Sunday, 30 August 2026

In Milano

Ich bewege mich ausschliesslich in der Gegend um mein Hotel (dunkle Zimmer, in Marmor, selbst die Lichtschalter sind schwarz, kaum zu sehen und nur zu ertasten; die Bauherren, denen dies zu verdanken ist, waren definitiv nicht von Nützlichkeitserwägungegn geleitet), also in der Gegend Piazza Lima, Corso Buenos Aires, Porta Venezia, mehrmals besuche ich die Giardini Pubblici, schaue durch die Gitter, um im Garten der Villa Invernizzi die rosa Flamingos zu sehen. Bedauerlicherweise ist das Licht ungünstig, gute Fotos sind so nicht möglich. 

Ich gehe durch Häuserschluchten und frage mich, wer wohl diese städtischen Wohnkomplexe einst geplant und gebaut hatte (und wem sie heute gehören), komme an vielen Cafés vorbei und auch an Parkanlagen, die lange Strassen unterteilen, und wo unter Baumkronen Gruppen von Senioren an Tischen sitzen und Karten spielen.

In der Nähe gibt es auch eine Pizzeria Spontini (gemäss Internet gibt es drei in der Stadt), wo es traditionell zu und her gehe, wie ich lese, ohne Chichi, zu günstigen Preisen. Stimmt alles, die Gäste sind ausschliesslich Italiener (stelle ich mir vor), die Pizzaioli und die Bedienung Asiaten.

Der Mann in der Gelateria glaubt in meinem Italienisch einen spanischen oder portugiesischen Akzent auszumachen. Er selber stammt aus Brasilien, aus Paraná.

Ich lande auf einem grossen Kleider- und Gemüsemarkt und in diversen Cafés, wo man hervorragenden Cappuccino bekommt, für 2 Euro 10 bis 2 Euro 30! Mein amerikanischer, ursprünglich aus Äthiopien stammender, Sitznachbar wundert sich im Zug nach Zürich über die Preise in der Schweiz. Die kleine Flasche Wasser kostet ihn satte 5 Euro! Wahrscheinlich Hahnenwasser, kommentiere ich ...

A person's life is like a heavy burden carried on a long road, one should not rush through, steht auf einem Schild in Hiroshima, da am Fuss einer 600stufigen Treppe angebracht ist, die zu einem Mahnmal hochführt. Warum mir das gerade jetzt durch den Kopf geht? Egal, besser ich halte mich daran.

Mich mehrmals täglich ermahnend, das hier, das jetzt, das  ist dein Leben. Doch mein Hirn will davon nichts wissen, rennt davon, wie es so seine Art ist. Ich bemühe mich trotzdem, den Wind auf der Haut zu spüren, das Auftreffen der Füsse auf dem Asphalt wahrzunehmen. Die Momente, in denen es gelingt, sind selten und wunderbar.

Ich bin viel zu früh am Bahnhof (viel Polizei, es gibt eine Sicherheitsschleuse, um auf die Bahnsteige zu gelangen), traue den italienischen Zügen nicht, stelle mich darauf ein, dass „meiner“ ausfallen könnte (wie letzthin in Trento), will darauf vorbereitet sein, mich nach einer alternativen Verbindung umtun zu müssen. Es war unnötig, alles klappte bestens, der Zug pünktlich.  

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