Wednesday, 15 July 2026

Impressionen aus Busan & Pohang

Erstaunlich immer wieder, wie wenig Hotelangestellte Englisch können, von dem man allgemein annimmt, dass es weltweit gesprochen wird. Als Telmo, ein Freund aus Santa Cruz do Sul, der hier eine Weiterbildung absolviert, im Hotel in Busan nach der Toilette fragt, wird ihm der Weg zu McDonalds gezeigt.

Dass man auch mit ganz wenig Fremdsprachenkenntnissen reisen kann, beweisen die beiden Russinnen beim Einchecken im Hotel: Sie antworten auf jede Frage mit 'Russian'.

In Busan bin ich, wie bereits in Seoul, durch Seitenstrassen spaziert und habe die Stille dort genossen. Ausser einigen alten Einheimischen habe ich dort niemanden angetroffen. Ein ganz anderes Busan erlebte ich als ich mit Telmo und dem Mann, der seinen Aufenhalt in Busan organisiert hat (Telmo lernt hier neue Operationstechniken), im Auto Ost-Busan kennenlernte. Drei Stunden waren wir im Auto unterwegs, vor allem entlang spektakulärer Küstenabschnitte, und hatten am Ende doch nur einen kleinen Teil der Stadt gesehen.

Busan, am 9, Juni 2026

Die Amerikaner probieren einfach, wagen etwas (und richten oft ein Chaos an), die Koreaner hingegen planen minutiös, sagt Telmos Spital-Kontakt. In einem Cafe am Strand in Pohang zeigt sich das darin, dass der Angestellte nicht ein Jota vor seinen Vorschriften abweicht: Ich bin der einzige Gast an diesem Morgen, mir wird ein Fensterplatz im zweiten Stock zugewiesen. Nach zehn Minuten kommt eine elektronische Mitteilung, der Kaffee sei bereit, worauf ich wieder in den ersten Stock hinuntersteigen und ihn mir holen muss.

Beim Blick aus dem Fenster auf der Zugsfahrt von Busan nach Pohang muss ich manchmal laut auflachen, so absurd kommt mir die Szenerie vor. Das reiht sich Hochhaus an Hochhaus, was mich an China erinnert. Ein eigenartiges Wesen, der Mensch: Dass es an Platz mangelt auf der Welt, kann man nun wirklich nicht sagen. Nur eben: Der Mensch will dahin, wo auch alle anderen hinwollen. Und glaubt dann noch, das sei seinem Individualismus geschuldet.

An Informationsschalter im Bahnhof von Pohang arbeiten zwei Damen im fortgeschrittenen Alter, die zwar kein Englisch sprechen, doch nicken, als ich ihnen den Namen des Hotels ein paar Mal wiederhole. Irgendwie schaffe ich es, ihnen klarzumachen, dass sie mir den Hotelnamen in koreanischen Zeichen aufschreiben sollen. Sie tun dies bereitwillig und so mache ich mich gewappnet auf zum Taxistand, wo mich in der Warteschlange ein Outdoor-Spezialist aus Seoul anspricht, und in der Folge dem Taxifahrer Anweisungen gibt, wo er mich hinfahren soll. Vorbereitet zu sein, bringt auch nicht immer viel.

Mein Zimmer ist geräumig, besonders der Schreibtisch ist sehr willkommen, ein Fenster hat es obendrein (das war in Busan nicht so), und so beschliesse ich, mich hier ein paar Tage niederzulassen, die Gegend zu erkunden und zu lesen. Ich spaziere zwischen vier und fünf Stunden durch die Strassen, mache Fotos und versuche, präsent zu sein. Damit das gelingt, muss ich mich ständig ermahnen, meine Schritte zu verlangsamen, mir für die Fotos Zeit zu nehmen.

Keine Ahnung, weshalb mir einiges in Erinnerung bleibt, und anderes nicht. Die gängigen Erklärungsversuche haben mich noch nie überzeugt. Die allersimpelste Version (man erinnert sich an das, was einem wichtig ist), ist von schwer zu übertreffender Blödheit. Woran ich mich seit ein paar Tagen erinnere, ist der Satz der jungen Japanerin am Bahnhof von Unseo: Die Koreaner seien Meister des Designs. Jeden Tag wird mir das vor Augen geführt. Und dann ist da noch ein Zitat von Roald Dahl, das mir nicht mehr aus dem Kopf will (und ich bin froh drum):“The same boiling water that softens the potato hardens the egg. It's about what you're made of, not the circumstances.”

Oft weiss ich nicht, wo ich mich befinde, besonders beim Aufwachen. In Kuba, in Japan, in Thailand? Mir kommt es vor, als ob alles gleichzeitig geschieht und der Mensch die Zeit erfunden hat, um sich Halt und Orientierung zu geben. Bis sie sich dann gegen uns wendet und uns terrorisiert.

Aus mir unerfindlichen Gründen gelingt es mir nicht, online ein Ticket für Korean Rail zu erwerben, und so bitte ich an der Rezeption um Hilfe. Ich wolle nach Gyeongju und von dort nach Andong. Da ich Gyeongju (das praktisch ums Eck rum liegt) offenbar wie Jinju (das weit weg, im südlichsten Süden des Landes liegt) ausspreche, stellt das die Rezeptionistin vor eine schwierige Aufgabe: Die Reise, von der ich aufgrund meiner Internet Recherchen geglaubt hatte, sie würde aus einer direkten, recht kurzen Zugsverbindungung bestehen, entpuppt sich als kompliziertes Unterfangen mit mehrmaligem Umsteigen und stundenlanger Dauer. Nach gut eineinhalb Stunden verfalle ich schliesslich auf die Idee, der Rezeptionistin die Schreibweise von Gyeongju vor die Nase zu halten, worauf sich alles in NullKommaNix ändert und ich in nunmehr kürzester Zeit mein Ticket habe.

Pohang, am 11. Juni 2026

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