Thursday, 29 April 2010

Lebenselixier für Bürokratien

Er war überzeugt, dass sich Geschichte wiederholte. Dass sich in den Ruinen aller Reiche die gleichen Leidenschaften, ehrgeizigen Ziele und Torheiten finden liessen. Dass die Philosophie als höchste Form geistiger und spiritueller Übung einigen wenigen Auserwählten vorbehalten blieb. Deshalb blieb die Menschheit in einem Teufelskreis gefangen, den sie selbst geschaffen hatte. Es war keine Frage der Ursünde, sondern der anhaltenden Dummheit.
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Es erstaunte ihn immer wieder aufs Neue, wie das Gehirn Worte, Melodien, Blumendüfte bewahren und dann Jahre nachdem sie die Sinne berührt hatten, wieder freisetzen konnte. Und es war nie vorhersehbar, wann sie wieder auftauchten, es konnte durch einen Klang, einen Anblick oder Geruch ausgelöst werden, der mit dem ursprünglichen Erlebnis gar nichts zu tun hatte.
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Santini hatte viel über 'smart bombs' nachgedacht, jene lasergesteuerten Präzisionsraketen, die den Krieg wie ein Videospiel aussehen liessen. Viele Millionen Dollar teure Waffen, Satelliten, Miniaturkameras. Und was kommt am Ende dabei raus? Jemand baut Mist, vertauscht ein Etikett, machte eine falsche Eingabe in einen Laptop.
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Es erstaunte Paul Teischer immer wieder aufs Neue, im welchem Masse Eifersucht und Kleinkriege geradezu ein Lebenselixier für Bürokratien waren.

William S. Cohen: Die Verschwörer

Tuesday, 27 April 2010

When roofs meet

Difficult to imagine a political debate in which nobody says "you've quoted me out of context". Context of course is not a fixed entity, it does not exist out there and has only to be discovered - context is made. And never is this more apparent than when you take your camera, go out there - and frame. For to frame means to be in charge of creating your own context: everything that exists beyond the confines of my frame, I've decided to not consider.

What you see here is how I framed two roofs in order to make them meet.



Copyright @ Hans Durrer

These photos were taken on Tuesday, 20 April 2010, at the train station Chur-West.

Sunday, 25 April 2010

As Gurdjieff says ...

... every one of these unfortunates during the process of existence should constantly sense and be cognizant of the inevitability of his own death as well as the death of everyone upon whom his eyes or attention rests. Only such a sensation and such a cognizance can now destroy the egoism completely crystallized in them.
G.I. Gurdjieff

Friday, 23 April 2010

Magnum Magnum

Als im Jahre 2007 die Photoagentur Magnum (die Bezeichnung "legendär", ohne die Medienmenschen offenbar nicht über diese Agentur schreiben können, lassen wir für einmal weg, da eh nicht so recht klar ist, was damit eigentlich gemeint ist - und überhaupt, Magnum ist ja nicht tot, es gibt sie nach wie vor) ihren 60. Geburtstag feierte, veröffentlichte Schirmer/Mosel eine grossformatige Festschrift, die ganz schnell vergriffen war, wie übrigens auch die ein Jahr später erschienene leicht verkleinerte Neuauflage. Was nun vorliegt ist die dritte Version und zwar im Small-Size-Format und als Flexbroschur, welche der Verlag so richtig bescheiden, als "das grösste, schönste und authentischste Buch über die Agentur und ihre Photographen, das es je gab!" bezeichnet. Bescheidenheit ist auch Stuart Franklins Sache nicht, für den das Buch ein "einzigartiger Blick in Herz und Seele der besten Bildagentur der Welt" ist. Nun gut, Franklin ist der Präsident von Magnum Photos und so ist ihm sein Selbstlob nachzusehen - genauso wie dem Schirmer/Mosel Verlag.


Sich selber über den grünen Klee zu loben, mag nicht besonders fein sein, heisst aber eben noch lange nicht, dass das Lob nicht verdient ist. Also: ob Magnum die beste Bildagentur der Welt ist, wer will das schon sagen können, doch dass dies wirklich ein ganz aussergewöhnliches Buch ist, darüber besteht überhaupt kein Zweifel. Es gibt ja so recht eigentlich Magnum Bücher zuhauf, da also noch etwas zu machen, dass den üblichen Rahmen guter Photobücher sprengt, ist mehr als bemerkenswert. Und was braucht es, um den Rahmen des Üblichen zu sprengen? Eine clevere Idee - und deren genauso clevere Umsetzung.

Fairway Motor Inn 2005 @ Alec Soth / Magnum Photos

Die clevere Idee hatte Martin Parr, also derjenige Magnum Fotograf, dessen Aufnahme in die Agentur zu heftigen Auseinandersetzungen geführt hatte. Ich selber bin kein Fan seiner Bilder, doch sein Buchkonzept ist bestechend und - angesichts der Animositäten, die in jeder Familie, und damit auch der Magnum-Familie, vorkommen - einigermassen heikel: die Magnum Fotografen wurden gebeten, eine Auswahl aus dem Werk eines oder mehrerer ihrer Kollegen zu treffen und diese dann zu kommentieren. Man kann sich unschwer vorstellen, was für eine diffizile Aufgabe die jeweiligen Zuordnungen darstellten - das Konzept konnte auch nicht hundertprozentig durchgehalten werden, so wählte Dennis Stock, zum Beispiel, seine Arbeiten selber aus - , doch wer wem zugeordnet wurde, soll hier nicht verraten werden, nur soviel: der Herausgeberin ist ein Meisterwerk gelungen.

Verschleierte Frau im "Wild Wadi Water Park", Dubai, Vereinigte Arabische Emirate 2006 @ Thomas Hoepker / Magnum Photos

Das Einzige, was nicht besonders überzeugt, ist der Text "Was ist ein Magnum-Foto?" Man weiss am Schluss der Lektüre eigentlich genau so viel wie am Anfang. Nämlich: dass es sich einer Definition entzieht, weil es ein Magnum-Foto so recht eigentlich gar nicht geben kann (auch wenn man sich vorstellen kann, dass das René Burri Foto von São Paulo auch von Henri Cartier-Bresson hätte sein können), doch dass man manchmal zu spüren vermeint, was das ist, ein Magnum-Foto - und man sich dabei natürlich genauso oft auch irren kann.


MAGNUM MAGNUM
Herausgegeben von Brigitte Lardinois
Mit 413 Fotografien in Farbe und Duotone
Schirmer/Mosel, München 2009

Wednesday, 21 April 2010

Windows in Sedrun

These photos were taken on Sunday, 18 April 2010, in Sedrun, Switzerland.



Copyright @ Hans Durrer

Monday, 19 April 2010

On the rails

Yesterday, I got up early and took the train from Chur to Sedrun. My goal was to walk around Sedrun, a place I had not visited for years, and take pictures. The last wagon was empty save for a sleeping young man (who, when told by the conductor that he was on the wrong train, appeared totally stoned and eventually decided to fall asleep again) and me. Part of the trip I was standing at the rear door - here are some impressions.




Copyright @ Hans Durrer

Saturday, 17 April 2010

Guessing Games

On the train from Frankfurt to Basel, in the dining car. The man opposite me is in his late forties/early fifties and looks like the classical business type: suit and tie and the habitus of somebody who seems to think that he understands the world. He orders a whisky, then a steak with vegetables, a salad, and red wine. He fits my cliché of an American businessman. I often ask myself what people who I happen to meet do for a living, I say to him. Do you mind me guessing what you do? Not at all, he says, please go ahead. I think you are an American businessman, I say. Almost, he smiles. I'm Swedish but I'm indeed a businessman working for an American company. The man sitting next to the Swede is rather thin, and tall, and sports the skin of a person who spends his life indoors. I turn to him: Do you mind me asking you too? No, no, he smiles. To me you look like you're into theology, I say. Almost, he answers, I'm into pathology.