auch nur im geringsten einzugehen. Eine einzige Frage stellte er mir: Woher ich sei? Ich wohne in Sargans, sagte ich, worauf er von Niederweningen, das nicht gerade in der Nähe liegt, zu erzählen begann. Go figure! Freundlich war er gleichwohl.

Mariana aus Bahia, die in Lima pausenlos auf mich einredete, ging mir durch den Kopf: Mein Sohn sagt, ich könne genauso gut mit einer Wand reden, lachte sie. Soviel Eigenwahrnehmung geht dem Mann aus Andiast definitiv ab.

82 war er, ehemals Bauer in Andiast, dann Chauffeur in Chur und schliesslich 25 Jahre bei der Ems Chemie. Zwei Töchter, die eine in Chur, die andere in Vella. Vom Skifahren redete er, von den Jungen, die weggehen, den Unterländern, die sich im Ort Häuser kauften, bis er ganz unvermittelt sagte: Dort drüben, in Surcuolm, hat sich Gunter Sachs eingebürgert.

Wie ist es nur möglich, dachte es so in mir, dass ein Mann ohne Unterbruch redet? Hört ihm sonst niemand zu? Hört er sich gerne reden? Oder ist einfach ein Automatismus am Werk, den er nicht kontrolliert?

Dass er Gunter Sachs erwähnte, hat mich zwar verblüfft, eine mögliche Erklärung dafür habe ich jedoch nicht gesucht, da ich nicht davon ausgehe, dass man wissen kann, warum einem durch den Kopf geht, was einem durch den Kopf geht. Trotzdem habe ich dem Mann davon erzählt, dass ich erst vor ein paar Minuten an Gunter Sachs gedacht hätte. Er ging nicht darauf ein. Später dann fiel mir ein, dass ich mich Brigitte Bardot, mit der Gunter Sachs, von dem ich sonst nicht viel mehr weiss, als dass er in Lausanne Mathematik studiert und eine Passion für Fotografie hatte, einmal verheiratet gewesen war, verbunden fühle, weil sie am selben Tag wie ich Geburtstag hat, wenn auch zu unterschiedlichen Jahren.

Schon eigenartig, was das Hirn im Nachhinein so alles zusammenbringt. Von sich aus, ohne dass ich den Eindruck hatte, etwas dazu beigetragen zu haben.

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